Dubai [0]

 

Wo geht’s hier zum nächsten Grün?

Jeder sechste Baukran der Welt steht in Dubai, heißt es. Egal, wie viele es tatsächlich sind: Vom Paradies ist die Wüstenstadt auch leider weit entfernt, wären da nicht diese tollen Golfplätze.

Lassen Sie mich mit der wichtigsten Lektion für Dubai-Reisende beginnen: Scheuklappenblick mitbringen! Hier gilt es nämlich einiges auszublenden, bevor man wieder abrauscht. Das bringt mich zu den drei wertvollsten Tipps für den Trip in die Wüstenstadt, den Geboten selektiven Schauens.

Erstens: Du sollst nicht den unzählbar vielen Bauarbeitern beim Roboten in schwirrender Hitze zuschauen, sonst geht Dir die unverzügliche Gründung einer Gewerkschaft den ganzen Urlaub lang nicht mehr aus dem Kopf. Zweitens: Du sollst niemals den Blick abwenden von Deinem Drei-Hauben-Hedonisten-Menü, das Du auf der Terrasse des Nobelschuppens einnimmst, in dem Du abgestiegen bist (andere gibt es hier ja ohnehin kaum). Er, der Blick, könnte nämlich leicht und völlig unbeabsichtigt in eine Mischmaschine fallen und dann ist es aus mit dem Genuss. Und Du sollst drittens, wenn es schon sein muss, nur mit geschlossenen Augen am Strand liegen und Dir die Stöpsel Deines MP3-Players tief in die Ohren schieben, damit Du weder siehst noch hörst, was hier abgeht. Auch stur und geradeaus das Meer anzustarren bringt genau gar nichts, denn die Chance, mystisch über den Wasserhorizont schwebende LkW zu sichten, ist sehr groß und das ist höchstens für zwei Minuten lustig – Sie haben sicher schon gehört, dass vor der Küste Dubais künstliche Inselwelten zur Schaffung von Neuland im Meer aufgeschüttet werden.

Wenn man das hinkriegt, ist alles paletti hier. Oder, und das scheint als Gebot Nummer vier äußerst empfehlenswert, man flüchtet schon früh morgens auf einen der zahlreichen Golfplätze – aber Achtung: Sie könnten rasch in die Rushhour kommen und Rushhour heißt hier wirklich Rushhour. Vier Autobahnspuren in eine Richtung sind halt manchmal zu wenig.

Am Rasen ist dafür alles schwer in Ordnung. Saftige Fairways zerschneiden den heißen Wüstensand und machen selbst die Hitze erträglich. Und, wenn man sich ausnahmsweise ein E-Cart leistet, lassen sich auch die Strapazen des Vorankommens minimieren. Ein Urlaub in Dubai kann nämlich leicht zu heiß geraten. Das Wetter ist zwar ganzjährig stabil, soll heißen: es regnet praktisch nie, und die Sonne scheint nahezu immer, aber auszuhalten ist sie nicht immer. Im Sommer, also von April bis Oktober, knallt sie einem gnadenlos auf die Schädeldecke, lässt Polo-Shirt und Bermudas mit der Oberhaut verschmelzen (schon wieder ein Tipp: Wer nach zwei Löchern nicht mit weißen Salzrandeln am Gwandl herumspazieren möchte, sollte sich in hell dressen, am besten überhaupt weiß). Die restliche Zeit hat es meist unter 30 Grad, ideal zum Verkürzen des heimischen Winters oder Strecken des Sommers.
Das Bekannteste und Feinste, was die Golfszene hier zu bieten hat, ist der Emirates Golf Club mit seinen Kursen „Majlis“ und „Wadi“ und dem viel fotografierten, beduinenzeltartigen Clubhaus.

