90 Loch und 30 Achteln [0]

Wir wollen in San Francisco möglichst bezauberndes Golf spielen und möglichst aufregende Weine verkosten. No bullshit, heißt es in der Landessprache: klare Ziele. Start und Ziel der Tour ist in San Francisco. Die Route führt uns durch durch das Napa- und das Sonoma Valley, beides bekannte Weinbauregionen.

Day one
Wir sind zwei Flights, acht Leute aus sieben Ländern, der Zufall hat es ergeben.Wir sind mit verschiedenen Fliegern gekommen, lernen uns beim Frühstück in San Francisco kennen. Die Holländer sind in der Überzahl: 2 davon, Paul und Jan-Kees. Eine Dame: Christiane aus Belgien. Michael aus Deutschland, Hannes aus der Schweiz, Johan aus Schweden, Thomas aus Dänemark, dazu ein Österreicher. Wir haben zwei Single Handicapper unter uns (typisch die Nordlichter), der Rest spielt normal, abgesehen vom Österreicher.

Presidio ist ein smarter Anfang, weil nur zehn Minuten von Downtown und quasi oberhalb der Golden Gate Bridge, folkloristisch unüberbietbar. Es ist der zweitälteste Golfplatz westlich des Mississippi, aber erst seit ein paar Jahren offen für unsereins. Von den Übergrößen, die hier gespielt haben, imponiert uns Baseball-Legende Joe DiMaggio am meisten. Unser Holländer Jan-Kees hat einen fantastischen Einstand in der Gruppe, weil er die Textzeilen aus Simon & Garfunkels „Mrs. Robinson“ auswendig kann: And here’s to you, Mrs. Robinson , Jesus loves you more than you will know (Wo, wo, wo), God bless you please, Mrs. Robinson, … Where have you gone, Joe DiMaggio, A nation turns its lonely eyes to you (Woo, woo, woo)…
Hundertmal gehört, nie diese betörende Süße amerikanischer Sportlerverehrung herausgespürt, und jetzt die Klarsicht – also besser kann eine Woche der körperlichen und geistigen Erfrischung nicht beginnen.

Ansonst haut uns noch der Jet Lag ein bissl in die Eisen und noch mehr in die Hölzer, die Carts tun gut auf den Hügeln, der Platz ist freundlich zu Fremden. Unser Schwede vermerkt Loch 11 im Goldenen Notizbuch, ein anmutig hügeliges Par 4. Nummer 13 nicht zu vergessen: Das Green thront auf einem gut gebunkerten Hügelchen, und Eukalyptus und Pinien und der Blick auf die San Francisco Bay verzaubern das Feeling von der Einzigartigkeit eines Ortes in der Stadt am Meer.

Wir haben bei Avis zwei ausgewachsene Ford Explorer ausgefasst, da passen wir mitsamt unserem mordstrumm Zeug gut hinein. Per Akklamation kam heraus, dass je ein Holländer ein Auto lenken sollte, die fahren ja normal Wohnwagen und kommen daher mit großen Amis gut zurecht. Wir haben schließlich keine Zeit zu vertrödeln. Dies schon deshalb, weil wir erst einmal der Golden Gate den Rücken kehren und die andere, längere Brücke (Bay Bridge) nach Süden nehmen, fast zwei Stunden durch City und Hi-Tech-Parks gleiten, bis wir die Freiheit eines weiten Tales im Osten gewinnen und im schnuckeligen Purple Orchid Inn Quartier machen.

Dieser Auszucker nach Süden führt nur bis auf halben Weg an die Halbinsel Monterey heran, die mit ihren heiligmäßigen Links von Pebble Beach ein eigenes Kapitel ist, an dem du greenfeemäßig verbluten kannst (darauf sparen wir noch, aber hallo! im nächsten Jahr). Im Livermore Valley indes kriegen wir ein Gefühl für die Weite, wo der Wein wächst – daneben immer ein Golfplatz, so war es ja ausgemacht. In diesem Fall wird die Nachbarschaft zur Symbiose: The Course at Wente Vineyards.

