Im Dutzend billiger [0]

China gönnt sich seit seiner wirtschaftlichen Beschleunigungsphase auch jede Menge Schmankerln zum Thema Golf. Vorläufig markiert Mission Hills, im Süden des Landes, den Höhepunkt aller Träume. Alex Kramel (Text & Fotos)

Aus Golfrevue 6/2009

mihi1grAls in den späten 1970er-Jahren der damalige starke Mann Chinas, Deng Xiaoping, die markigen Worte „Lasst den Westwind herein!“ aussprach, muss er wohl vor allem an Golf gedacht haben. Glaubt man jedenfalls als Tourist in der südchinesischen Provinz Guangdong. Er öffnete das Land damals für eine kleine wirtschaftliche Revolution und erteilte dem in dieser Region liegenden Perlfluss-Delta, dem heutigen Shenzhen, den Status einer Sonderwirtschaftszone. Mittlerweile ist das ehemalige 30.000-Seelen Fischerdorf mit zwölf Millionen Einwohnern die am schnellsten gewachsene Stadt der Welt, nur durch einen Fluss und eine Grenze von Hongkong getrennt. Zugegeben: Bevor die Golfplätze am Boden entstanden, wurde der Himmel erobert: Wolkenkratzer, wohin man schaut! So stehen unter anderem zwei in der Liste der höchsten Gebäude der Welt gereihte Bauwerke in der jungen Metropole, die als eine der bedeutendsten Städte für ausländische Investitionen und als Stadt mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in China (ohne Hongkong und Macao) gilt.

Mission Golf
Vor diesem Hintergrund verwandelte der aus Hongkong stammende Industrielle Dr. David Chu, der sein Vermögen in der Papierindustrie gemacht hat, das nicht sonderlich fruchtbare Brachland zwischen Shenzhen und Dongguan in eine blühende Golffabrik. Zunächst mit nur fünf Kursen, die von je einem Designer aus den fünf Kontinenten stammten. Dann folgten, dem anhaltenden Boom entsprechend, weitere fünf Kurse, bis man sich zum zwölften Geburtstag Kurs Nummer elf und zwölf schenkte. Heuer ist die Wiege des chinesischen Golfsports, wie Mission Hills genannt wird, 15 geworden und ausgewachsen, versichert uns Tenniel Chu, der Sohn des Gründers und Herr über die derzeit 216 Loch. „Die Zahl zwölf hat im Chinesischen eine besondere Bedeutung, sie beschreibt, wie auch die zwölf Tierkreiszeichen, die Vollendung eines Zyklus.“ Der weitere Ausbau soll innerhalb des Resorts zu einer Verbesserung und Steigerung des Angebots führen – was angesichts von drei Golfschulen (darunter eine von David Leadbetter), eines 315-Zimmer-Hotels, der 51 Flutlicht-Tennisplätze, drei Clubhäusern mit je einem Wellness- Center, unzähliger Restaurants, gigantischer Pro Shops, eines 3.000-Personen Konferenzzentrums und der besagten zwölf Kurse etwas over the top klingt.
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Derzeit wird jedenfalls heftig an einem neuen Hotel und einer Garage neben dem 18. Loch des Olazabal-Kurses gearbeitet. Auf diesem Kurs wird übrigens der World Cup of Golf ausgetragen, noch bis mindestens 2018 – so lange hat man sich die Rechte für diesen Event gesichert. „Die Austragung großer Profiturniere oder des World Cup, der ja zum ersten Mal 1995, damals noch am Nicklaus-Kurs, stattfand, aber auch bekannter Amateurserien, und da vor allem die für den Nachwuchs, hilft uns, den Golfsport in China noch populärer und größer zu machen“, so Chu. Jugendförderung wird in Mission Hills besonders groß geschrieben. Etliche Programme kümmern sich darum, dass der Strom an Golfnachwuchs nicht abreißt, denn auch im Golf denkt China in Superlativen.

Und bei den derzeitigen Zuwachsraten und der chinesischen Bevölkerungszahl ist das hehre Ziel, bis 2020 mit mehr als 20 Millionen Golfern Amerika als spielerreichste Nation abzulösen, durchaus realistisch. Derzeit sind in China offiziell 2,5 Millionen Golfer registriert, das Ganze auf nur 350 Kursen. „Wir sind bestrebt, Mission Hills als Dachmarke für Sport, Freizeit und Investment weiter auszubauen. Weitere Mission-Hills-Resorts sind bereits mehr als nur in der Planungsphase“, verrät uns der Besitzer der Anlage, die bis heute ein Members-Only-Club ist. In den Genuss, auf einem der zwölf Kurse zu spielen, kommen nur Hotelgäste und Mitglieder, die sich aber Gäste einladen dürfen. Die Einsteigerversion in Sachen Mitgliedschaft startet übrigens bei schlappen 40.000 Dollar. Dafür darf man sich dann auf fünf Kursen bewegen. In die Vollen greifen kann man um stattliche 250.000 Dollar – für die alle Kurse umfassende Diamond-Mitgliedschaft. Nur falls Sie sich fragen: Der Mitgliederstand beträgt derzeit 10.000.alt

