High Noon auf Hainan [0]

TROPISCH EXOTISCH – Vor wenigen Jahrzehnten noch war Hainan das Tor zur Hölle. Heute lassen sich Chinesen dort gerne massenweise trauen, und mit 60 Golfplätzen, Traumstränden und schicken Hotels ist die Tropeninsel auch ein wahres Golfers Paradise.

 

asdf

Zwei Monate durchgehend Golfen – von den 61 Golfkursen sind 90 Prozent ohne Umschweife zu empfehlen. 2015 soll es über 100 Plätze geben.

Das Ende der Welt. Das Alcatraz Chinas. Das war Hainan über viele Jahrhunderte. Die Sung-Dynastie machte vor tausend Jahren den Anfang und verfrachtete sämtliche Bösewichte auf die Tropeninsel mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr. Nicht gerade der übelste Platz für Deportierte. Seit 1988 ist alles anders: Mit dem Aufstieg zum „Provinz-Status“ wurde gleichzeitig die Tourismus-Rakete gezündet und Hainan zur größten wirtschaftlichen Sonderzone Chinas ernannt.
Heute, nur zwei Jahrzehnte später, werden am offiziellen „Ende der Welt“ massenweise heiratswütige Chinesen getraut. Das „Ende der Welt“ sind übrigens schlichte Basaltfelsen an einem, zugegeben, traumhaften Strand, in die in chinesischen Schriftzeichen die Erklärung eingemeißelt wurde, was es mit dem Ende der Welt auf sich hat.

asdf

Mission Hills II – das Resort bietet 7 Desigenerkurse

asdf

Der Shenzhou GC verläuft direkt am Sandstrand

asdf

Groß & Gut – der Blackstone Kurs in Mission Hills II

Damit dann auch die – natürlich minutiös durchgeplanten – Flitterwochen einen passenden Rahmen finden, schossen und schießen Fünf-Sterne-Häuser entlang der Strände aus dem Boden wie die sprichwörtlichen Schwammerln. Hainan, speziell der Süden, wo sich auch die Traumstrände rund um Sanya befinden, hat die höchste Dichte an Top-Hotels in ganz China. Und wenn die Insel, wie geplant, demnächst eine Casino-Lizenz erhält, wird’s um die noch vorherrschende Beschaulichkeit geschehen sein.
Derzeit ist nämlich Macao bei Hongkong die einzige Oase in der chinesischen Glücksspielwüste. Staatlich verordnet natürlich. Nur, um die Dimensionen zu verdichten: Macao macht in einem Monat so viel Wettumsätze wie Las Vegas in einem Jahr.

Hainan11HAINAN – Mit ihren knapp 34.000 Quadratkilometern ist die Insel knapp größer als Belgien. Erst seit 1988 hat sich die ehemalige Gefangeneninsel den Status einer eigenen Provinz erarbeitet und ist seitdem die größte Wirtschaftssonderzone Chinas. Wichtigster Wirtschaftszweig ist mittlerweile der Tourismus.
Die Hauptstadt Haikou (1,7 Millionen Einwohner) liegt im Norden der Insel, die Tourismushauptstadt ­Sanya (500.000 Einwohner) im Süden. Dort konzentrieren sich auch die Luxusresorts entlang der weißen Traumstrände.

Entsprechend gelöst gehen die internationalen Hotelketten, die sich schon auf Hainan ausgebreitet haben, mit ihrer beschaulichen Auslastung von aktuell 20 Prozent um. Alles nur eine Frage der Zeit, und die Dimensionen sind für den gemeinen Europäer ohnedies nicht fassbar. In beide Richtungen.

Schöne, neue Welt
So kommen die beiden größten Städte der Insel, Sanya im Süden und Haikou im Norden, mit geradezu winzigen Flughäfen aus. Bei 1,7 Millionen Einwohnern protzt der Haikou International Airport mit gerade mal zwei Gates: Vom Einchecken bis zum Einsteigen vergehen keine fünf Minuten. Der Duty Free Shop ist halb so groß wie ein durchschnittlicher Billa. Und in Sanya, dem touristischen Zentrum der Insel, gibt es ein (!) Förderband fürs ankommende Gepäck.

asdf

Clubhaus, nicht Hotel: oppulent mit Whirlpool und allem Schnickschnack serienmäßig.

Etwas üppiger dimensioniert sind da schon die Clubhäuser, der mittlerweile 61 Golfplätze auf Hainan: Auf einem kompakten 9-Loch-Platz macht man weniger Meter als vom Eingang zur Bar und zu den Umkleiden eines solchen Clubhauses. Letztere sind übrigens ebenfalls derart großzügig angelegt, dass man am Weg von der Dusche zum Garderobenkästchen von selbst trocknet. Whirlpools sind zudem serienmäßig. Und damit wir auch noch eine weitere Frage aus dem Weg räumen: Die 61 Golfplätze wurden innerhalb der letzten zehn Jahre gebaut, weitere 50 sind bis Ende 2015 projektiert. Das Wort UVP kennt der Chinese nicht.