Über den Fairways des „Majlis Course“ liegt latent Tiger-Luft: Woods hat hier jährlich bei der „Dubai Desert Classic“ anzutreten. Ohne ihn wäre alles nur halb so glamourös und das lässt hier keiner zu. Deshalb wandern bereits Millionen von Dollars – abseits des Preisgeldes, wenn er die Kugel gut trifft – auf das Wood’sche Konto, nur damit er seinen Könnerkörper her schwingt. Schließlich ist der Zusatznutzen derartiger Ausgaben unbezahlbar, etwa wenn die Bilder mit einem von der Hubschrauberplattform der Sechs-Sterne-Herberge „Burj al Arab“ abschlagenden Woods um die Welt wandern. Hier sitzen exzellente Marketingspezialisten, für die Bescheidenheit unanständig scheint.

Von November bis zum Turnier im März sind E-Carts am Platz übrigens „forbidden“. Der Rasen gehört geschont – in Dubai ist selbst Golf kein Spaß. Schließlich stehen die Golfplätze nebst ihrer touristischen Bedeutung auch für den Traum, die Wüste zu begrünen. Dubai hat kein Wasser – abgesehen von ein bisserl Grundwasser –, aber das Geld, es quasi durch Entsalzung neu zu erfinden. Der Herrscher über das Emirat, Shaikh Maktoum bin Mohammed bin Rashid Al Maktoum –, ist schwer dahinter, dass sein Moos da einen wertvollen Beitrag leistet. Die künstliche Oase des Emirates GC wird täglich aus 750 Düsen mit Millionen Liter Wasser besprenkelt. Damit es hier nicht so aussieht, als wäre man in der Wüste, ließ oben Genannter für den „Emirates“ tausende Palmen aus Südamerika und erwachsene Kakteen aus Arizona herankarren. Beim Golfplatzmachen orientierte er sich nicht so sehr am spartanisch Englischen, sondern am Amerikanischen: Golf-Carts mit GPS, Golfshops mit exklusiver Ware und Clubhäuser mit Luxusausstattung und Air-Cons, die auf Eisbärtemperatur gestellt sind und Aprés-Golf beinahe unerträglich machen. Apropos danach: Wenn Sie nach der Runde beim Clubhaus ankommen, warten fein gebügelte, weiß gekleidete Jungs auf den durchgeschwitzten Golfer, um ihm zur Hand zu gehen. Das inkludiert nebst Schlägerreinigung auch Golfschuhverstauen. Nach vier Stunden in den Böcken auch kein Spaß.


Golf im Sand

Golfen ist in Dubai eine junge Disziplin. Bis 1988 wuchs hier kein Halm. Man gab sich damals mit den Gegebenheiten der Wüste zufrieden und spielte auf dem Untergrund, der von Natur aus zur Verfügung steht – auf Sand. Der älteste Golfplatz, der „Dubai Country Club“, wurde bis heute penibel grasfrei gehalten. Golfen auf Sand ist eine schräge Angelegenheit, die man sich ungefähr so vorzustellen hat: Jeder Spieler schnappt sich eine Kunstrasenmatte, knallt sie möglichst lässig auf den Boden, schlägt von ihr ab, wandert zum Ball, lässt das künstliche Fairway wieder fallen, Ball rauf, abschlagen. Er wiederholt das so lange, bis er am Grün ist, das ein „Brown“ ist, denn auch ums Loch regiert der Sand. Er ist mit Öl gebunden und entsprechend pfeilschnell. Die Fußabdrücke müssen dann mit einem Besen wieder glatt gebürstet werden, das gehört zur Etikette.

Der „Emirates“ war der erste Rasenplatz und wurde von der Regierung beauftragt, damit was weitergeht. Heute reicht – es sei denn, man spielt mehr als einen Platz täglich – eine Woche Urlaub nicht aus, um alle Fairways hier zu bespielen. Es erübrigt sich zu betonen, dass das Golfplatzbau-Happening längst nicht abgeschlossen ist. Für das professionelle Rasendesign wurden schon bisher nur die Besten der Besten engagiert: Nick Faldo, Thomas Björn, Colin Montgomerie und Desmond Muirhead, Ian Baker-Finch und Jack Nicklaus, Robert Trent Jones II, Gary Player. Und in der Liga geht’s munter weiter. Ernie Els darf in der Dubai Sport City „The Dune“ bauen und Greg Norman ist auch heftig am Planen. Angeblich kann er gleich vier Plätze auf seiner Auftragsliste verbuchen. Zwei davon sind bereits sehr konkret: „Jumairah Golf Estates“ soll die vier Elemente Erde, Feuer, Luft und Wasser symbolisieren. Schon im Bau ist „The Little White Shark“ auf Jumairah Island: Das wird aber nur ein Fun-Course mit sechs Löchern – für Familien. Und dann entsteht da noch „The Inspiration“, ein 18-teiliges Puzzle mit Kopien der bekanntesten und spektakulärsten Bahnen der Welt.