Darf’s ein bisserl mehr von allem sein?
Die Facts des über 20 Quadratkilometer großen Resorts lesen sich wie ein Auszug aus dem „Guinness-Buch der Rekorde“, in dem Mission Hills als größter Golfclub der Welt gelistet ist. Um dem Areal seine heutige Form zu geben, mussten 180 Millionen Kubikmeter Erde bewegt werden, genug, um das neue Olympiastadion von Peking, das „Vogelnest“,randvoll anzufüllen. 30.000 Sprinkler werden durch insgesamt 650 Kilometer Bewässerungsrohre versorgt, das entspricht ungefähr der Entfernung zwischen dem Neusiedler See und dem Bodensee. 1.200 Buggys für die Spieler bewegen sich auf asphaltierten Cartwegen, die eine Gesamtlänge von 360 Kilometern haben, also weit mehr als die Strecke Wien–Salzburg. In 1.200 Bunkern liegen über 50.000 Kubikmeter Sand, um uns das Golferleben zu versüßen. 7.000 Angestellte sorgen dafür, dass bis zu 3.000 Golfspieler täglich reibungslos ihre Runden absolvieren können.
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Und es funktioniert!
Denn Mission Hills ist eine logistisch perfekte Höchstleistung. Beim Check-in wird einem das Bag aus der Hand genommen und ist dann genau zur richtigen Zeit dort, wo man es braucht, nämlich fix und fertig montiert am Cart und am richtigen Kurs. Und neben dem Bag steht eine der über 3.000 ausschließlich weiblichen Caddies, allesamt in Rot gekleidet. Sie sind der Stolz und ein Markenzeichen von Mission Hills und gelten als Botschafter der Marke. Deshalb erhalten sie auch eine fundierte Ausbildung in der als University of Golf bezeichneten hauseigenen Caddieschule. Neben den wichtigsten Worten in Englisch („Good shot!“) werden dort Grundkenntnisse der Golfplatzpflege, Etikette und der Spirit of the Game sowie generell das Golfspiel und Materialkunde vermittelt. Kurzum: Sie werden weltweit kaum so perfekte, dienstbare Geister finden wie hier. Und Sie können das Grün nirgendwo anders so schnell betreten, um eine Pitchmarke selbst auszubessern, geschweige denn Ihren Ball zu markieren. Man gewöhnt sich langsam daran, dass der Ball gereinigt und bereits perfekt in einer Linie ausgerichtet daliegt und das Einzige, was man selbst noch tun muss, draufzuhauen ist. Mein guter Geist hieß „Sunshine“, ihr echter Name ist für uns unaussprechbar. Vermutlich heißen hier alle Caddies so, denn sie lächeln durchwegs und erhellen jeden noch so verhunzten Schlag.
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Die zwölf Kurse von Mission Hills wurden von echten Größen im Golf- (und Design-) Business mitgestaltet und tragen auch deren Namen: Faldo, Norman, Els, Olazabal, Duval, Ozaki, Annika (Sörenstam), Nicklaus, Vijay (Singh), Leadbetter, Pete Dye und Zhang Lianweimachen, was die Qualität betrifft, absolut keine Abstriche und liefern Designs in „perfect shape“. Obwohl die Kurse teilweise in urbanem Gebiet liegen, hat man durchgängig das Gefühl, man ist in unberührter Natur und ganz allein auf der Welt. Außer im Clubhaus wird man auch selten die Spieler anderer Kurse treffen. Faszinierend ist, wie man zwölf Golfplätze, die mehr oder weniger auf demselben Areal liegen, so unterschiedlich designen
kann.

