Heimweh, sozusagen [0]

Bei lieben Freunden macht man von Zeit zu Zeit einen Besuch, um nachzusehen was es Neues gibt. Tunesien im Allgemeinen, Hammamet und Monastir im Speziellen, sind quasi alte Bekannte, die Alex Kramel immer wieder gerne trifft.

aus Golfrevue 6/2007

 

Unser letzter Besuch ist schon einige Zeit her, schließlich herrscht ein schönes Gerangel um die Geldbörsln der Golftouristen, dem sich auch unsereiner nicht entziehen kann – ein wenig Spanien da, ein bisschen Türkei dort. Um Tunesien ist es ein wenig ruhiger geworden. Auch weil neue Projekte immer wieder in der Wüste versandeten und versanden und das Angebot sich über die letzten zehn Jahre de facto nicht verändert hat. Jetzt nimmt man erneut Anlauf: angeblich eröffnen 2008 einige neue Kurse, Infos gibt’s aber nur spärlich.

Grund genug für den Versuch einer Neueroberung der Golfdestination Tunesien. Mit dem Taxi (die sind zum Teil immer noch ein wenig klapprig) fahren wir in die Ferienregion von Hammamet, wo sommers der touristische Strom sich zu einem Delta verbreitert. Jetzt, im Herbst, ist es deutlich angenehmer. Der Taxifahrer sieht das naturgemäß anders, weil die Zahl der Fahrgäste überschaubar sei – leider. Aus den Lautsprechern jault Arabisches, vermutlich frühes Mittelalter, jedenfalls für mitteleuropäische Ohren gewöhnungsbedürftig. Die Kassette eiert wie wild, aber unser Fahrer lauscht den Klängen hingebungsvoll. Hochkonzentriert, bei einer Fahrt wie die sprichwörtliche g’sengte Sau, übertreten wir minütlich vier bis fünf Verkehrsregeln.

Glücklich jene, die einen vernünftigen Veranstalter gebucht und einen bequemen Shuttlebus zu ihrer Herberge haben. Etwa in den Magic Life Club Manar Imperial in Hammamet. Der Club ist zwar auch nicht neu, wurde jedoch in letzter Zeit aufgemotzt und umdekoriert. Auch die Zimmer wurden ein wenig verändert und bieten alles, was das Urlauberherz begehrt. Die angenehmste Überraschung ist das neue kulinarische Management mit ausgezeichneten Spezialitäten-Restaurants. Wem der Club Manar ein wenig zu familienlastig ist, wird sich im Magic Life Africana, ein paar Kilometer weiter, wohler fühlen. Beide Clubs bieten das neue Magic Life Golfkonzept, bei dem (fast) alles auf den weißen Sports abgestimmt ist. Sogar einen eigenen Hotel-Golfcounter mit geschultem Personal gibt es. Weil die Golfer de facto Ganzjahres-Touristen sind, hat man in den Hotels entsprechend reagiert: Der Club Africana sperrt über den Winter gar nicht mehr zu, das Imperial Manar hält für uns länger offen (bis 30.11.07) und macht früher wieder auf (20.2.08).

Die Kurse von Citrus Golf (18-Loch La Foret und 18-Loch Les Olivies) und Yasmin sind layoutmäßig kaum verändert, haben aber hübschere Kleider angezogen und waren bei unserem Besuch bestens in Schuss. Der La Foret, wie der Namen schon sagt, mit viel Wald und ansehnlichen Höhenunterschieden ist noch immer die golfmäßig größte Herausforderung der Hammamet-Region. Die beiden anderen Parcours, sehr malerisch in den Olivenhainen gelegen, spielen sich dagegen komfortabler.

80 Kilometer und eine weitere Ausgabe der Arabian Greatest Hits weiter – mein Taxler ist hartnäckig! –, liegen die Kurse von Port el Kantaoui: „Palm Links“ nahe dem Mittelmeer und die 36-Loch von „Golf El Kantaoui“. Dessen Panorama Course, in den Hügeln hinter der Ferienstadt, belohnt den Aufstieg mit schönem Weitblick über die Küste. Nicht versäumen sollte man einen Ausflug in die Stadt und den Yachthafen von Port el Kantaoui, das Marbella Tunesiens.

