Ceterum censeo … [0]

… dass wir winters mal ein bisschen auf Geschichtsunterricht machen. Die Golfschläger reisen natürlich mit, ist doch das Klima in Tunesien ideal, uns von Eis und Schnee zu befreien. Zudem hat Christian Wolf neben längst vergessenen Latein-Weisheiten auch einen neuen Trent-Jones-Platz ausgegraben. Just in der Nähe von Karthago. Wie schön, wenn sich eins zum anderen fügt.

Aus Golfrevue 8/2009

 

Hannibal hieß der Bursche, dem ich meine erste Begegnung mit ­Karthago verdanke. Wir durften was von der Überquerung der ­Alpen mit Elefanten lernen, alles über die drei ­Punischen Kriege und einen der ­berühmtesten Sätze des Latein- und Geschichts­unterrichts: „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“ – eine Gerundivkonstruktion für alle Latein-Genießer. Jetzt liegt mir Karthago zu Füßen, sozusagen. Nichts er­innert mehr an die Kriege – kein Wunder, liegen diese doch über zwei Jahrtausende zurück. Daneben blüht Tunis auf, eine Mischung aus uralten, ­engen und labyrinth­artig hängenden Gassen und mondänen Boulevards der französischen ­Jugendstil-Quartiere. Passt eigentlich aufs Aug wie die sprichwörtliche Faust.
Ein karger Salzsee mit wechselnden Wasserständen trennt die neue von der ­alten Hauptstadt, die Cato seinerzeit unbedingt ­zerstört haben wollte. Und genau hier hat die US-amerikanische Golfkultur jetzt das Gegenteil ­bewirkt und traumhafte Aufbauarbeit geleistet! Und von Zerstören ist längst keine Rede, im Gegenteil. Was die Römer einst dem Erdboden gleich­gemacht haben, ist heute das Unterfutter des modernen Tunesiens: Aus Handel wurde allerdings Tourismus.

Wenig Landschaft, starke Eindrücke

Wie eine Oase liegen die satten Fairways des „The Residence GC Tunis“ in der nackten Wüste. Der perfekte Rasen grenzt an den sandigen Boden des Salzsees, der unregelmäßig von Tümpeln, Rinnsalen und ­kargem Gestrüpp durchzogen ist. Das Design-Büro von Robert Trent Jones jun. hat erkenn­bar viel Anstrengung aufgewandt, um den Charakter der flachen Landschaft in die Gestaltung zu übernehmen: Die sanften Erdbewegungen passen sich an die Weite der Umgebung an. Bei mildem Klima und salzgeschwängerter Brise entwickelt sich Golf in ein meditatives Spiel mit den ­Elementen. Das entspannte Layout des ­Kurses hilft dabei enorm. Zwar gibt es unzählige Risk-and-Reward-Situationen, die rassige Schläge generös belohnen, doch zeigt sich der Platz nie bösartig. Die Herausforderungen zeichnen sich auf den ersten Blick ab. Wenn es gilt, aufregende Bunkerlandschaften oder Einbuchtungen der Waste-Lands zu überspielen, gibt es immer auch Um­leitungen mit Landezonen für schwächere oder zurückhaltendere Golfer.

Speziell auf den Back Nine, wo sich die Löcher im Einklang mit der einzigartigen Umgebung präsentieren, entfaltet sich dann die Magie des Ortes endgültig: Direkt am scheinbar endlosen Salzsee gelegen, bleiben die Löcher 12 bis 15 am stärksten in Erinnerung. Die Par-4-Bahnen winden sich im sanften und immer auch ein bisschen ­bedrohlichen Bogen um die ausgedörrte ­Lagune; mit der Millionenstadt am Horizont. Loch 15 ist ein majestätisches Doppel-Dogleg-Par 5, wobei die Tigerline von imposanten Bunkern verwehrt ist. Nach der Eröffnung im Sommer sind Tees, ­Fairways und Bunker in makellosem, „fabriksneuem“ Zustand, die Grüns dagegen naturgemäß noch etwas langsam. Man lässt das empfindliche Gras anwachsen, bevor es auf Hochgeschwindigkeit getrimmt wird.

Neben der nagelneuen Anlage im ­Norden bietet Tunis einen weiteren sehenswerten 18-Loch-Parcours. 1927 gegründet, ist der Golf Club de Carthage der älteste Platz in Nordafrika, und als Antiquität auf jeden Fall einen Besuch wert. Bei Par 66 kommt es zwischen den Orangenhainen weniger auf die Länge als auf präzise Grünschüsse an. Die gesamte Anlage, besonders das Clubhaus, versprüht den dekadenten Charme französischer Kolonialzeiten.

Die Reise geht weiter

Wem die beiden Anlagen um Tunis zu wenig sind, der ­bewegt sich südlich, ins 65 Kilometer entfernte Strandbad Hammamet. Das Touristen­zentrum am Meer ist zwar in den Win­ter-
­­monaten wie ausgestorben, dafür verlagert sich der Trubel auf die Golfplätze von Golf ­Citrus (2 x 18 Loch) und Golf Yasmin. In den ­Hügeln hinter der Hotelzone sind die drei Plätze gefühlvoll in die Landschaft ­drapiert. Umgeben von Pinien und Olivenbäumen ist der Le-Foret-Kurs des Citrus-Clubs der anspruchsvollste. Bei vielen ­Doglegs und erbarmungslos engen Landezonen müssen die Abschläge sitzen. Der Platz bietet eine abwechslungsreiche Mischung aus golferischen Herausforderungen, und erhabene Ausblicke machen liegen gelassene Punkte schnell vergessen. Außerdem geht’s ja um die kuscheligen Temperaturen – zuhause verabschiedet sich das Thermometer endgültig Richtung Nullpunkt – und darum, die persönlichen Ausgrabungsstätten (wunderbar geeignet: das Wedge) den nachfolgenden Entdeckern ordnungsgemäß zu ­hinterlassen. 

SChlaue Infos auf einen Blick: Golf in Tunesien

Beste Golf-Reisezeit: Februar und März. Temperaturen im Winter zwischen 10 und 20 Grad. Im Dezember und Jänner höhere ­Regenwahrscheinlichkeit.

Flüge: Tunisair fliegt zweimal wöchentlich (Donnerstag und Sonntag) direkt nach Tunis (328 Euro, nur im Wiener Stadtbüro zu buchen). Tägliche Verbindungen laufen über Paris (AirFrance) und sind ab 500 Euro zu haben.

Hotelempfehlung:
„The Residence Tunis“, Gründerhotel des Golfplatzes.
5 Sterne, seit 1996 in Betrieb und entsprechend ­eingespielt. Erstklassige Architektur, Strand, ­Wellnesseinrichtungen und sagenhafte Küche. Doppelzimmer im Winter ab 275 Euro (2 Personen)

Transport:
Die Taxis sind in Tunesien sicher und sehr billig; mit Hotelshuttles dauern die Transfers länger.

Kursbuch Golf
The Residence GC Tunis
18 Loch, Par 72, 6.451 Meter (Champ), GF: 95 Euro,

Golf Federal de Carthage
18 Loch, Par 66, 4.432 Meter (Champ), GF: 40 Euro,

Citrus Golf Course – Hammamet
2 x 18 Loch, Par 72 (La Foret, 6.175 Meter, Les Oliviers, 6.178 Meter) Tages-GF: 65 Euro. Teetime reservieren!

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