Sir Faldo liebt es augenscheinlich „ums Eck“, was sich in etlichen Doglegs, wo man tunlichst auf der richtigen Seite sein sollte, ausdrückt. Und er ist nahe am Wasser gebaut: Bei mindestens zehn Löchern kommen Teiche ins Spiel, das lässt die Bälle gerne nass werden. Ein echter Shotmaking-Kurs. Durch seine Lage im Mid-Valley gibt sich der Platz verhältnismäßig flach. Ihm zur Seite: Der Entwurf seins langjähriger Golf-Lehrmeister David Leadbetter. Ähnlich wie Faldo sanft in die Landschaft gegossen, ist er ein wenig zahmer, was die Hindernisse angeht. Golflehrerkonform, bietet er viel Abwechslung, um jeden Schläger im Bag zu trainieren. Auch im Mid-Valley gelegen, ist der Kurs von Zhang Lianwei (einer der bekanntesten chinesischen Spieler) ein wahrer Eigenbrötler: Der einzigartige 18-Loch-Par-3-Kurs glänzt mit spektakulären Löchern, alle am Wasser gelegen, die absolute Präzision fordern, will man nicht untergehen.
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Rund um das riesige 50.000-Quadratmeter-Clubhaus, nach der Nachbarstadt Dongguan benannt, liegen die Kurse der Herren Norman, Olazabal und Dye sowie der einzigen Dame im Bunde, Annika. Sie beansprucht die beste Aussicht und bietet einen schönen Überblick über ihre männlichen Kollegen. Da man, um runter zu schauen, bekanntlich rauf gehen muss, schlängeln sich die damenhaft schlanken Fairways durch viel Buschwerk teilweise recht steil in die Höhe. Der Kurs punktet nicht mit Länge, und man muss sein Brachialgolf im Bag lassen. Gerade und gut platzierte Schläge,ein Markenzeichen guten Damengolfs, führen auf den jeweils sechs Par-3-, Par-4- und Par-5- Löchern zum Erfolg. Ganz anders bei den Herren Dye und Norman, die auf den ersten Löchern ziemlich im Gleichklang Inland- Linksgolf vom Feinsten bieten. Der Pete-Dye-Kurs ist leicht an den überdimensionierten Bunkern mit ihren langen Wänden aus Eisenbahnschwellen erkennbar – Dyes Markenzeichen

Der weiße Hai lässt grüßen
Die Greg-Norman-Löcher lassen sich ganz simpel mit den Worten lang und eng beschreiben. Die Bahnen, die sich wie ein Faden durch dicht bewachsene Schluchten schlängeln, sind Score-technisch ein Horror, aber optisch ein Traum. „Vergiss deine Scorekarte, wenn du zum Norman gehst“, muss die Devise lauten. Auf etwas zahmerem Gelände hat sich Olazabal breitgemacht. Anscheinend liebt der Spanier die Strände seiner Heimat – wie sonst ist es zu erklären, dass sich so viele Bunker über den ganzen Platz ziehen. Wenn man diesen gekonnt ausweicht, hat man es mit schön bewegten Fairways und auch optisch reizvollen Niveauunterschieden zu tun. Der längste Kurs des Resorts – heuer vom 26. bis 29. November wieder Austragungsort des World Cup of Golf – ist außerdem ständig von dichten Baumreihen eingerahmt.
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Nicklaus, Vijay, Els, Duval und Ozaki haben es sich mit ihren Kursen rund um das Hotel und das Shenzhen-Clubhaus gemütlich gemacht. Wobei von gemütlich wohl am ehesten beim Japaner zu sprechen ist: Er bietet mit einigen erhöhten Abschlägen und gut erreichbaren Fairways einen optimalen Einstieg in die Genussgolfwoche(n). Der Südsee-Golfer Vijay lebt seine Liebe zur Steppe, auf Golfplätzen auch Wastelands genannt, mit einer Unmenge Wasser entlang der Spielbahnen aus. Was die Herren Els und Duval verbindet, sind sauber designte Fairways mit klug platzierten Hindernissen; die Spielbahnen sind fair, wenn man seinen Kopf einsetzt und nicht mit diesem durch die Wand will. Außerdem haben sie – wie auch Annika und Ozaki – eine dunkle Seite. Diese wird jedoch (auf je 9 Loch) mit strahlendem Flutlicht erhellt und ist auch abends bespielbar.

Der Nicklaus-Kurs (genannt World Cup Course, da hier der erste World Cup stattfand) präsentiert sich ganz amerikanisch, als traumhafter Resortkurs mit vielen optischen Ablenkungen und Schönheiten. Er lässt zwar ein wenig mehr Platz für Links- und Rechtskurven, doch man braucht schon gute Längen, um die Greens regulär zu erreichen. Alles in allem nachwievor ein würdiger World Cup-Kurs, aber leider unpraktisch, da am falschen Ende des Resorts. Das übergroße Dongguan-Clubhaus bietet einfach mehr Platz für die Turnierabwicklung.

