Florida, let’s swing [0]

Yes, you can! Den Stars der US PGA Tour bei den fünf großen­ Frühjahrs-Turnieren in Florida zuschauen – und dann auf diesen Plätzen selbst aufgeigen… Gerald R. Hajos hat die Packages dazu!

Aus Golfrevue 6/2009

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Der März ist traditionell der Monat des „Florida Swing“. Das ist kein neuer Tanzstil, sondern meint nur, dass in einem Aufwaschen gleich mehrere große Turniere im Sunshine State über die Bühne gehen – in diesem Fall vier, und im Mai folgt noch das „fünfte ­Major“, das Players. Gespielt wird um ein paar Millionen grüne Scheine und etliche ­FedExCup-Punkte. Und das auf den feinsten Wiesen des Nummer-1-Golf-Bundesstaates der USA. Das Gute dran: Wir Normalsterbliche dürfen nicht nur schauen und staunen, sondern abseits des Turniers diese Traumplätze auch selbst spielen.
Mag sein, dass die Grüngeschwindigkeit dann nicht mehr ganz so rasant und das Rough weniger giftig ist – die Faszination, auf einem PGA Tournament Course zu spielen, ist immer gegenwärtig. Und schließlich ist da auch der direkte Vergleich mit den Besten der Besten. Wie bei den WISBI-Skirennen. Nur zum Gustieren für Ambitionierte an dieser Stelle Tigers Antwort auf die Reporterfrage, welchen Score wohl ein Handicap-10-Spieler auf dem letztjährigen US-Open-Platz (Torrey Pines South Course) spielen würde: „Sicher nicht unter 100.“

Fazios Florida

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Den Auftakt macht die Honda Classic im PGA National Resort in Palm Beach Gardens, eine Autostunde nördlich von Miami. Bereits an der Autobahnabfahrt namens „PGA Boulevard“ erahnt man, worum es hier geht. Ein typisches amerikanisches Luxushotel erwartet uns mit allem erdenk­lichen Komfort. Mit dem Lift geht’s vom Zimmer direkt zum mächtigen Pro-Shop, davor liegen das Starterhaus und die ersten Tees von fünf (!) Championship-Golfplätzen. Der ­Turnierplatz, der Champions Course, stammt aus der Feder der Brüder Fazio in Kooperation mit Jack Nicklaus. Bei den anderen, nicht wirklich schlechteren Kursen stehen Arnold Palmer, Tom Fazio und Karl Litten Pate. Das Signature Hole des Champions Course sind eigentlich drei: die gefürchtete „Bear Trap“ der Löcher 15 bis 17 – ähnlich dem „Amen Corner“ des Augusta National –, drei Löcher, die selbst Profis das Fürchten lehren.
Einen Besuch wert ist auch das nur 30 ­Minuten nördlich in Port St. Lucie liegende PGA Village. Dort befinden sich der PGA Golf Club mit drei wunderbaren Golfplätzen (Wana­maker, Ryder, Dye) und das PGA Learning Center, eine der größten Trainings­an­lagen der USA: Eine Mega-Driving-Range und ein Indoorcenter mit sämtlichen Analyse­geräten geben schon mächtig was her. Der absolute Hammer sind aber die Übungsbunker mit neun verschiedenen Formen und Sand­arten. Wenn da keine Freude aufkommt …
In einem eher unscheinbaren Neben­gebäude­ befindet sich das PGA Historical Center, wo auch der „heilige Gral“ der PGA Of America gehütet wird: die Wanamaker Trophy, der Originalpokal der PGA Cham­pionship, also des vierten und letzten Majors. Der letzte eingravierte Name lautet übrigens Y. E. Yang. Sie erinnern sich an das Match ­gegen Tiger?

Monstergolf

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Auf den Spuren der WGC CA Championship geht es am Florida Turnpike südwärts nach Miami. Dort liegt gleich neben dem Flughafen das weltberühmte ­Doral Golf Resort. Anfang der Sechziger­jahre war Doral der Inbegriff eines mondänen Golfclubs und -hotels – die Doral Open war übrigens der erste PGA-Event Floridas. Greg Norman hat das Turnier nicht nur einige Male gewonnen, er hat auch einen von fünf Golfplätzen, den Great White Course, designt. Das Flaggschiff ist aber der legendäre Blue Monster Course, seit 2007 Austragungsort der CA Championship, einer der vier World-Golf-Championship-Events, die in ­ihrer ­Bedeutung gleich hinter den Majors angesiedelt sind. Auch das Après-Golf-Programm mit Stränden, Shops und dem Nachtleben von Miami Beach am Ocean Drive kann sich sehen lassen.

Das andere Florida

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Weiter zur Transitions Championship ins von Miami vier Autostunden entfernte Tampa zum dritten Turnier des Florida Swing im altehrwürdigen Innisbrook Golf Resort, wo alles weit ruhiger vonstatten geht. Statt eines riesigen Hotelkastens gibt es mehrere über die Anlage verstreute Komplexe mit jeweils 10 bis 15 Zimmern, ­direkt an einem Fairway des Copperhead Course, dem Hauptgolfplatz des Resorts, auf dem auch das Turnier ausgetragen wird. Der Platz ist eher Florida-atypisch, säumt doch alter Baumbestand fast jedes Fairway, und ­zudem ist der Platz ziemlich hügelig. Neben dem Copperhead bietet das Resort drei ­weitere wunderschöne Plätze, die es lohnt ­zu spielen.