Was ich noch unbedingt anbringen möchte: Männer müssen in Dubai ein Handicap 28 vorweisen, bei Frauen gibt man sich mit 45 zufrieden. Ich halte das ja für einigermaßen diskriminierend, den Männern gegenüber. Sinn macht das auch nicht. Handicap-Begrenzungen dienen der Spielgeschwindigkeit und was nützt ein 28-er, wenn einen die Frau erst aufhält. Aber wahrscheinlich rechnet hier ohnehin niemand ernsthaft damit, dass Frauen zum Schläger greifen. Aber das wissen wir ja, in dieser Gegend hapert es noch ein wenig mit der Gleichberechtigung. (Wussten Sie, dass Männer hier von den eigenen Frauen nicht unter Verwendung ihres Namens sprechen?)

Beenden wir unsere Reise mit etwas Kühlem: Golfer, die wegen der E-Cart-Fahrerei mit dem Gefühl des fortschreitenden Bewegungsmangels vom Platz gehen, können neuerdings im „Ski Dome“ in der „Mall of the Emirates“ Ski fahren gehen (die Ausrüstung kann, mit der Ausnahme von Handschuhen, gemietet werden), mit dem Nebeneffekt einer effektiven Abkühlung bei einem einzigen Minusgrad. Und dann vielleicht einen Jagatee trinken. Das macht dieses touristische Gravitationszentrum für Konsumwillige aus, dieses Das-scheinbar-Unmögliche-möglich-zu-machen. Aber das habe ich ausgeblendet.


Reiseinfos

Veranstalter:

Dubai haben alle Golffreisespezialisten im Angebot (Kuoni-Golfreisen mit Schwung, TGR, TUI). Interessante Angebote hat Emirates World Travel Cologne (EWTC GmbH) in Köln, Tel.: +49/ 221/80 11 12-0, www.ewtc.de

Klima und Reisezeit:

Das subtropische Klima bringt heiße Sommer (35 bis 45 Grad mit mehr als 80 Prozent Luftfeuchtigkeit) und angenehme Winter (25 bis 35 Grad tagsüber, 17 bis 20 Grad nachts, 30 bis 40 Prozent Luftfeuchtigkeit). Beste Reisezeit zwischen Oktober und April. 361,25 (!) Sonnentage im Jahr.

Hoteltipps:

In Dubai Stadt das Grosvenor House West Marina Beach (Tel.: +971/4/399 88 88, www.grosvenorhouse-dubai.com): Der 45-stöckige Tower der Le-Meridien-Kette ist das erste Hotel an der Dubai Marina und derzeit ziemlich angesagt; es liegt 30 Fahrminuten vom Flughafen und 20 vom Zentrum Dubais. Außerhalb von Dubai Stadt: Al Maha Desert Resort & Spa (Tel.: 00971/4/303 42 22, www.al-maha.com): Das Hideaway mit sechs Sternen etwa eine Autostunde außerhalb liegt mitten in der Wüste und ist das Nonplusultra für Dubai-Urlauber, die ihre Ruhe haben wollen.