Hainan Chicken & Schnitzel
Hainan14
Auch Englisch ist Mangelware auf Hainan, tatsächlich quasi in ganz China. Im Grunde ist nach der Hotelrezeption Schluss, und die Sprachbarrieren machen sich hoch und breit wie das Himalaya-Gebirge. Selbst das allseits beliebte Samy-Molcho-Esperanto verpufft wirkungslos: Auch die Gebärdensprache schafft es nicht, die Kluft der Kulturen zu überwinden. Lächeln geht aber immer, und das ist oft schon Trost genug. Unser Ehrgeiz reicht andererseits nicht aus, sich für zwei Wochen China Mandarin zu verinnerlichen. Bei 3.000 Zeichen, sozusagen die 27 Buchstaben des chinesischen Alphabets, plus gefühlten 30 Betonungsmöglichkeiten je Wort, entbehrt das aber ohnedies einer substanziellen Sinnhaftigkeit. Und nach Auswandern ist uns auch nicht, Golfparadies hin, herrliches Klima her.

Luxus on the beach – Das Raffles ist eines der neuen Luxus-Hotels im Süden Hainans

Luxus on the beach – Das Raffles ist eines der neuen Luxus-Hotels im Süden Hainans

Hainan12Einer, der das zumindest auf Zeit macht, ist Herbert Laubichler-Pichler (Link zum Interview). Der gebürtige Salzburger lebt seit Juli auf Hainan und gibt den Direktor des Raffles in Yalong Bay im Südosten der Insel. „Hainan boomt, und jede Hotelkette im Luxusbereich, die etwas auf sich hält, hat ein Hotel rund um Sanya oder eröffnet demnächst eines“, erzählt Laubichler-Pichler.
Sein Chinesisch bilanziert aktuell noch defizitär, in den nächsten zwei Jahren will er sich aber die Basics erarbeiten: „In der Zwischenzeit hilft mir eine Dolmetscherin.“ Aber grundsätzlich ist zumindest im Hotel in der oberen Ebene Englisch die Landessprache, „weil die verschiedenen Abteilungs­leiter aus aller Herren Länder kommen“.

HainanMoisesAuch weitere Österreicher hat es nach Hainan verschlagen: Philipp Moises etwa ist Küchenchef im Sheraton und führt Schnitzel und Kaiserschmarren auf der Speisekarte. Die Nachfrage, gibt er zu, hält sich allerdings in Grenzen. Der Chinese an sich ist eher Traditionalist, auch beim Essen. Deshalb darf Moises etwa das berühmte „Hainan Chicken“ zubereiten oder gebackene Hühnerfüße. Grundsätzlich ist die Gegend nix für Vegetarier, das muss man auch mal sagen. Selbst die an sich vegetarischen Teigtaschen werden in einer Hühnersuppe gegart. Für den eingefleischten Fan jedweden Meeresbewohners ist Hainan allerdings eine kulinarische Punktlandung. Allerdings: Bei einer Insel nicht weiter verwunderlich.

asdf

Sun Valley, mit dem einzigen Par 6 Chinas.

asdf

Der Mystique Springs GC – ein spektakuläres Naturschauspiel im Regenwald

asdf

Discovery Bay ist die 36-Loch Hausanlage des Raffles, in dem ein Österreicher das Zepter schwingt.

Golf-Gigantomanie
Dass China grundsätzlich auf den Golfzug aufgesprungen ist, zeigen die vielen Top-Events, die im Reich der Mitte schon Fuß gefasst haben. (Preis-)Geld spielt dabei gar keine Rolle. Auch die Golf-Architekten wären ohne China wohl schon arbeitslos. Allein auf Hainan durften Tom Weiskopf & Co 61-mal Hand anlegen, und das innerhalb der letzten zehn Jahre.
Und bis 2015 gibt’s noch ausreichend zu tun: Weitere 50 Golfplatz-Projekte warten auf ihre Realisierung. Wobei: Warten ist der falsche Ausdruck. Mission Hills Nummer 2 etwa, im Norden der Insel, wurde in knapp zwei Jahren aus dem Lavaboden gestampft. Und dabei sprechen wir von sieben Golfplätzen, einem Mega-Hotel mit dem größten Spa der Welt (rund 200 Thermalbecken, die 20 Stunden am Tag offen haben) und einer Kleinstadt, die dem Vergnügungsviertel von Hongkong Lang Kwai Fong nachempfunden ist. Kopieren klingt ein wenig zu klischeehaft.

