Darf’s noch Meer sein? [0]

Postkartenidylle pur, kombiniert mit Golf vom Feinsten. Die Dominikanische Republik hat mehr zu bieten, als nur Pauschalurlaub und einen vordergründig schlechten Ruf.

aus Golfrevue 7/2007

 

Unser Zugang zur Dominikanischen Republik ist ein geradliniger: Sowohl was die Anreise betrifft – volley mit der Lauda Air ab Wien – als auch emotional. Gerne als DomRep verunglimpft – politisch nicht ganz korrekt, aber allemal akzeptabel – und vordergründig mit All-inclusive-Pauschaltouristen angefüllt, kann die Insel – ein Drittel davon gehört Tahiti – deutlich mehr. Und das hat nicht nur, wohl aber auch mit Golf zu tun, das mithilft, den Ruf entsprechend aufzupolieren.

Jack Nicklaus, Pete Dye, Tom Fazio und Nick Faldo sind die prestigeträchtigen Kühlerfiguren am Golf-Vehikel, das die Insel für uns noch attraktiver machen soll. Denn der Pauschaltourist hat sich in den letzten Jahren anderwärtig orientiert und die Golfer schielen Richtung Südafrika oder liebäugeln mit Thailand, allein der Preis kann es also nicht sein.

Die Aufarbeitung des Themas „Golf auf der Dominikanischen Republik“ funktioniert zwangsläufig über die multiple Persönlichkeit und die verborgenen Schätze, die sich einem vordergründig gerne verschließen. Wie etwa das Landesinnere, wo eierkartonartige Berglandschaften dschungelartig überwuchert echtes Tarzan-Feeling aufkommen lassen. Vorausgesetzt, man entzieht sich dem kollektiven All-inclusive-Fun innerhalb der Hotelmauern.

Oder ein Besuch in der Hauptstadt Santo Domingo, wo es vor lauter Lebensfreude nur so wurlt. Auch die Surferhochburg Cabarete im Norden der Insel, samt ihren Strandpawlatschen, lohnt einen Ausflug. Voraussetzung dafür: Man entzieht sich dem kollektiven All-Inclusive-Fun innerhalb der Hotelmauern, wo gerne schon am Vormittag zu viel flüssiger Urlaub konsumiert wird. Brugal mit Cola heißt hier die fatale Kombination, die meist gebindeweise den Besitzer wechselt.

Unsereiner nimmt sich ein Mietauto, was zu teils skurrilen Situationen führen kann: Angefangen von den Einschulungen – etwa: „Wenn eine Polizei wachelt, müssen Sie nicht stehen bleiben, wenn’s das Militär ist schon“ – bis hin zu den weniger empfehlenswerten Ausflügen des Nachts: Einerseits warten Schlaglöcher, tief wie der Marianengraben, andererseits erfordern tote Tiere bis hin zur Größe von Pferden auf den meist unbeleuchteten Straßen die Reaktionszeiten eines Rallyepiloten. Das alles sollte aber niemanden abschrecken, es nicht trotzdem zu tun. Denn individuell bereist, kann die Insel wirklich viel.

Der Osten und der Süden

Zweifelsfrei sind Altos de Chavon und das Casa de Campo Resort eines der Highlights auf der Dominikanischen Republik: Ersteres ist ein, zugegeben neppiges, Künstlerdorf auf einem Plateau oberhalb des Rio de Chavon, aber allemal einen Ausflug Wert. Filmfreaks wissen warum: Der Fluss war die imposante Kulisse der grandiosen Hubschrauber-Drehs in „Apocalypse Now“.

Seit einiger Zeit ist die Gegend auch für Golfer noch attraktiver: Mit dem Kurs „Dye Fore“ – Designer, no na, Pete Dye – ist das nur wenige Kilometer entfernte Casa de Campo Resort – das beste Resort der Karibik – auf drei Golfplätze angewachsen und um einen Top-Designer-Kurs reicher. Dye über sein Werk: „Wo in der Karibik hast du einen über 100 Meter tiefen Talkessel, Berge im Hintergrund und ein Dorf aus dem 16. Jahrhundert als Golfplatzkulisse? Eben! Da lässt es sich leicht einen tollen Platz entwerfen.“ Schon für den berühmten Platz „Teeth of the dog“, immerhin während der letzten Jahre Stammgast in den Top 100 Golfkursen weltweit, zeichnete Pete Dye verantwortlich, der in diesem Zusammenhang gerne zitiert wird. „Gott hat sieben Holes gebaut, ich die restlichen elf“, soll Dye in Anspielung auf die Spielbahnen entlang des Meeres gesagt haben.