Die Plätze:

Dubai Country Club:
Al Awir Course 18 Loch/Par 71, 6431 Yards plus Creek Course 9 Loch/Par 32, 2270 Yards. Greenfee 20 bis 40 Euro. Ältester Platz der Emirate (1971) und ein reiner Sandplatz. Tel.: +971/ 4/333 11 55, www.dubaicountryclub.com

Dubai Creek Golf and Yacht Club:
18 Loch/Par 71, 6857 Yards, 53 bis 132 Euro. Teil eines 80 Hektar großen Sport- und Freizeitkomplexes am Dubai Creek, im Vorjahr umfassend neu gestaltet (Re-Design: Thomas Björn). An 13 Löchern kommen sechs künstliche Seen ins Spiel. Gut zum Üben: neun Par-3-Löcher mit Flutlichtanlage. Tel.: +971/4/29 56 000, www.dubaigolf.com

Emirates GC:
36 Loch, jeweils 18 Loch/Par 72: Majlis Course (7185 Yards, 96 bis 151 Euro) und Wadi Course (7100 Yards, 109 bis 140 Euro). Der Majlis (eröffnet 1988) ist der älteste Rasengolfplatz im Mittleren Osten, 2006 Re-Design von Nick Faldo; sechs Seen liegen als Hindernisse vor neun Löchern. Irre: Ernie Els hält hier den Platzrekord mit 61 Schlägen! Der Wadi, eröffnet 1996, bekam 2005 ein Re-Design von Nick Faldo. Pompöses Clubhaus im Stil von Beduinenzelten, inkl. Pool, Squash- und Tennisplätzen, Sporthalle und Rasen-Fußballplatz. Tel.: +971/4/38 02 222, www.dubaigolf.com

Nad Al Sheba Club:
18 Loch/ Par 71, 6630 Yards, 52 bis 97 Euro. Liegt zehn Autominuten vom Stadtzentrum auf dem Gelände der Galopprennbahn, wo der berühmte „The Dubai World Cup“ stattfindet; einzige Flutlichtanlage des mittleren Ostens (bis Mitternacht in Betrieb) inkl. beleuchteter Driving-Range. In Anlehnung an schottische Links-Kurse gestaltet, Clubräume im traditionellen britischen Stil. Tel.: +971/4/336 36 66, www.nadalshebaclub.com

The Montgomerie Dubai: 18 Loch/Par 72, 7308 Yards, 76 bis 131 Euro. 2003 eröffnet und eine Designkooperation von Colin Montgomerie und Desmond Muirhead. Größtes Inselgrün der Welt in Form der Arabischen Emirate (Loch 13/Par 3), 14 Wasserhindernisse, 81 Bunker plus 9-Loch-Par 3-Übungsplatz mit Flutlicht. Tel.: +971/4/39 05 600, www.themontgomerie.com

The Desert Course, Arabian Ranches:
18 Loch/Par 72, 7092 Yards, 40 bis 98 Euro. Hübsches Design von Ian Baker-Finch und Jack Nicklaus; es gibt keine Wasserhindernisse, dafür viel Wüstensand. Tel.: +971/4/36 63 000, www.thedesertcoursedubai.com

The Resort Course at Jebel Ali Golf Resort&Spa:
9 Loch/Par 36/3.201 Yards, 42 bis 58 Euro. Liegt beim „Jebel Ali Hotel“ inmitten eines exotisch bepflanzten Gartens und direkt am Meer, fünf Löcher liegen an einem Seewasserteich, Wind vom Golfstrom kommt nett ins Spiel. Tel.: +971/4/883 60 00, www.jebelali-international.com

Dubai Festival City Al Badia Golf Resort:
18 Loch/Par 72, 7250 Yards, 83 bis 142 Euro. Zehn Autominuten vom Flughafen, Design von Robert Trent Jones II.; elf Teiche und einige Bäche machen cool. Tel.: +971/4/28 55 772, www.albadiagolfresort.com

Die hilfreiche staatliche Organisation „Dubai Golf“ nimmt Spielern die Reservierung der Startzeiten ab (Tel.: 00971/4/390 39 35, booking@ dubaigolf.com, www.dubaigolf.com). Außerdem bieten zahlreiche Hotels Greenfee-Ermäßigungen an, die man sich gleich bei der Buchung sichern sollte, ebenso wie die Startzeiten.

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