Das Resort hatte seine Inauguration beim World Cup 2011, als Signature- und Turnierplatz fungierte der Blackstone-Kurs. Eine zähe Wiese, die ihren optischen Reiz aus den schwarzen Lava­felsen bezieht. Das schaut schön aus, ist aber wenig spaßig, wenn Irrläufer zwischen den Felsen herumhüpfen wie ein Hase auf der Flucht. Deutlich angenehmer, weil breiter und kürzer, spielen sich die Kurse „Lavafields“ und „Stone Quary“. Diese liegen aber eine gut 15-minütige Busreise vom Hotel entfernt.
Wer es heuer nicht mehr nach Hainan schafft: Drei Kurse harren noch der Fertigstellung, und dann ist man platzmäßig zweistellig, wie Mission Hills Nummer 1. Außer dem Kauf von Logobällen als Souvenir sind Hainan im Allgemeinen und die Golfplätze im Speziellen nicht als Shoppingparadies zu empfehlen. Preise, die uns mit den Ohren schlackern lassen, freuen dagegen wohl die Golf-Industrie: Driver etwa, egal welcher Marke, sind in etwa um etwa 30 bis hundert Prozent teuer als in Europa, bei der Wäsche ist das nicht anders. Dagegen nimmt sich der Greenfee-Preis von 350 Dollar für den Blackstone-Kurs beinahe wie ein Schnäppchen aus.

Karaoke- & Massagetempel
Natürlich gehört Mission Hills, wenn man schon mal da ist, auf den Menüplan. Drei Tage sollten aber ausreichen. Auch wenn sich damit die geschätzten 200 Thermalbecken nicht durchgängig verkosten lassen. Denn der Süden, entlang der Küste von San­ya aufwärts, ist das eigentliche Paradies. Um es uns einfach zu machen, nennt man sich das Hawaii des Ostens. Damit wäre schon viel gesagt. Auch, dass Sanya einem Honolulu in Sachen Wolkenkratzer und Fast-Food-Buden um nichts nachsteht. Anders als in Honolulu: Mächtige Karaoke-Tempel, wo sich der Chinese gern zuhause fühlt, und opulente Massage-Häuser, völlig schmuddelfrei.

Allerdings wird’s beinahe kitschig schön, geht’s der Küste entlang Richtung Osten. Die besagten Fünf-Sterne-Häuser haben es sich an echten Traumstränden gemütlich gemacht, dahinter reiht sich Golfplatz an Golfplatz. In einem Grün, das man selbst mit Photoshop nicht satter hinbekommt. Noch eine Reihe dahinter klettern hektarweise Tropenwälder die Vulkanfelsen hinauf.

asdf

So heißt man Langnasen willkommen: Die Caddy-Mannschaft im Mystique Springs GC

Cart & Caddie
Mitten durch einen solchen mäandert der Mystique Springs Golfclub, wo uns eine Schwadron Caddies mit Schutzhelmen behütet klatschend empfangen: Langnasen-Alarm, sozusagen. Gespielt wird, wie überall, mit Cart & Caddie. Letztere sprechen natürlich kein Englisch, oder nur sperrig. Dafür lächeln sie dauerhaft und schwärmen willig ins Unterholz aus, gerät ein Ball mal aus der Bahn. Dass sie die Suche in Gummistiefeln betreiben, ist uns Warnung genug. Eine kleine Cobra sonnt sich nebenan am Cart-Weg. „No danger“, lächelt mein Caddie. Das beruhigt, und das Wichtigste scheint sie doch auch auf Englisch intus zu haben. Per Cart legen wir auf den 18 Loch (der Club hat 36, wie die meisten hier) gefühlt mehr Höhenmeter zurück als Reinhold Messner in seinem ganzen Leben. Aber jeder davon wird von einem „Ahhh“ oder „Oooh“ begleitet.

asdf

Nachtgolfen ist nicht nur am Luhuitou GC möglich. Achten Sie auf die makellose Tee-Box!

Das geht dann grundsätzlich so weiter, auch auf den anderen Plätzen: Ob Yalong Bay, wo die Damentour Station macht, ob Sun Valley, Luhuito, Forest Valley, Dragon Valley oder Discovery Bay und wie sie auch immer heißen. Die Platzpflege ist durchgehend grandios, etliche Plätze sind mit Flutlicht ausgestattet, die Auslastung durchgehend entspannt. Noch.

Eine Anlage, die bei all der geboteten Qualität noch aus der Reihe fällt, ist jene von Tom Weiskopf auf der Halbinsel Shenzhou, rund 1,5 Autostunden die Küste entlang Richtung Nordosten. Weltklasse-Spielbahnen entlang des Südchinesischen Meeres, Bunkerlandschaften, in denen Heinz Kinigadner für seine Paris-Dakar-Rallye trainieren könnte, und das Ganze aufgeteilt auf 36 plus 5 Loch. Jimmy Luk, der Golf-Manager, führt uns bei der Ankunft gleich zur stolz an die Wand gepinnten Tafel: „Top 10 Golf Course in China“. Wo er Recht hat, hat er Recht. Wie lange das aber noch so sein wird, steht auf einem anderen Blatt: In China wird fröhlich ein Golfplatz nach dem anderen eröffnet, und auch die Klientel wächst. Bis 2020 wird es in China mehr Golfer geben als in den USA.

 

mehr REISEINFORAMTIONEN nach dem Sprung…

 

zu den REISEINFORMATIONEN

LINK zu den REISEINFORMATIONEN

 

zum Interview mit

LINK zum INTERVEIW mit Herbert Laubichler-Pichler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seiten: 1 2 3

Ähnliche Artikel aus dem Archiv

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar