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Darum Hawaii

(aus GR 6/2006)

Es ist kein Katzensprung auf die Aloha-Inseln. Das Tohuwabohu (leider kein hawaiianischer Fachausdruck) auf den US-Flughäfen ist grässlich bedrückend.

Reise und Aufenthalt sind teuer. Doch auf dem Archipel im Pazifik haben sich die weltbesten Golfarchitekten mit Plätzen verewigt, die zu Recht jedes Jahr die profiliertesten Spieler und hunderttausende Touristen anlocken. Auch Elsa-Maria Honecker nahm Kurs auf Hawaii.

Wo ist das Klischee? Wer nach 22 Flugstunden bei der Ankunft auf der Insel Oahu in Honolulu mit Blumen bekränzte Hula-Mädchen erwartet, die einem als Willkommensgruß süß lächelnd den Lei-Kranz um den Hals legen, erlebt eine herbe Endtäuschung. Und am viel besungenen Waikikistrand, der heute von den Hochhäusern ringsum erdrückt wird, trifft man leider nur die in die Jahre gekommenen Reichen und Schönen oder eine neue Generation, die sich dem allgemeinen XXL-Format der Amerikaner anpasst. Auch den Hula-Tanz gibt’s nicht mehr so mir-nix-dir-nix am Beach. Dafür braucht es (bei 60 Dollar Eintritt) einen „Luau“: Dort erlebt man zusammen mit hunderten amerikanischen Bus-Touristen aufgespritztes Instant-Brauchtum. Als Entschädigung finden sich überall Magazine mit tollen Hawaii-Schönheiten darauf und natürlich Golf – deshalb sind wir ja hier!

Welche Insel gewinnt beim Island-Hopping als die Schönste? Schwer zu sagen: Alle sind ein Hochgenuss, so man nicht nur Ball und Score im Visier hat, sondern auch ein Auge für die dramatisch schöne Natur. Wir spielen direkt am Meer, auf Klippen, inmitten von zart begrünten Lavafeldern mit zahlreichen kleinen Höhlen (wo Bälle auf Nimmerwiedersehen verschwinden) oder auf erloschenen Kratern mit spektakulären Rundblicken.

Mit 30 Golfplätzen, die vor allem im Osten und Norden liegen und unterschiedlicher nicht sein könnten, liegt Oahu an der Spitze. Zum Turtle Bay Resort (36 Löcher; Palmer Course Par 72, 7199 Yards, Slope 121 bis 143 bzw. Fazio Course, Par 72, 6535 Yards, Slope 112 bis 131) fährt man von Honolulu aus ca. eine Stunde. Die schön gewundene Küstenstraße führt vorbei an einigen der insgesamt 200 feinsandigen Stränden, bevölkert von Surfern, Seglern und Wellenreitern. Während der Palmer Course wassernah am Ozean parkt und viele überraschende Wasserlöcher (Loch 7/Par 4 mit Inselgrün) bietet, baute Fazio eher schmale, mit Palmen gesäumte Fairways.

Maui ist das Paradies für Sonnenanbeter, Surfer und Golfer. Früher das Zentrum des Hawaiianischen Königreiches, ist es heute das Mekka der Wassersportfreaks. 200 Kilometer Küstenlinie sind eine ideale Basis, davon zählen die Strände von Kapalua im Westen zu den schönsten der USA. Kein Wunder, dass es dort auch einen der besten Golfplätze gibt: der Plantation Course (Par 73, 7263 Yards, Slope von den Back-Tees 138). Hier wird alljährlich das Saison-Eröffnungsturnier der US PGA gespielt, die 5,5 Mio. Dollar fette Mercedes Championship. Genauso „schwergewichtig“ ist dieser Platz mit seinen schmalen Berg- und Tal-Bahnen, wo der Ball oftmals zwischen Gräben und Lava-Felsgestein verschwindet. Netterweise gibt es Wasser und Wind nur entlang der Küste (Loch 2/8/12), dann aber mit Meeresgetöse und orkanartiger Brise, den Trade Winds.

Ein richtiger Schönling ist der Wailea GC mit seinen drei 18-Loch-Plätzen (Blue/Gold/Emerald-Course, alle Par 72, bis zu 7000 Yards lang, Slope 129 bis 137). Von allen dreien genießt man eine fast schon kitschige Aussicht über Blühendes aller Art hinweg auf den azurblauen Pazifik. Am 16. Loch heißt es sogar „Whale-watching“ und dafür hat man jede Menge Zeit, Motto „Do as you please“.


Big Island

Die größte der Hawaiianischen Inseln, Big Island, ist zugleich die vielseitigste: morgens Skifahren auf dem Mauna Kea, mittags Schnorcheln im Norden am Hapuna Beach und abends Golfen im Westen, rund um Waikaloa. Zudem hat die jüngste Insel des Archipels eine weitere Attraktion: aktiven Vulkanismus. Der Kilauea ist zurzeit der aktivste Vulkan der Erde. Er spuckt und formt und vergrößert die Insel jeden Tag mit frischer Lava.