Ein wenig weiter südwärts – Britney Spears hat die Arabian Greatest Hits abgelöst – treffen wir bei Monastir auf die 18 Loch des Flamingo Golf. Vom Design her bestimmt die Nummer 1 in Tunesien, der Platzstandard ist im Begriff aufzuholen: Nach dem Einbau einer Bewässerungsanlage wird dann auch die Qualität des Rasens mit dem Layout Schritt halten können. Wiewohl: Die Greens und Abschläge waren absolut in Ordnung und bei 18 wirklich interessanten Löchern vergibt man dem Platz so manches Manko.

Fazit: Tunesien ist eine Destination mit freundlichen Menschen und hat sich trotz allem Tourismus seine arabische Eigenständigkeit erhalten. Man hat den wirtschaftlichen Wert des Tourismus erkannt und dadurch hat sich vieles zum Bessern gewandelt. Für ein langes Wochenende oder Urlaub mit ein wenig Golf ist Tunesien eine wunderbare Destination und eine Alternative zu den Mainstream-Destinationen. Alleine schon der Kosten wegen – im Land der Phönizier wohnt und golft es sich vergleichsweise günstig.

Am Weg zurück zum Flughafen – Britney Spears (l)eiert vor sich hin – überlege ich mir schon, was ich meinem Freund, dem Taxifahrer als Gastgeschenk mitbringen könnte? Vielleicht die Zillertaler Schürzenjäger.

Schlaue Infos auf einen Blick: Golf in Tunesien


Allgemeines:
Generell gilt: Die Plätze sind, bis auf Golf des Oasis, alles alte Bekannte, die sich in der letzten Zeit ein wenig herausgeputzt haben. Im Sommer ist es klarerweise heiß und trocken. Die beste Golfzeit ist der Spätherbst oder der Frühling.

Die Strände sind großteils flach ins Meer verlaufende Sandstrände. Außerhalb der Ferienanlagen bietet Tunesien eine Vielzahl an guten Restaurants. Die Greenfeepreise sind im Gegensatz zu vielen südeuropäischen Destinationen noch moderat und bewegen sich je nach Saison zwischen 40 und 80 Euro.

Kursbuch Golf

Golf Citrus
Hammamet, www.golfcitrus.com
18-Loch „La Foret“, Par 72, 5235 bis 6066 Meter; 18-Loch „Les Oliviers“, Par 72, 5290 bis 6106 Meter

Golf Yasmine
Hammamet, www.golfyasmine.com
18-Loch, Par 72, bis 6062 Meter

Golf de Carthage
Carthage/Tunis, www.golfcarthage.com
18-Loch Par 72, bis 5980 Meter

Golf Flamingo
Monastir, www.golfflamingo.com
18-Loch, Par 72, 4500 bis 6140 Meter

Golf de Port El Kantaoui
Sousse, www.kantaouigolfcourse.com
18-Loch „Sea Course“, Par 72, bis 6253 Meter; 18-Loch „Panorama Course“, Par 72, bis 6045 Meter

Palm Links Golf Course
Monastir, www.golf-palmlinks.com
18-Loch, Par 72, 4541 bis 6076 Meter

Golf Club Djerba
Djerba, www.djerbagolf.com
3 x 9-Loch kombinierbar, 9-Loch „Les Palmiers“, Par 37, bis 3044 Meter
9-Loch „La Mer“, Par 36, bis 3125 Meter; 9-Loch „Les Acacias“, Par 36, bis 2685 Meter

Golf de Tabarka
Tabarka, www.tabarkagolf.com
18-Loch, Par 72, bis 6400 Meter

Golf des Oasis
Tozeur, www.tozeuroasisgolf.com
18-Loch, Par 72, bis 6400 Meter

Wohnen:

Das Hotelangebot ist vielfältig und reicht vom Luxus Hotel mit tollen Schönheitsfarmen bis zum Familienclub. Jeder Reiseanbieter hat zahlreiche Angebote im Programm. Zum Beispiel Magic Life – All Inclusiv mit den Clubs Manar Imperial und Africana Imperial, beide in Hammamet.

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