Eine Küste voll Golf [0]
Aus Golfrevue 8/2009
Mit einer Fläche etwa so groß wie Österreich bei gleichzeitig nur vier Millionen Einwohnern zählt South Carolina zu den kleineren Bundesstaaten der USA. Dennoch beherbergt die 300 Kilometer lange Atlantikküste drei der führenden Golfregionen der USA: Hilton Head Island, Kiawah Island und Myrtle Beach.
Seinen Platz in der Geschichte hat der Palmetto-State (daher die kleine Palme im Wappen) mit der Unabhängigkeitserklärung 1776 und als Ausgangspunkt des Bürgerkrieges im 19. Jahrhundert eingenommen. In unserer Geschichte soll es viel friedlicher zugehen, denn heute ist der Tourismus die treibende Kraft, wobei der Golftourismus einen großen Stellenwert einnimmt – ist doch South Carolina nach Florida die Nummer Zwei-Golfregion in den gesamten USA.
Buntes Treiben in Hilton Head Island
Nördlich von Savannah – im Beaufort County, der südlichsten Provinz South Carolinas – liegt Hilton Head Island, die zweitgrößte Barrier Insel an der Ostküste der USA. War die Insel seit ihrer Kolonialisierung durch die Briten im 17. Jahrhundert viele Jahre nur dünnbesiedelte Provinz, die als Jagd- und Fischerrevier diente, mauserte sie sich ab den 1950er Jahren zu einer mondänen Wohn- und Freizeitoase. Golf wurde zu einem zentralen Faktor auf und um Hilton Head Island, insgesamt gibt es in der Region 25 Golfplätze, 14 davon auf der Insel selbst.
Die Anzahl und Qualität der Plätze, das Wetter und die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten bescheren Hilton Head seit Jahren eine Top 10-Platzierung unter den amerikanischen Golfresorts. Die dem Atlantik zugewandte Seite der Insel teilen sich die drei Haupt-Resorts Royal Plantation, Palmetto Dunes Resort und Sea Pines Resort, von denen jedes über drei Championship-Golfplätze verfügt.
Hilton Head ist in der Sportwelt seit vielen Jahren bekannt für sein Tennisturnier, seit 1969 macht auch die PGA hier Station: Das Verizon Heritage (früher MCI Heritage) im Harbour Town Golf Links, einem der Top Plätze der USA, der von Pete Dye gemeinsam mit Jack Nicklaus gebaut wurde, wird seit 1983 traditionell in der Woche nach dem Masters Mitte April ausgetragen. Golfgrößen wie Nick Faldo, Bernhard Langer, Jack Nicklaus oder auch Greg Norman konnten sich bereits das rotkarierte Sieger-Sakko überstreifen.
Neben dem Flaggschiff Harbour Town Golf Links, mit seinem berühmten Leuchtturm hinter dem 18. Green, gibt es im Sea Pines Resort zwei weitere Plätze, den Ocean Course und Heron Point – nicht ganz so berühmt und damit günstiger, aber nicht minder attraktiv. Gleiches gilt für die restlichen Plätze der Insel, von denen etliche direkt am Meer liegen. Die Nächtigungsmöglichkeiten sind vielfältig, die Auswahl reicht vom stilvollen Hotel (The Inn At Harbour Town, The Westin Resort, Holiday Inn Ocean Front) über gediegene Privathäuser bis zur luxuriösen Villa. Als Rahmenprogramm vor, nach oder statt der Golfrunde bieten sich natürlich sämtliche Arten von Wassersport, Fischen, Dolphin Watching, eine Inselrundfahrt (beliebt sind die geführten Touren, oder sportlich aktiv mit dem Fahrrad), ein Besuch des Leuchtturms, ein Shopping-Bummel oder ein Badeausflug zu einem der zahlreichen, wunderschönen Sandstrände der Insel. Abends bietet die Insel eine bunte Vielfalt an Restaurants (grandiose Meeresfrüchte & Fische) und Bars.
Südstaatenflair in Charleston
Knappe drei Autostunden nordöstlich von Hilton Head Island liegt Charleston, die alte Hauptstadt South Carolinas, 1670 vom englischen König Karl II als Charles Town gegründet. Weltruhm erlangte die Stadt vor allem in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als Namensgeber des gleichnamigen Jazz-Modetanzes. Charleston war und ist eine typische Südstaatenmetropole, die sich ihr Flair bis heute erhalten hat und gilt deshalb auch für viele als die schönste Stadt des amerikanischen Südens. Als Umschlagplatz von Rohstoffen wie Holz, Baumwolle, Reis und Gewürzen erlangte Charleston große Bedeutung, und durch seine strategische Lage an der Ostküste der USA ist es bis heute ein geostrategischer Hotspot für die US Navy und die Air Force. Auch im Golf reichen die Wurzeln weit zurück: Der 1786 entstandene Golfplatz „Harleston Greens“ soll der Überlieferung nach der erste Golfplatz samt Club in den USA gewesen sein. Charleston und Umgebung bieten heute rund 20 Golfplätze, von denen die attraktivsten die Resort-Plätze auf den vorgelagerten Inseln Palm (zwei Kurse), Seabrook (zwei Kurse) und Kiawah (fünf Kurse) sind.