Auf Vulkangestein wurde hier schon vor 85 Jahren der erste Golfplatz angelegt. Heute sind es achtzehn, wovon der Waikoloa Village GC mit zwei Championship-Plätzen zu den besten zählt. Der Kings Course (Par 72, 6595 Yards, Slope 128), ist eine Art Links mit sechs Seen, 83 Bunkern und schmalen Fairways, die sich zwischen schwarzen Lava-Abgründen durchmogeln. Das siebente Loch des Beach Course (Par 72, 6566 Yards, Slope 134), ein Par 4 als schmales grünes Band am Pazifik, ist die meist fotografierte Spielbahn der Inseln.

Die älteste der Hawaiianischen Inseln, Kauai, entstand vor rund sechs Mio. Jahren durch den Vulkan Waialeale, der auch heute noch als Bewässerungsmotor (Regenwolken!) für die Blütenpracht, den dichten Regenwald und das Grün der Golfplätze sorgt. An drei Golfanlagen kommt man hier unmöglich vorbei: den Princeville Golf Courses mit 45 Löchern im Norden, dem Kiele Course mit 18 Löchern im Osten und dem 18-Loch-PGA Grand Slam Platz Poipu Bay im Süden (Par 72, 7123 Yards, Slope 134). Dessen Layout, wie es wir erlebten, könnte aus einer Filmszene stammen: Dramatisch schwarze Regenwolken über dem Platz, ein Regenbogen, der sich bis zum nahen Emeralds-Gebirge spannt, vier Seen, die sich in ondulierte Fairways schmiegen und dazwischen 80 Bunker, kleine silberne Inseln im frischen Grün. Fehlt nur noch das Hula-Mädchen mit Baströckchen und Kokosnuss-Bikini, das dem Stableford-Sieger den duftenden „Lei“ um den Hals legt – doch das kostet sicher extra.


Reiseinfos

Anreise

Von Wien über Frankfurt/San Francisco nach Honolulu (ab 1000 Euro). Fürs Inselhüpfen gibt’s Coupons bei Aloha Airlines (ein Inselflug ab 70 Euro, Abflugs-/ Zielort variabel). Flüge werden fast stündlich geführt, sie dauern zwischen 20 und 40 Minuten.

Wohnen

Kostet auf Hawaii eine Stange Geld. Die meisten Hotelresorts, die oft nur ein Par 4 vom Golfplatz entfernt sind, haben Fünf-Sterne-Klasse, wie etwa die Marriotts, die es auf jeder Insel gibt und die Packages anbieten (Ü/Golf auf zwei Plätzen ab 340 Dollar). Wenn’s ein bisschen mehr sein darf: Fairmont Hotels mit Spa und Butler-Service (Ü/F in der Suite/Villa plus drei Mal Golf ab 640 Dollar). Ebenfalls zu haben: Bed & Breakfast (DZ ab 50 Dollar) und Unterkünfte in Plantagenhütten (ab 150 Dollar).

Am besten bucht man Packages, zum Beispiel „Heiraten (und Golfen) auf Hawaii“ (FTI) oder „Island-Hopping für Golfer“ mit allem drum und dran von Hawaii Holiday Service (www.Hawaii-Holiday-Service.de) oder „Urlaub nach Maß“ von Birdie Golfreisen (+49/4194/ 99990).  Hinweis für Hawaii-Selbstbastler: Unter www.gohawaii.com kann man alle Inseln untereinander und mit 180 Aktivitäten kombinieren. Die offizielle deutschsprachige Website lautet www.hawaii-tourism.de

Golf

Eine ausführliche, äußerst gustiöse, englische Broschüre mit allen Golfplätzen und Preisen (70 bis 300 Dollar) gibt’s unter „Golf Adventures in Paradise“ (www.gohawaii.com/golf). Dazu noch den Hawaii Travel Guide mit Sightseeing-Spots auf allen Inseln, dann sind Sie gut ausgerüstet für die Reise. Alles bei Hawaii Tourism Europe, c/o Aviareps Mangum, Sonnenstr. 9, D–80331 München, Tel.: +49/89/23 66 21-97, E-Mail: cklein@aviarepsmangum.com

Was tun nach der Runde?

Oahu: Wenn schon Waikiki-Strand, dann zum Fünf-Uhr Tee ins Moana Surfrider Hotel, eines der ältesten und charmantesten Hotels im Kolonialstil.

Maui: Sonnenaufgang auf dem Gipfel des Vulkans Haleakala. Dafür muss man zwar um drei Uhr früh aus den Federn (Fahrtzeit etwa eineinhalb Stunden), dafür ein nettes (saukaltes) Erlebnis.

Big Island: Der National Historical Park im Norden war früher heilige Stätte und traditioneller Zufluchtsort der Krieger. Heute ist er Hochburg der Lomi-Lomi-Nui-Massage und Austragungsort des Iron Man.

Kauai: Hier betrat der britische Captain James Cook zum ersten Mal hawaiianischen Boden. Die Insel steckt voller Schönheiten, von Naturparks über Wildlife Refugien, Stränden für Schnorchler bis hin zu lebenden Filmkulissen (Jurassic Park!).

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