Tigers Wohnzimmer

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Wer ist in Bay Hill nun der Hausherr – Arnold ­Palmer oder doch Tiger Woods? Schließlich hat The King nur einmal gewonnen, der Tiger immerhin schon sechsmal …

Rauf auf den Highway und ein Stück südlich geht’s in der nächsten Woche, wenn das Arnold Palmer Invitational an der Reihe ist. Das Ziel heißt Orlando, die eigentliche Golfhauptstadt Floridas. Der Bay Hill Lodge & Club ist die Winterresidenz von „King ­Arnold“. Seit 30 Jahren veranstaltet er sein Einladungsturnier auf dem hauseigenen Golfplatz. Das Bay Hill selbst ist ein schlicht ­wirkendes, aber sehr gediegenes Golfhotel mit familiärem Flair, wo der Hausherr, so er zugegen ist, seine Gäste persön-lich begrüßt. Der Platz ist wie sein Eigen­tümer: stilvoll und gepflegt. Caddies im ­weißen Over­all bieten ihre Dienste an und garnieren die Golfrunde mit so manchem Schmankerl aus ihrer teils langen Geschichte. Sonst ist Bay Hill aber „Tiger-Land“, hat die Nummer 1 der Golfwelt das Turnier seit 2000 doch sechsmal ge­wonnen. Natürlich hat Orlando neben seinen zig Golfplätzen und Shoppingparadiesen gerade im Unterhaltungsbereich vieles zu bieten, ist es doch die Heimat von Disney World, Epcot Center und Universal Studios.

Major Nummer 5

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Floridas Signature Hole ist das berühmte 17. Loch des TPC Saw­grass – doch auch andere Löcher (wie zum Beispiel dieses hier) haben seinen Reiz.

Zum Abschluss im ­Florida Swing tanzen die Golfer beim Players Championship an, einem echten Kracher, der im TPC Sawgrass in Ponte Vedra Beach an Floridas Ostküste seine Heimat hat. Der Tournament Players Club ist nicht nur jeden Mai Austragungsort des inoffiziellen „fünften Major“, sondern auch der Sitz der US PGA Tour. Allein der Empfang ist beeindruckend – die Auffahrt ist mit gusseisernen Kandelabern gesäumt, an denen jeder Turniersieger – wie auch auf dem riesigen Springbrunnen zwischen Clubhaus und Driving Range – in Bronzeschildern verewigt ist.
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Gerade als ich ehrfürchtig in der Eingangshalle die Bilder und Pokale bewundere, spricht mich ein ­älterer Herr im blauen Blazer an. „Hi, I’m Jim! You want a tour?“ Jim, der interessierten Besuchern die Geschichte des TPC erzählt und sie herumführt, zeigt mir alle Sehenswürdigkeiten in- und outdoor – von den ­original Players- und FedEx-Trophäen bis zu Geschichten um den Platzbau. Erheiternd zum Beispiel diejenige rund um eines der berühmtesten Par 3 der Welt, der 17 des TPC: Star­architekt Pete Dye hat dieses Loch eigentlich als normales, mittellanges Par 3 entworfen. Erst durch einen Kommunikationsfehler mit der ausführenden Baufirma entstand das allseits ­bekannte Inselgrün. Mrs. Dye soll nämlich ihrem Gatten vorgeschlagen haben, das große Loch rund um das Grün so zu belassen und einfach Wasser einzufüllen. Voilà, das Signature Hole war geboren und sollte nunmehr alljährlich zur Entscheidung im Turnier beitragen (2008 gewann bekanntlich Sergio Garcia genau dort im Stechen). Abgesehen von Nummer 17 sind auch die restlichen Bahnen des Stadium Course atemberaubend. Layout, Pflege­ und Blick gehören sicherlich zum Feinsten, was Golfplatzbau zu bieten hat. Aber auch der Schwesterplatz, der Valley Course, ebenfalls von Pete Dye gezimmert, ist eine Runde wert. Logieren sollte man idealerweise im Sawgrass Marriott Hotel, ­direkt am Platz.

Sight-Seeing

altUnd wenn man in der Gegend ist, sollte man unbedingt ein paar Meilen südlich in St. Augus­tine Halt machen. Eigentlich eine unaufregende Kleinstadt, wären da nicht schon wieder drei magische Buchstaben: WGV, das World Golf Village, Heimat der World Golf Hall Of Fame, der Ruhmeshalle des Golf, die eine Pflicht-Pilgerstätte für jeden Golf-Aficionado ist. Weiters gibt’s zwei schöne­ Golfplätze (der King & Bear als einziger Platz, den Palmer und Nicklaus gemeinsam designt haben) und Bill Murrays Restaurant Caddy Shack mit Utensilien aus dem gleichnamigen Golffilm sowie Caddyumhänge berühmter Turniere.

 

SChlaue Infos auf einen Blick: Florida-Spring GolfHighlights


Honda Classic

PGA National Golf Resort, Champion Course, Palm Beach Gardens
www.thehondaclassic.com, www.pgaresort.com

WGC CA Championship
Doral Golf Resort, Blue Monster Course, Miami
www.worldgolfchampionships.com, www.doralresort.com

Transitions Championship
Innisbrook Golf Resort, Copperhead Course, Tampa
www.transitionschampionship.com, www.innisbrookgolfresort.com

Arnold Palmer Invitational
Bay Hill Lodge & Club, Orlando
www.arnoldpalmerinvitational.com, www.bayhill.com

The Players Championship
TPC Sawgrass, Stadium Course, Ponte Vedra Beach
www.pgatour.com, www.tpc.com/sawgrass

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