Golfkrimis auf Kiawah Island
Besonders Kiawah Island erlangte golferischen Weltruhm durch seinen Ocean Course, bei dem es Star-Architekt Pete Dye meisterhaft gelungen ist, einen typischen Linkskurs schottischer Prägung (Meerblick, Dünen, flache Grüns, tiefe Bunker) mit den Vorzügen eines amerikanischen Parklandkurses (saftiges Gras, topgepflegte Spielbahnen, schöne Vegetation) zu vereinen. Diese Qualitätskriterien bescherten dem Platz 1991 seinen ersten großen und bis heute legendär gebliebenen Golf-Event, den Ryder Cup. In die Golfgeschichte eingegangen als „The War At The Shores“, gehört dieses Turnier zum Dramatischsten, was Profigolf im Allgemeinen und der kontinentale Ländervergleichskampf im Speziellen zu bieten hat. Nach drei Tagen hochklassigen Matchplays entschied der allerletzte Putt im allerletzten Match am Platz – Bernhard Langer versiebt aus einem Meter den mittlerweile geschichtsträchtigen Putt zum Sieg gegen Hale Irvin – und besiegelt den Sieg der USA über Europa. Dieser Golfkrimi sollte aber nicht der einzige Großevent am Ocean Course bleiben: 1997 folgte der World Cup Of Golf, 2003 der WGC World Cup und 2012 kommt der Platz mit der Austragung der PGA Championships schließlich auch zu Major-Ehren. So verwundert es auch nicht, dass der Ocean Course in den Top 100-Listen einschlägiger Golfpublikationen seinen Stammplatz hat. Darüber hinaus wird er auch in vielen Rankings als „Amerikas schwierigster Platz“ geführt, was angesichts der Kursdaten (6.600 Meter vom Tournament Tee, Course Rating 79,6 und Slope 155), noch dazu bei meist sehr windige Verhältnissen, gut nachvollziehbar ist.
Atemberaubend ist der Ocean Course – neben allen Geschichten und der Geschichte – vor allem auch durch seine Ausblicke auf den Atlantik und die wundervoll angelegten und gepflegten Spielbahnen sowie die pfeilschnellen Grüns. Ich hatte das Vergnügen einer späten Teetime, weshalb im – zugegeben nicht ganz billigen – Greenfee von 350 Dollar ein unvergesslicher Sonnenuntergang inkludiert war. Eine weitere Besonderheit des Ocean Course ist die Empfehlung der Clubleitung, den Platz „zu gehen“. Diese für die USA völlig unübliche Walking-Policy kommt natürlich bei Europäern bestens an. Als besonderes Zuckerl stehen professionelle Caddies zur Verfügung, die nicht nur das Bag tragen und die Schläger und Bälle putzen, sondern auch mit ihrer Platzkenntnis und dem Wissen um Wind und Wetter perfekte Dienste leisten. So war ich ziemlich beeindruckt, dass mir mein Caddie Dave – nachdem er auf der Driving-Range helfend zur Seite stand – am Platz jedes Mal den richtigen Schläger reichte und die Yards automatisch in Meter umrechnete. Seine Erzählungen, welcher Spieler das soeben in Angriff genommene Loch wie gespielt hat und welchem Celebrity denn die Multi-Millionen-Prachtvilla am Fairwayrand gehört, waren mindestens so aufregend wie manche meiner Balllagen. Vollgespickt mit so vielen phantastischen Eindrücken war auch mein Score jenseits der 100 erträglich und das wohlverdiente Bier und Sandwich nach der Runde auf der gemütlichen Clubhausterrasse ein würdiger Abschluss eines grandiosen Golftages. Neben dem Ocean Course gibt es im Kiawah Island Golf Resort mit Turtle Point (Nicklaus), Osprey Point (Fazio), Cougar Point (Player) und Oak Point (Johnson) vier weitere famose Golfplätze, die bereits zahlreiche Auszeichnungen einheimsten und Golferherzen hörbar höher schlagen lassen.
Schlaue Infos auf einen Blick: Golf in South Carolina
An die 380 Golfplätze gibt es derzeit in South Carolina. Allein die 300 Kilometer lange Atlantikküste beherbergt drei der führenden Golfregionen: Hilton Head Island, Kiawah Island und Myrtle Beach. Pars pro toto empfehlen wir, bei einem Besuch folgende Plätze nicht auszulassen:
Harbour Town Golf Links (The Sea Pines Resort)
18 Loch/Par 71, 4.762–6.037 Meter,
www.seapines.com
Ocean Course (The Sea Pines Resort)
18 Loch/Par 72, 4.869–5.937 Meter,
www.seapines.com
The Ocean Course (Kiawah Island Golf Resort)
18 Loch/Par 72, 4.871–6.199 Meter,
www.kiawahgolf.com
Turtle Point (Kiawah Island Golf Resort)
18 Loch/Par 72, 4.764–5.946 Meter,
www.kiawahgolf.com
Nützliche Links:
www.southcarolina.com (mit Golf-Link)
http://golf.discoversouthcarolina.com
www.hiltonhead.golfersguide.com
www.charlestongolfguide.com







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