Dubai – Kreuzfahrt [0]
Nearest to the Sehnsucht
Kreuzfahrten umgibt seit jeher eine Aura des Geheimnisvollen, des Überdimensionalen, des Luxuriösen, für die meisten von uns schlichtweg des Unbekannten. Das ändert sich auch nicht, nachdem man – ohne Seekrankheit aber voll Verlangen nach mehr und Meer – die erste Fahrt hinter sich hat, meint der frisch gebackene Seebär Thomas Weidinger.

Das Geschäft mit den Schiffsreisen brummt. Neuerliche Zuwachsraten im Bereich von acht Prozent, so versichert mir der Kapitän mit Bezug auf den brancheninternen Seismographen (die Kreuzfahrtstudie 2007 vom Deutschen Reiseverband), belegen den seit Jahren anhaltenden Aufwärtstrend, der viele andere Tourismusbereiche im Kielwasser lässt. Allein in Deutschland (Zahlen für Österreich waren ihm nicht geläufig. „Ihr habt doch nicht mal ein Meer“, meint er grinsend.) buchten 1,1 Millionen Passagiere eine Kreuzfahrt, wobei hier die Kurztrips in Nord- und Ostsee sowie im Mittelmeer nicht eingerechnet sind, sonst läge die Zahl um geschätzte 40 Prozent höher. Circa 1,44 Milliarden Euro wurden 2007 in Deutschland umgesetzt, 80 Millionen mehr als noch im Vorjahr, rechnete mir der Mann vor. Ich werde misstrauisch: Vielleicht ist er gar kein Kapitän, sondern bloß ein Steward – ich kenne mich mit den Streifen auf hoher See nicht wirklich aus, und außerdem hat er keinen Bart. Dazu muss man wissen, dass im Seereise-Markt lange Zeit Flaute herrschte. Er zeigt auf das untere Viertel meines Longdrinks und meint: „Noch vor zehn Jahren lagen die Buchungen etwa so hoch.“ Da hatte ich genug von trockenen Zahlen, stürze meinen Tequila Sunrise runter und schwinge mich vom roten Barhocker, um in meine Kabine zu torkeln. Seegang! Nicht, was Sie jetzt vielleicht denken.

SIEBEN TAGE AUF HOHER SEE.
Also eigentlich sind es nur zwei Tage, fünf davon verbringt man an Land – ja, auch auf wunderschönen Golfplätzen, doch dazu später – und gefahren (man „fährt“ über’s Wasser, das ist eine der ersten Sachen, die man an Bord lernt, noch vor den Notfall-Übungen) wird vorwiegend in der Nacht. Die Eindrücke beim Einschiffen, also beim Einchecken (für Landratten), sind bereits so überwältigend, dass man total vergisst, darauf zu achten, wie es sich anfühlt, wenn die Anker gelichtet sind und der Hafen, die Stadt, die Küste langsam schneller werdend davon gleiten. Dann plötzlich, beim Einräumen der Kleidung in die Kästen der (sagen wir mal sehr kompakten) Kabine, nimmt man das Gefühl wahr, nach dem man sich von nun an ein Leben lang sehnen wird: das zarte Vibrieren der Motoren, das Brausen des Meeres und das Ächzen des Schiffsrumpfes, sobald die Dünung etwas ruppiger wird. Am Balkon (sic!) sitzend und den Blick auf den fernen Horizont gerichtet, steigt die Sehnsucht ganz plötzlich ins Unermessliche. Das Zuschalten des dritten, gar vierten Motorblocks – man spürt es bis hoch in die Passagierdecks – ist mit einem Mal eine weit größere Sensation als ein frisch freigelegtes Inselgrün. Aber keine Sorge, man kommt auch wieder auf den Boden der Realität herunter. Spätestens bei der obligatorischen Notfallübung, wo ich nach kurzer Hektik auf Deck 5 in der zugewiesenen Zone eintreffe, um grell orange (warum Schwimmwesten nicht freundlich blau oder grün sein können, leuchtet mir in dieser Extremsituation aber ein) in Reih und Glied unterzugehen? Nein, um zu warten und unbeholfen zu kichern, weil die Crew so ernst schaut und das offensichtlich gar nicht witzig findet.