Jedenfalls gehört der Platz so wie das Resort zum Besten, was die Karibik zu bieten hat und wurde vor zwei Jahren komplett renoviert. Nein, nicht umgebaut! Der Hundezahn hat das Beißen nicht verlernt, im Gegenteil, die Beißerchen wurden nachgeschärft. Am besten Sie fragen Fred Couples, der auf diesem Platz mit acht unter Par auf Loch 15 kam und Richtung Platzrekord unterwegs war, ehe der Platz zuschnappte: Doppelbogey, Bogey, Bogey – Schluss mit Platzrekord. Beinahe handzahm gibt sich da Dyes Dritter im Bunde: „The Links“ fehlt es ein wenig an ähnlich atemberaubendem Umfeld, auslassen sollte man den Kurs trotzdem nicht.

Nur einen Katzensprung Richtung Punta Cana liegt der 18-Loch-Kurs „La Romana“, ein Platz der Superreichen und natürlich ein Kurs von Pete Dye, wo unter anderem Robert Redford Mitglied ist. Der Zugang ist höflich ausgedrückt limitiert, aber mit etwas Freundlich- und Hartnäckigkeit öffnen sich die Pforten. Am besten, man versucht es über die Rezeption des Casa de Campo Resort.

Ebenfalls in diesem Grätzel, allerdings Richtung Westen, hat Gary Player seine Duftmarke hinterlassen: Bei Juan Dolio ist dem Schwarzen Ritter ein Dschungelkurs feinster Konvenienz aus der Feder geronnen, dessen Entstehungsgeschichte, die Henry Butler Junior, Boss des Guavaberry Golf & Country Club, nicht müde ist, zu erzählen: „Mein Vater war Nationaler Meister der Dominikanischen Republik Ende der 1930er-Jahre. Zu Golfen hat er aber nur begonnen, weil sein Vater bei einer Lotterie ein Golfbag gewonnen und es ihm geschenkt hat.“ Butler Senior hat dann 1940 Bobby Jones und Gene Sarazen zu Exhibitions auf die Insel gelotst und damit Golf in der Dominikanischen Republik sozusagen mitbegründet. Erst mehr als 60 Jahre später hat die Familie nun endlich ihren eigenen Golfplatz und Henry Butler Junior träumt von Tiger Woods als Stargast.

Wunschkonzert

Jede Menge Stargäste tummeln sich derzeit rund um Punta Cana und Bavaro Beach, am Ostzipfel der Insel: Nick Price (Punta Blanca GC), Nick Faldo (Roco Ki Resort), Tom Fazio (Corales GC) und nicht zuletzt Jack Nicklaus (Punta Espada) beenden gerade ihre Werke, beziehungsweise haben sie schon finalisiert. Speziell das Projekt von Jack Nicklaus ist unter diesen Top-Kursen besonders interessant, weil das gesamte Areal rund um den Platz des Design-Gurus entwickelt wurde. Sam Logan, Golf-Direktor von Punta Espada: „Wir haben Jack das ganze Areal gezeigt und ihm gesagt, er möge sich den idealen Platz für den Golfkurs aussuchen, ganz nach seinen Wünschen. Erst danach wurden sämtliche Immobilien geplant.“ So hat der Goldene Bär sich viel Küste geschnappt und insgesamt acht Holes direkt am Meer verlegt. Besonders eindrucksvoll: Loch 17, bei dem die Brandung bis aufs Fairway schwappt und die Gischt den Blick beim Schlag ins Grün trübt.

Doch ist dieser eine Kurs, die Eröffnung ging mit Pauken & Trompeten im November 2006 über die Bühne, noch lange nicht das Ende der Fahnenstange: Um schlanke 500 Millionen Dollar sollen hier noch zwei weitere Nicklaus-Plätze und der größte Yachthafen der Karibik entstehen. Involviert ist dabei auch ein gewisser Donald Trump.

Daneben nehmen sich die nicht minder feinen Kurse der Gegend wie etwa der Cocotal Golf & Country Club (18 plus 9 Loch) oder der Bavaro Beach GC nachgerade bescheiden aus.

Richtung Hauptstadt, also Santo Domingo, bietet sich – so gewünscht – die Kombination aus Sightseeing und Golf im Cayacoa GC an. Letzterer ist kein Designerkurs, hat aber dennoch einige Schmankerln zu bieten. Etwa das Urwald-Feeling auf den Back-nine, wo du sekündlich darauf wartest, dass Tarzan und Jane sich an einer Liane vor dir vorbei übers Fairway schwingen. Auch der Las Lagunas GC  – auf der Homepage wird das Design als „inspiriert von Pete Dye“ gepriesen – liegt nicht weit von der Hauptstadt entfernt. Interessant, wie hier mit Datenschutz umgegangen wird: Sämtliche Mitglieder – knapp 40 – werden allesamt mit Handicap und den Runden, die sie pro Jahr spielen, ausgewiesen.