Wir nähern uns dem Terrain mittels Abendessen in der Gourmet-Abteilung des Klubhauses. Die Wentes stehen hier in fünfter Generation (ex Deutschland) und sind eigentlich die Herren von Livermore Valley, mit tausend Hektar Wein und weißgottwieviel Ackerland. Typisch für solche Riesen ist die Verzweigung der Wein-Labels in mehrere Mainstream- und Premium-Marken. Murrieta’s Well steht für die feine Ware, nach ein paar Schluck sind wir trotzdem streichfähig. War wohl ein bissl viel für den ersten Tag, anderseits: Gleich voll einzutauchen, das hat schon was. Tiefschlaf, und am Morgen sollte der Jet Lag weg sein.


Day two

Der Jet Lag ist weggeschnarcht, man merkt es an der Art, wie wir das Frühstück überfallen und dann gleich den Golfplatz. The Course at Wente Vineyards. Selten so was Schönes gesehen.
An dieser Stelle sollte man erwähnen, dass wir für unseren Trip die kuschelige Zeit von Anfang November ausgesucht haben. Das kann natürlich auch schief gehen, aber heute ist der Himmel blank gefegt und es hat bis 25 Grad. Die Luft ist so crisp, dass es kein deutsches Wort dafür gibt, und die Konturen der Hügel ziehen messerscharf ins Blau. Seeadler sind in der Luft und hin und wieder schnappt einer nach einem fliegenden Golfball und lässt ihn am nächsten Green fallen, anders sind diese Formzuwächse nicht zu erklären, Magie ist im Spiel. Das Auf und Ab des Geländes mit hereinzüngelnden Weinflächen als charmante Out-of-bounds ist der klassische Verführer zur Tigerline, und beide Flights nähern sich einer, hmm, sehr sinnlichen Variante des Golfspiels.

Wente ist ein Greg-Norman-Course, und die Lage ist hilfreich: Die Trockenheit des Binnenlandes mit einem Hauch vom Pazifik, da mag zwischendurch ein feuchter Schwall hereinwabern, aber quasi nur optional, denn ohne künstliche Bewässerung könntest du Wein wie Golf hier vergessen. So aber schlecken schroffes Ocker und kultiviertes Grün einander anmutig die Flanken, und ich kenne jedenfalls einen aus unserer Gruppe, der für seinen letzten Golfschlag hierher kommen würde.

Unsere Single Handicappers sehen das nicht unbedingt so, aber die sind halt überhaupt sehr nüchtern auf dem Golfplatz, dennoch erstaunlich witzig im anderen Leben, was uns zu dem Punkt bringt, dass zufällig zusammengewürftelte Parties schon ihren Reiz haben. Von Jan-Kees haben Sie ja schon gehört, dass er Missis-Robinson singen kann, Paul (der zweite Holländer) macht sich durch seine Weltgewandtheit verdächtig, ist wahrscheinlich vom CIA, aber einer von den Guten. Im Durchschnitt sind wir übrigens Anfang Vierzig, nur damit ihr nicht glaubt, hier spielen die Teenies oder die Rentnerband (Thomas aus Dänemark hilft stark beim Schnitt, er ist früher Twen). Thomas hat übrigens eine Leggerezza der Kleidung, zum Niederknien. Somit erfahren Sie an einer Stelle, wo Sie es nicht vermuten würden, die Fashion-Trendansage der nächsten Saison: Smartes Zeugs, total ohne Label, quasi sorglos wirkend, in den üblichen zwei oder drei Schichten, zu denen wir natürlich „layers“ sagen.

Bevor wir uns verzetteln: Wente und Livermore Valley sind jede Verzögerung zwischen San Francisco und Monterey wert, sogar einen Auszucker wie in unserem Fall, denn wir machen ja wieder kehrt, stechen zurück nach Norden und erfreuen uns an der dritten großen Brücke: San Pablo Bridge. Man kann gar nicht oft genug über die San Francisco Bay fahren, Dustin Hoffman weiß das.