Und Was sagt unser Glückskeks?
„Egal welche Kurse Sie während Ihres Aufenthalts spielen, es gibt keinen schlechten, weder vom Design noch vom Pflegestandard her.“ Es haben aber alle ihre Eigenheiten und sorgen so auch für die entsprechende Abdeckung sämtlicher golferischer Geschmäcker. Ach ja: Noch einen Rekord hält man in Mission Hills: Hier wurde das größte jemals mittels Kanonenstart gestartete Turnier veranstaltet. 1.103 Spieler gingen gleichzeitig auf ihre Runde. Na dann, viel Spaß am Buffet.

Bei einer Golfreise nach Mission Hills sollte man unbedingt mindestens zwei bis drei Tage Hongkong- und Macau-Sightseeing mitnehmen. Speziell wenn man zum ersten Mal in dieser Gegend ist, wird man vom pulsierenden Hongkong begeistert sein, dem ultimativen Shopping-Eldorado, inklusive des berühmten Nightmarkets – weniger wegen der günstigen Preise als vielmehr aufgrund des Angebots.

Bekannt sensationell sind Vielfalt und Qualität der Restaurants vom kleinen Hinterhof-Chinesen bis zum Gourmettempel. Ein Erlebnis – die finanziellen Mittel vorausgesetzt – ist ein Aufenthalt im Luxus Traditionshotel „The Peninsula“. Die Lage, erste Reihe fußfrei direkt am Hafen, bietet atemberaubende Blicke, vor allem aus einer der De-luxe-Harbour-View-Suiten, Chaiselongue und Fernrohr inklusive.
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Das Restaurant „Felix“ wurde komplett von Stardesigner Philippe Starck durchgestylt und ist einer der angesagtesten Plätze für Design-Fans. Die Lage im 28. Stock des Peninsula verspricht ungestörten Rundumblick, selbst von den Toiletten aus. Gipfel der Dekadenz ist der Rolls-Royce-Shuttle zum Airport mit Chauffeur in Livree. Man gönnt sich ja sonst nichts. www.peninsula.com

Schlaue Infos auf einem Blick: MISSION HILLS RESORT/China

 

www.missionhillsgroup.com
Mit zwölf Kursen verspricht die perfekt organisierte Golffabrik viel Abwechslung. Für einen entspannten Urlaub, der mit Sicherheit nie langweilig wird, sorgen zusätzlich die zahlreichen Restaurants, drei Wellness-Center, riesige Pro Shops, die Tennisakademie mit 51 Flutlichtplätzen, Badmintoncourts, mehrere Pools und vieles mehr.

Die Kurse:
Olazabal Course: 18-Loch, Par 72, 4.789–6.693 Meter
Nicklaus (World Cup) Course: 18-Loch, Par 72, 4.614–6.669 Meter
Norman Course: 18-Loch, Par 72, 5.234–6.609 Meter
Leadbetter Course: 18-Loch, Par 72, 4.723–6.508 Meter
Els Course: 18-Loch, Par 72, 4.641–6.446 Meter
Ozaki Course: 18-Loch, Par 72, 4.666–6.423 Meter
Duval Course: 18-Loch, Par 72, 4.870–6.370 Meter
Faldo Course: 18-Loch, Par 72, 4.446–6.302 Meter
Vijay Course: 18-Loch, Par 72, 4.525–6.248 Meter
Pete Dye Course: 18-Loch, Par 72, 4.647–6.244 Meter
Annika Course: 18-Loch, Par 72, 4.488–6.129 Meter
Zhang Lian Wei Course: 18-Loch, Par 54, 1.674–2.188 Meter
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Beste Reisezeit ist März bis Mai und September bis November. Die Sommer können sehr heiß sein, und das bei unangenehm hoher Luftfeuchtigkeit. Anflug meist über Hongkong, regelmäßige Shuttles vom Flughafen zum Resort. Die Grenze zu Zentralchina kann zu Wartezeiten führen. Für Österreicher ist ein Visum erforderlich. Achtung beim Ausfüllen der Einreisekarten: Den Namen so schreiben, wie er im Pass steht!

Mission Hills kann man nur als Hotelgast oder als Mitglied bespielen, weshalb Tagesausflüge nicht möglich sind. Individuelle Hotel-Buchungen sind möglich und kommen je nach Jahreszeit oder Wochentag auf circa 170 € p. P./DZ + Frühstück + 1 GF + 1/2 Cartfee und Caddie. Zusätzliche Greenfees kosten 100–150 €. Günstiger ist ein Paket ab Österreich inklusive Flug, Aufenthalt und Golf: pro Woche ab circa 2.560 €. Etwa bei TGR-Golfreisen (www.tgr-golfreisen.at).

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