Sand und Strand

Weil die Dominikanische Republik aber vorrangig (oder zumindest als Vorwand) zum Baden heimgesucht wird, ist abgesehen vom Golfequipment, leichtes Gepäck angesagt: Badehose oder Bikini und Sonnencreme sind dafür meist ausreichend, die Strände famos.

Damit man sich in etwa ein Bild davon machen kann: Etliche Teile des rund 1400 Kilometer langen Küstenstrichs, der zur DomRep zählt, tauchen immer wieder in schöngeistigen Werbespots auf. Wer auch hier auf individuelles Strand-Gefühl steht, sollte das Risiko auf sich nehmen, die Hotelstrände links liegen zu lassen. Vor allem, weil es kein Risiko ist. Man spaziert den Strand entlang, lässt den Sand als eine Art exotische Fußreflexzonenmassage auf sich wirken und sucht sich ein nettes Platzerl. Meist wartet eine idyllische Strandbar und eine frische Kokosnuss, oft fangfrische Langusten, die jedem All-inclusive-Buffet vorzuziehen sind. Begleitet wird die Languste von einer pikanten Banane, die in der Karibik die Rolle des Erdapfels ersetzt. Alles in allem wird der Leckerbissen samt Getränke pro Person die 15-Euro-Grenze nicht überschreiten, vom unbezahlbaren Erlebnis, das nicht wiederzugeben ist, solange man es nicht selbst erlebt hat.

Zwei Strand-Spezialitäten stechen unter all den wunderbaren Möglichkeiten des Müßiggangs, die die Insel bieten besonders hervor: Auf der Halbinsel Samana im Nordosten etwa, wo mit dem Playa Bonita, oder dem Playa Rincon die Karibik karibischer nicht sein könnte. Nicht umsonst zählt das renommierte Reisemagazin Conde Nast Traveler den Playa Rincon zu den zehn schönsten Stränden weltweit. Im Südosten liegt mit der Isla Saona eines der beliebtesten Touristenziele nur wenige Kilometer von der Küste entfernt vor Anker. Trotz etlicher Besucher: Einen Ausflug ist dieses idyllische Eiland allemal wert. Vor allem, weil die größte karibische Badewanne auf Sie wartet.

Nordwärts

Etwas umständlich ist die Anreise in den Norden der Insel, weil der direkte Weg naturparkbedingt nicht möglich ist. Also führt ein U-Ha-ckerl von La Romana, Boca Chica oder Juan Dolio nach Puerto Plata, Sousua oder Cabarete. Letzteres ist eine der internationalen Hochburgen des Kite- und Windsurfen, was erahnen lässt, womit wir es auf den Golfplätzen dieser Region zu tun haben: Wind!

Insgesamt fünf interessante Golfplätze kuscheln sich hier innerhalb einer Autostunde zusammen, wobei der Playa Grande, das letzte Werk von Robert Trent Jones, hervorragt: Das „Pebble Beach der Karibik“ öffnete 1997 seine Pforten und geizt nicht mit pittoresker Szenerie. Zehn der 18 Loch liegen direkt auf den Klippen. Schon 20 Jahre früher hat der Golfplatz-Architektur-Guru bereits den Playa Dorado GC in Puerto Plata gebaut. Wie auf fast allen Plätzen der Dominikanischen Republik, warten auch hier Caddies auf zahlungskräftiges Klientel. Und sind dabei besonders aufmerksam: Wer das Wort Platzreife noch nicht wirklich gehört hat, aber trotzdem auf die Runde möchte, dem teen die einheimischen Golfbag-Träger auch gerne mal den Ball am Fairway auf.

Neben Trent Jones haben in dieser Gegend auch noch Pete Dye (Las Aromas GC), Arnold Palmer (Ocean Signature Course) und Jim Fazio, Cousin von Tom Fazio, und wie er einer der renommiertesten Golfplatz-Architekten, der den Canyon Signature Course geplant hat, ihre Duftmarken hinterlassen. Der dritte Platz des Atlantica Resorts in Luperon – der Ort liegt von Puerto Plata aus Richtung Haiti und soll der erste Ankerplatz von Christoph Columbus auf der Insel gewesen sein – Colina Canyons ist noch in Bau. Der Marshallplan sieht für die Insel noch weitere Golfplätze vor, allesamt von renommierten Golfplatz-Architekten geplant. So gesehen, ist die Dominikanische Republik gut für die Zukunft gerüstet.