Wir beziehen Quartier in der Napa Valley Lodge, womit das Zauberwort gefallen ist. Napa Valley ist mittlerweile das berühmteste Tal, aus dem je eine Weintraube gezupft wurde, und das teuerste an Grundpreisen für die Rebfläche, abgesehen von speziellen Lagen natürlich. Bei soviel Hype gedeiht auch des Wahnsinns üppige Blüte, und was sich an Spekulation und Spannung zwischen Alteingesessen und Newcomern abspielt, will unsereins gar nicht wissen, ganz abgesehen vom bescheuerten Umgang der Neureichen mit „Kultweinen“, die so teuer sind, dass sie eigentlich schon stinken. Da reden wir nicht von „Opus One“ um happige, aber gerade noch nachvollziehbare 130 $, sondern von den 400- bis 1000-Dollar-Flaschen. Bei Auktionen geht dann auch einmal eine Doppelmagnum „Screaming Eagle“ (100 Parker-Punkte 1997) für eine halbe Million Dollar unter den Hammer, aber da treibt immerhin Charity den Preis.

Flurschaden im Napa Valley wird indes schon durch strenge lokale Gesetze verhindert, die Schönheit muss nicht leiden, und für den Reisenden ist all das Theater bloß wohliger Schauer. Es geht ums Schauen, Verkosten, Einkaufen, um herzige Ortschaften, um bemerkenswert gutes Essen und einen Hauch von Glamour. Den wird man am köstlichsten bei den Gütern von Mondavi und Francis Ford Coppola finden – spektakulär, aber ohne Nepp und mit jener professionellen Herzlichkeit, die in dieser Gegend irgendwie selbstverständlich ist. Napa Valley ist 50 km tief, etwa 20 km  breit, und eine einzige Hauptstraße, famous Route 29, fädelt die sieben Ortschaften auf, am bekanntesten sind Napa, St. Helena und Rutherford. Von den rund 200 Weingütern des Tales sind 70 auf Besuch ohne Voranmeldung eingerichtet, oft mit Führungen.

Wir sind zum Dinner bei Trinchero in St. Helena angemeldet. Die Trincheros gehören zu den Großfürsten des Tales. Mega reich wurden sie durch die Erfindung des kalifornischen Rosé, von dem sie in guten Jahren vierzig Millionen Flaschen verkauft haben. Das ist Amerikas beliebtester Wein, „giving consumers what they want“, schockschwerenot. Anderseits haben all diese Massenproduzenten den Ehrgeiz, sich mit edelsten Labels wieder vom Teufel loszukaufen. Drum hat auch das Durchkosten an diesem Abend nicht geklappt. Bin bei dem Syrah „Montevina“ hängen geblieben, und hängen geblieben und hängen geblieben und hängen geblieben, selten hat sich weißer Pfeffer in tiefem Rot so anmutig verflüssigt.


Day three

Nur ein paar Minuten bis zum Eagle Vines Golf Club. Alle Plätze, die wir spielen, sind Greenfee-mäßig moderat (hier zum Beispiel 45 bis 85 $), kein Vergleich zum Schmerz von Monterey. Rangebälle und Cart sind inklusive, das Cart hat Kühlbox und Ballwäscherei. Da lässt man gern einige Bälle zurück, wo könnten sie schöner liegen als in Cabernet-Rebstöcken (Loch 3 bis 6), im Chardonnay (7) oder im Syrah (15 bis 18). Der Sauvignon-Blanc-Freund wird indes merken, wie es ihn am 14er-Tee leicht verzieht. Eagle Vines ist ein brandneuer Johnny-Miller-Platz, wirkt vielleicht ein  bissl künstlich trotz oder wegen dem behutsamen Umgang mit Wein, Wasser, Enten und nistenden Adlern, mit Eukalyptus, Akazie und der mächtigen Pazifischen Eiche.

Jetzt bleibt ein wenig Zeit für Napa Valley bei Tageslicht. Alle sieben Orte von Carneros im Süden bis Calistoga im Talschluss haben nette Dorfplätze mit Kneipen und witzigen Läden mit entsprechendem Zeugs. Im Hochsommer sind vielleicht ein bissl zuviel Menschen da.Kurze (und nötige) Matratzenpause, denn wir brauchen unsere Kräfte für Beringer. Aaah, wieder dieses langsame Gleiten auf Route 29, der Kellergasse Kaliforniens, wo du in zehn Minuten mehr Schilder von Wineries siehst, als du je verkosten kannst, und was für Namen, Dolce Far Niente und Sequoia Grove, Beaulieu und Niebaum Coppola, Mondavi und Opus One, Louis Martini und Merryvale und hundert mehr, The Spirit of Grinzing mit Faktor 10. Wir halten bei Beringer, vis-à-vis von Charles Krug, was uns wieder an diese glückbringende Vernetzung erinnert: Ein kalifornisches Tal wurde von Deutschen und Italienern bepflanzt, erholte sich nach der Prohibition mit amerikanischem Geld und wurde von Franzosen in Schwung gebracht, mit Stil und Klasse.