AIDADIVA – NEXT GENERATION.
Mit der Bestellung der neuen vier Schiffe bringt AIDA Cruises eine neue Generation von AIDA Clubschiffen zum Leben. Ich verschone Sie jetzt mit Zahlen! Wie viele Decks, Kabinen und Quadratmeter um Sie herum im Meer schwimmen, ist erstens unbegreiflich und zweitens für Ihr persönliches Wohlbefinden uninteressant. Bei den Räumlichkeiten ist das was anderes. Zum Beispiel beim Theatrium, dem durchgehend auf Hochtouren laufenden Herzen des Schiffes, wo auf drei Decks Theater, Bars und Marktplatz ineinander fließen. Man ist sofort und immer mittendrin: ein ruhiger Platz am Morgen, zentraler Treffpunkt am Tage und Show-Location am Abend. Weitere Features sind ein Spa mit großzügigen Relaxbereichen, Themensaunen und Außenbereich sowie ein Sportareal auf Deck 11 mit Volleyballfeld, Squashplatz, Joggingparcours und Golfabschlagplätzen. Eine Sonnendecklandschaft über drei Etagen, sorry Decks, mit drei Pools und vier Jacuzzis und etliche Restaurants runden das Programm ab. Das macht die Faszination von Kreuzfahrten aus: Alles, wirklich alles, können, aber nichts müssen – außer natürlich die Golfausflüge, die zwischen Dezember 2008 und März 2009 auf der Dubai-Route der AIDAdiva dazu gebucht werden können, also für uns müssen.

GOLFEN AM GOLF.

Einschwingen, quasi aufwärmen, kann man sich direkt an Bord: am Golfsimulator sowie auf dem Puttinggreen – wo (zu meiner Enttäuschung) der Ball kein Seegang-Break annimmt, und tatsächlich dorthin rollt, wo man ihn hin schiebt. In meinem Fall also selten ins Loch. Dann aber heißt es anlegen, abfahren und aufteen: Zuerst am Ghala Wentworth Golf Club in Muscat (Oman). Der 18-Loch Wüsten-Course, inmitten eines Felsengebirges gelegen, zeigt den Golf und das Golfen mal von einer anderen Seite. Die zweite Möglichkeit zum Driven und Putten ergibt sich beim Anlegen in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) auf dem Abu Dhabi Golf Club. Der von Peter Harradine entworfene und 2000 eröffnete 27-Loch Championshipkurs bietet eine beeindruckende Mischung aus Wüste und Oase, üppigen Fairways, großzügigen Greens, böse platzierten Bunkern und anspruchsvollen Wasserhindernissen. Harradine als Fata Morgana eben – eine Herausforderung auf Weltklasseniveau. Als krönenden Abschluss spielen wir am Ende der Kreuzfahrt angekommen am Dubai Creek Golf & Yacht Club in Dubai. Die 18-Loch-Championship-Anlage, erst kürzlich von Thomas Björn umgestaltet, war bereits zweimal Austragungsort des Dubai Desert Classics. Zwischen Dattel- und Kokosnusspalmen und eingeschlossenen Seen machen nicht nur die selektiven Bahnen, sondern auch die einzigartige Lage direkt am Dubai Creek den besonderen Charme des Platzes aus. Ein echtes Juwel im Zentrum einer an Schmuckstücken generell nicht armen Stadt. Es empfiehlt sich, speziell für diesen Platz, die Golfrunde möglichst früh zu reservieren, denn kurzfristig hat man kaum eine Chance auf einen Startplatz.

Der letzte Abend bricht an. Noch ein Abschieds-Dinner an Bord, ein Sternenmeer am Himmel wie im Wasser und bei einem Drink – mit dem Kapitän, dem Steward oder irgendwem – die vielen Eindrücke Revue passieren lassen. Am nächsten Tag dann über die Reling der AIDAdiva gehen und erkennen, wie geheimnisvoll das Schiff geblieben ist, trotz aller Aktivitäten und Erlebnisse an Bord. Und damit gestehe ich mir auch mein einziges Dilemma ein: das Gefühl, immer etwas zu versäumen bzw. versäumt zu haben. Ich werde weiter fahren müssen…
AIDAdiva Golf & Cruise
7 Tage Kreuzfahrt Dubai (17 Termine zwischen
Dezember 2008 und März 2009) ab 699 € Euro pP
(ab/bis Hafen, exkl. Golf-Ausflüge). An- & Abreisepaket ab 644 € pP (limitiertes Kontingent)
(Stand: September 2008)
Leistungen: Transfer zum Golfclub und zurück, Greenfee, Leihschläger (Komplettsatz oder Halbsatz), Golf Cart, Range Bälle, Betreuung durch den AIDA Golf Pro. Mindest-Hcp: Damen 36, Herren 28.
Dauer des Landganges: circa 6 Stunden.
Infos unter www.aida-cruises.at
GOLF
Ghallah Wentworth Golf Club (Muscat/Oman)
18 Loch, Par 72, 4.754 Meter. GF: 69 €
www.ghallahwentworthgolfclub.com
Abu Dhabi Golf Club (Abu Dhabi/UAE)
27-Loch, Par 72, 6.803 Meter. GF: 145 €
oder: Schnuppergolfen für Einsteiger mit Kurs und Übungsspiel, 79 €
www.adgolfclub.com
Dubai Creek Golf & Yacht Club (Dubai/ UAE)
18-Loch, Par 71, 6.240 Meter, GF: 199 €
www.dubaigolf.com
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