Schlaue Infos auf einen Blick: Golf auf der Dominikanischen Republik


Anreise:
Lauda Air fliegt ab 19. Dezember Punta Cana direkt ex Wien an. Perfekt sind dabei auch die Flugzeiten: Der Abflug ist um 10 Uhr 55, womit Sie einen gemütlichen ersten Sundowner auf der Dominikanischen Republik (Ankunft: 16 Uhr 45) nehmen können. Am Weg zurück „gewinnen“ Sie einen Urlaubstag: Abflug ist um 18 Uhr 15, die Ankunft in Wien am nächsten Tag um 9 Uhr 10.

Die Preise (oneway) starten  bei 549 Euro (Business 999 Euro) und verstehen sich inklusive aller Taxen, Gebühren und Zuschläge. Economy: Do & Co-Menüauswahl, gratis Wein und Bier, Tageszeitungen, die neuesten Kinofilme, Miles & More Prämienmeilen und vieles mehr. Ein bequemer Vorabend Check-in steht selbstverständlich auf allen österreichischen Flughäfen zur Verfügung.

In der Business Class können Sie die neuen, komfortablen Schlaf-Fauteuils genießen und entscheiden, ob sie lieber sitzen, entspannen, schlafen oder die Massagefunktion wählen möchten. Darüber hinaus können Sie sich von einem Koch an Bord verwöhnen lassen, das original Wiener Kaffeehaus-Service genießen und sich mit dem Sky spa Harmonie und Wohlbefinden für Körper und Seele gönnen.

Infos & Buchungen unter www.laudaair.com

Kursbuch Golf

Plätze im Süden & Südosten

Guavaberry Golf & Country Club
Architekt: Gary Player
18 Loch/Par 72, 7156 Yards
Greenfee 99 Dollar E-Cart
inklusive, Caddie 10 Dollar

Las Lagunas Country Club
18 Loch/Par 72, 6800 Yards
Greenfee 50 Dollar, E-Cart 20 Dollar, Caddie 10 Dollar

Los Marlins Golf Course
18 Loch/Par 72, 6396 Yards
Greenfee 55 Dollar, E-Cart 25 Dollar, Caddie 10 Dollar

Dye Fore
Architekt: Pete Dye
18 Loch/Par 72, 7770 Yards
Greenfee 205 Dollar E-Cart inklusive, Caddie 25 Dollar

The Links
Architekt: Pete Dye
18 Loch/Par 72, 6461 Yards
Greenfees: 147 Dollar, E-Cart inklusive, Caddie 25

Teeth of the Dog
Architekt: Pete Dye
18 Loch/Par 72, 6888 Yards
Greenfee 205 Dollar, E-Cart inklusive, Caddie 25 Dollar

Punta Cana Resort & Club’s
La Cana Golf Course
Architekt: P.B. Dye
18 Loch/Par 72, 7152 Yards
Greenfee 100/144 Dollar (Hotelgäste/Besucher), Cart inklusive. Caddie 12 Dollar

Cocotal Golf Club
Architekt: Pepe Gancedo
18 plus 9 Loch, Par 72, 7183 Yards
Greenfee 89 Dollar (Sol Melia-Gäste erhalten Rabatt), E-Cart 35 Dollar

Golf de Bavaro
18 Loch/Par 72, 6.106 Yards
Greenfee  60 Dollar (Resort-Gäste erhalten Rabatt), E-Cart 40 Dollar.

Plätze im Norden

Ocean & Canyon Signature Golf Course
Architekt: Arnold Palmer (Ocean Course),
Jim Fazio (Canyon Course)
Ocean Course: 18 Loch/Par 73, 7440 Yards
Greenfee 90 Dollar, E-Cart 25 Dollar, Caddie 15 Dollar
Canyon Course: in Fertigstellung

Playa Dorado Golf Club
Architekt: Robert Trend Jones
18 Loch/Par 72, 6730 Yards
Greenfee 75 Dollar, Cart 20 Dollar, Caddie 14 Dollar

Playa Grande Golf Course
Architekt: Robert Trend Jones
18 Loch/Par 72, 7046 Yards
Greenfee 90 Dollar, Cart 23 Dollar, Caddie 10 Dollar

Plätze in Bau/Planung, kurz vor der Eröffnung

Corales Golf Course
Architekt: Tom Fazio
18 Loch/Par 72,

Las Iguanas Golf Course
Arichtekt: Jack Nicklaus

Punta Cana Resort & Club’s Second Golf Course

Punta Espada Golf Course
Architekt; Jack Nicklaus

Roco Ki Beach & Golf Resort
Architekt: Nick Faldo
18 Loch, Eröffnung: Winter 2007

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