Beringer hat im 19. Jahrhundert deutschen Namen, Zucht und Neugotik ins Tal gebracht, ist heute einer der behutsamen Riesen und noch immer eine noble Adresse. Kellerführung und Tasting bei Beringer (Riedl-Gläser, sehr oft in Kalifornien) sind allemal ein Erlebnis. Ich muss die Dinge jetzt aber beschleunigen: Der Weinreisende in Kalifornien sollte sich nicht zersprageln und verheddern, sondern eine Liebe entdecken und dann dazu stehen. Natürlich sind wir hier im Reich des Cabernet-Sauvignon, damit kannst du lichte Höhen erklimmen, wirst aber eher selten einen Preis-Leistungs-Vergleich gewinnen, back in Europe. Ähnliches gilt für den Chardonnay, der in seinen besseren Lagen schnell preislich abhebt, das kann man auch von den superfeinen roten Cuvées sagen. Aber wenn du dich erst
einmal beim Zinfandel eingehängt hast, näherst du dich einer wunderbaren
kalifornischen Uniqueness.

Vergiss weißen oder rosé („blush“) Zinfandel, es zählt nur die tiefrote Ware. Vergiss auch die quälende Frage, woher nun wirklich der Name herkommt, vielleicht doch aus Gumpoldskirchen zur Biedermeierzeit („Zierfandler“?), wurscht. Von der Rebe her stammt Zinfandel wohl vom apulischen Primitivo, das ist ein erdiger, unheimlich kraftvoller Wein. Ich muss an einen Hemingway-Satz denken aus „Über den Fluss und in die Wälder“, in dem er Rotwein beschrieb „wie das Haus deines Bruders, wenn du mit deinem
Bruder gut Freund bist.“ Issjatoll, wenn du dann einen braven Holländer als Chauffeur nach Napa Valley Lodge hast. Schöner kanns nimmer werden, denkst du. Was für ein Irrtum.


Day four

Und heute das Paradies. Wegen der schlaueren Fahrstrecke machen wir das Tasting am Vormittag, was ärger klingt als es ist. Unsere Sinne sind ja schon ganz gut trainiert. Wir haben Napa Richtung Westen verlassen und sind jetzt in Sonoma County. Verehrenswürdige Appellationen kennen wir von den Weinkarten daheim (Sonoma Valley, Russian River, Alexander Valley, Dry Creek) – herrlich, wenn das in 3-D vor dir aufsteht.

So wie es Schnittstellen zwischen Masse und Premium gibt, existiert natürlich auch die Oberliga zwischen Premium und Kult. Da geht’s nur noch um einen Bruchteil des z.B. Beringer-Ausstoßes, es fehlt die Billigschiene, du bist ab 15 $ dabei, wirst ab 30 $ richtig glücklich, und sehr wohl gibt es Wartelisten für die gütige Zuteilung von 400-$-Flaschen. Ravenswood außerhalb von Sonoma ist die klassische Adresse für solche Fälle. Motto der hemdsärmeligen Winzer: „No wimpy wines“, keine Schwächlinge.

Zinfandel ohne Ende bei Ravenswood, aus sechzehn verschiedenen Lagen, auch von Napa drüben, und wenn Sie in irgendeinem Laden, durchaus bei uns, „Ravenswood Zinfandel Dickerson Vineyard“ um etwa 30 Dollar finden, sollten Sie gleich mal zuschlagen. Weinpapst Robert Parker würde beispielsweise sagen „üppige Mengen von süßer Schwarzkirschen- und Brombeerfrucht und ein Hauch von Himbeeren in seinem ausladenden, würzigen, pfeffrigen Bukett.“ Lassen Sie sich von „süß“ nicht verwirren, genausogut könnte man sagen, das ist die erste Hitzigkeit, die sich dann auflöst in diverse wohlige Schauer (Parker nennt „Sattelleder“, das hat so etwas elegant Verschwitztes). Vielleicht hat uns die weltweite Gleichmacherei der geschleckten Cabernets so empfänglich gemacht für diese kräftigen Jauchzer.

Ravenswood kriegt im bisherigen Ranking also #1, trotz des Vormittag-Termins, wo du mehr spuckst als schluckst, so sorry.Paul, unser holländischer Captain, hat bisher kein Wort über die Dramaturgie verloren, hat so getan, als sei alles ein bissl Zufall. Bodega Harbour am vierten Tag ist kein Zufall: Du bist aufgebaut für den Gipfel, und hier ist er.

Bodega Harbour mit seiner unglaublich seltsamen Bucht, die wie ein großer See wirkt, aber doch die Bedrohlichkeit des Meeres hat, ist der Drehort von Hitchcocks „Die Vögel“ (1963). Die Schule und die Kirche und die Kneipe existieren noch, und natürlich hab ich alles recherchiert und könnte eine Stunde erzählen, warum Tippi Hedren danach quasi verschwunden ist (ihr Film-Mogul war eifersüchtig und nützte ihren langfristigen Vertrag zu einer Blockade) und wie sie zu ihrem 80. Geburtstag ein Dinner in Bodega Bay gab und was für eine entzückende Dame sie ist, ich könnte auch erzählen, dass die Vögel für den Film aus Deutschland importiert wurden (die deutschen folgen eben besser, kein Schmäh), aber wir müssen ja auf den Golfplatz.

Bodega Harbour Golf Links liegt auf den Dünenhügeln, und zehn der Fairways sind gesäumt von dem, was sich Kalifornier als Wochenendhäuser vorstellen, tatsächlich sind sie hart an der Grenze von „muscle houses“, die man ja nicht grundlos so nennt. Sie folgen zwar einer generellen Bauordnung von Höhe, Größe und Material (Holz und Glas), innerhalb dessen toben sich aber die Architekten aus. Von geschätzten 300 Häusern sind die meisten $-siebenstellig, hier spielt sich also eine dezente Orgie ab (dezent wegen dem Nr.-1-Material Holz und diesem California Stil, den wir die Neue Superteure Natürlichkeit nennen wollen).

Zuerst haben die Leute eingezahlt, dann hat Johnny Miller den Kurs gebaut und dann riefen sie die Architekten herbei für ihre smarten Hütten, und unsereins rackert sich erst einmal bergauf und merkt schon an der Konzentration unserer Flight-Stars, dass es jetzt nicht um Architektur geht. 52 Bunker verzieren die ersten neun Löcher, und es würde sehr schottisch aussehen bis auf die Häuser.

Noch nie haben wir Johan und Thomas (und alle anderen) so dedicated gesehen, Bodega Harbour hat den Extra-Stachel. Johan lobt speziell die neckischen Fairway-Hügeln auf dem Par 4 von Loch 2, die Uphill-Challenge von Loch 4, und dann sind sich alle einig, dass die Rückkehr zur Meeresebene ein unglaubliches Finish ergibt. Thomas sagt, es sei das schwerste kurze Par 4, das er je gespielt habe: „Der gute Spieler steht am Tee und denkt Birdie und humpelt dann vielleicht mit einem Bogey oder schlechter davon. Der Wind ist so schwer zu berechnen, dass die Schlägerwahl zur Lotterie wird, beim Drive wie bei der Annäherung. Und bei aller Konzentration verzaubert dich auch noch die wunderbare Atmosphäre des Ortes.“ Woraus dieser Zauber besteht? Aus einer schottischen Küste im Sonnenland, mit einer geheimnisvollen Bucht, in der man auf Vögel achten sollte.


Day five

An diesem Morgen entstand ein großes Bedürfnis nach Langsamkeit. So phantastisch diese vollgepackten Tage auch waren, wir wollten jetzt einmal gaanz lang-sam früh-stü-cken und langsam zusammenpacken und dann locker wegfahren, ohne Tee-Time unterm Pedal. Wir waren zum Verkosten im Dry Creek Valley verabredet, prächtigstes Sonoma-Land, und hätten wieder mehr spucken als schlucken müssen, um unseren fünften Golfplatz zu schaffen. Allerdings: Was sollte nach Bodega Harbour noch kommen?

Die Abstimmungsfrage „Lieber schlucken als spucken?“ ging 8:0 für uns aus, wir sagten die Tee-Time ab, fuhren langsam durch Sonoma-Land und berechneten den Fünftage-Score neu: 72 Loch, dafür 35 Achteln, der goldene Schnitt für California Wine Country.

Das ergab ein Lunch mit Verkostung auf der Frei Ranch, die zwar dem zweitgrößten Weinproduzenten der Welt gehört, Gallo (150 Millionen Flaschen im Jahr, da schwappt’s im Supermarkt in 93 Ländern), aber wir haben ja schon einiges gehört über die Spreizung von Masse und Klasse. Der überwiegende Teil ihrer 8000 Hektar liegt im südlichen Kalifornien, hier heroben (Gallo of Sonoma) wird die Kür gelaufen.

Wenn Napa Valley die größte Weinshow der Welt ist, so ist Sonoma der friedliche Nachbar, sehr oft mit den besseren Weinen, aber weniger Geschrei. Sonoma ist breiter, weiter, durchlässiger. Die Leute, die wir kennenlernten, haben kapiert, was sie diesem Übermaß an Schönheit schuldig sind, und alle scheinen auf eine behutsame Art damit umzugehen. Bei aller diesbezüglichen Rührung muss ich erwähnen, dass wir zum gegrillten Schwertfisch in Orangen-Pinot-Gris-Butter den Estate Chardonnay aus Northern Somona tranken, schlichtweg beglückend, ideal für ein November-Lunch im Freien. Danach hatte ich noch die Kraft für den tiefroten, fast schwarzen Zinfandel Barrelli Creek von 1997, aber für Verkostungsnotizen ging es sich nimmer aus. Ich hab dann bei Parker nachgelesen, er hat ja so recht, der gute Mann: „Superextrakt-reich, intensiv, kraftvoll… präsentiert sich mit ganzen Schichten von Brombeer- und Kirschfrucht, frischer Eichenholzwürze, getrockneten Kräutern und bewunderswerter Würzigkeit und Tiefe“, wie sollte man das anders sagen.

Toll an dieser Gegend ist, dass du in anderthalb Stunden auch wieder quasi daheim in San Francisco bist, und irgendwie war das noch nötig: Nachmittag in der Stadt. Das Orchard Hotel ist smart, nah am Zentrum, aber schon in der Steilstufe, wo geparkte Autos ein Ticket kriegen, wenn die Räder nicht zur Gehsteigkante hin eingeschlagen sind. Die Tram ist gleich an der Ecke und genauso hetzig, wie sie ausschaut. Du steigst ein, jeder Waggon hat einen Schaffner wie in einem Hans-Moser-Film, der knöpft dir $1,50 ab und du rumpelst über die Hügeln bis zur Bay, luftig, flott, alle sind gut aufgelegt, und fröhlich knirschen die Bremsen. Auch die entscheidende Buchhandlung ist nur fünf Minuten vom Hotel: City Lights Bookstore, Gebärklinik der Beat Generation, hat die atmosphärische Grundnahrung für den aufgeweckten Liebhaber, damit du auch wirklich weisst, wo bist: Hey, San Francisco!
Am nächsten Tag der Flieger. Was dann der Jet Lag in der schlechten Richtung hätte werden sollen, hatte wenig Chance zum Hervorkriechen, so Sun-of-Sonoma-mäßig blieb das Gemüt noch eine ganze Weile.


Reiseinfos

Golfplätze, Weingüter, Hotels

www.presidiogolf.com
www.wentegolf.com
www.eaglevinesgolfclub.com
www.bodegaharbourgolf.com

www.wentevineyards.com
www.tfewines.com (Trinchero)
www.beringer.com
www.ravenswood-wine.com
www.gallosonoma.com

www.purpleorchid.com
www.napavalleylodge.com
www.woodsidehotels.com/bodega
www.theorchardhotel.com San Francisco

www.sonomawine.com
www.wineinstitute.org

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