Rhinos auf der Puttlinie [0]

„Wilde Tiere haben eine angeborene Furcht vor Menschen und vermeiden grundsätzlich die Konfrontation. Kommt es dennoch zu einer Begegnung, versuchen Sie, wie folgt zu reagieren: …“ Staunend lesen wir das Haftungsformular im Skukuza Golf Club im Kruger Nationalpark – und das sollte erst der Anfang sein.

aus Golfrevue 6/2006

 

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Der Skukuza GC liegt mitten im Kruger Nationalpark, in Südafrika. Aber während sonst das Auto oder ein gesichertes Restcamp beruhigenden Schutz vor ansässigem, wildem Getier bietet, bewegt man sich auf dem 9-Loch-Kurs praktisch mitten im Busch: Das Gelände des Golfclubs ist nicht umzäunt! Also lese ich das folgende Formular ganz genau durch, unterzeichne, und gehe erst dann mit meiner Freundin auf die Pirsch, pardon: die Runde.

Betrachten Sie alle Tiere als potentiell gefährlich! Bei Begegnungen mit Löwen, Elefanten, Leoparden, Nashörnern und Büffeln gilt vor allem: Nicht davon laufen! Um sich vor Nilpferden und Krokodilen zu schützen, bleiben Sie dem Wasser fern und versuchen Sie nicht, Bälle aus dem Wasser zu holen.“

Dermaßen umfassend auf das Überleben einer Golfrunde vorbereitet, ziehen wir los. Angesichts der wilden Natürlichkeit des Platzes rücken mögliche Gefahren schon nach wenigen Schlägen in den Hintergrund. Lediglich in Waldnähe verzichten wir bereits beim leisesten Knacken auf die ausgiebige Pre-Shot-Routine. Wie viele und welche Tiere unser komisches Treiben beobachtet haben, wollen wir lieber nicht wissen. Uns genügt die Fernbegegnung mit einer vergnügten Wildschwein-Rotte am vierten Loch und ein letzter Kick am neunten Grün: Während uns die Mitglieder von der Terrasse aus zuschauen, blicken direkt hinter uns, nur wenige Meter entfernt, fünf Augen- und Ohrenpaare aus dem Wasser.

Obwohl die Nilpferde (die in Afrika mehr Todesfälle an Menschen verursachen als jedes andere Großtier) regeltechnisch gesehen in der Verlängerung unserer Puttlinie weilten, verzichten wir generös, die Viecher auf deren Etiketteverstoß aufmerksam zu machen, lochen ein und verlassen das Grün so schnell wie nie zuvor.

Das erklärte Ziel unserer Südafrika-Reise lautete (trotz aller Formulare): Löwen sehen! Aber halt nicht auf dem Golfplatz: Von zu Hause aus haben wir über das Internet eine exklusive Ganztages-Safari gebucht. Zwei geschulte, mit Adleraugen gesegnete Guides führten uns nicht nur an Insider-Hot Spots, wo wir neben Giraffen, Krokodilen, Zebras et cetera auch drei der „Big Five“ hautnah (vom sicheren Jeep) zu sehen bekamen: Elefanten, Nashörner und Büffel. Lediglich Leoparden und Löwen wollten sich partout nicht blicken lassen. Dafür überraschten uns die Guides mit einem weiß gedeckten Frühstückstisch mitten unter Lianen, inklusive Spiegelei, Kakao und Müsli. „Jenseits von Afrika“-Flair pur: Dekadent, aber unvergesslich!

Als der ereignisreiche Tag langsam zu Ende ging und die Guides bereits das Restcamp ansteuerten, war mein Reisetagebuch seitenweise mit Tiernamen voll, lediglich ein „Löwe“ wollte darin nicht aufscheinen. Da plötzlich: Direkt vor uns, gleich neben der Straße, lungerte ein Rudel von sechs Löwen. Weniger als fünf Meter trennten uns von den Katzen, die uns gelassen und aufmerksam zugleich beobachteten. Eine Begegnung der besonderen Art – es sollte nicht die letzte bleiben.

Kruger Nationalpark

Direkt am südlichen Eingang des Kruger Nationalparks (Malelane Gate) liegt der Leopard Creek Golf Club, einer der exklusivsten und schönsten Plätze in Südafrika. Hier spielen nur Mitglieder oder Gäste des angeschlossenen Hotels. Wir wechselten nach einigen Nächten, die wir in einem Restcamp direkt im Kruger Nationalpark verbringen, in eine wenige Minuten vom Leopard Creek GC entfernte Lodge, die nur durch einen Fluss vom Nationalpark getrennt ist. Das Ambiente ist ein Traum, unter unserer Terrasse trampelten Nilpferde und selbst Löwen kommen in der Dürreperiode über den Fluss an das Ufer.

 Aber auch die Gäste hier sind große Tiere: Im Gästebuch fanden wir eine Eintragung von Norwegens Kronprinz Hakon und Mette Marit, die während ihrer Hochzeitsreise hier residierten! Sugar, die mondäne Hausherrin der River Lodge, ist zufällig eine gute Freundin von Derek Murdoch, dem Manager in Leopard Creek. Und bereits am nächsten Tag hatten wir dort eine Teetime – und eine unvergessliche Runde! Leoparden bekamen wir (Gottseidank!) nur in Form von 18 Bronzestatuen bei den Tees zu sehen. Zu spüren bekamen wir das Flair des exklusivsten Platzes von Südafrika (wir waren der einzige Flight am Vormittag), auf dem auch etliche wilde Tiere aus dem anschließenden Kruger Nationalpark regelmäßig ihre Runde drehen, auch (echte!) Leoparden!

Auf in den Busch – aber zu Fuß!“ lautet unser Programm für den nächsten Tag: Direkt vom Restcamp geht es um fünf Uhr früh mit zwei bewaffneten Rangern hinein in die Wildnis. Die Tour führt keinen abgetrampelten Pfad entlang und hat keine fixen Programmpunkte. Je nachdem, wie (und ob überhaupt) uns Wildtiere in die Quere kommen, müssen wir in der kleinen Gruppe ausweichen. Das hängt vor allem vom Wind und der Gefährlichkeit der Situation ab.

 

 

 

Als sich ein Nashorn, an welches wir uns anpirschen, plötzlich als Muttertier mit Nachwuchs entpuppt und gefährlich in unsere Richtung trottet, heißt es „Rückzug“ und einer der Ranger legt erstmals sein großkalibriges Gewehr an, während wir das Weite suchen. Neben Zebras, Gnus und anderem Getier kreuzen wir die Routen von einigen mächtigen Elefanten. Beim Versuch, einem gefährlich scheinenden Bullen (die Ranger deuten seine wa-ckelnden Ohren und den erhobenen Rüssel als Warnsignal) zu entkommen, schleichen wir uns durch hohes Gras über einen Bach, als es plötzlich unmittelbar neben uns so laut pfaucht, als lande ein Jet direkt über uns:

„LION! Don’t move!“

Wir erstarren. Die Ranger erteilen mit angeschlagenem Gewehr flüsternd aufgeregte Anweisungen: „Egal, was passiert – nicht rennen! Wenn ein Löwe raus springt – nicht rennen! Die Löwen haben genau so viel Angst vor uns wie wir vor ihnen. Auch wenn er drei Meter vor uns steht – nicht rennen! “ Bange Minuten vergehen. Wir hören die Katze pfauchen, sehen sie aber nicht. Die Ranger versuchen – stets schussbereit – sie ausfindig zu machen und zu vertreiben. Denn Rückzug käme einer Flucht gleich, belehren sie uns. Plötzlich zeigt sich das Tier: Eine Löwin, geschmeidig und würdevoll zieht sie sich zurück, hinter ihr drei tollpatschige Junglöwen. Ein Anblick zum Herzzerreißen, wenn er nicht so gefährlich wäre. Mit zitternden Händen schaue ich der Löwin (durchs Teleobjektiv meines Fotoapparates) in die Augen. Dann vertschüssen auch wir uns. Zurück bleiben Erinnerungen, denen kein Birdie in Leopard Creek, kein Eagle in Skukuza und kein Albatros im Kruger Nationalpark das Wasser austrinken, äh: reichen könnten.

Schlaue Infos auf einen Blick: Golf & Safari in Südafrika


DIE ROUTE:
Johannesburg – Kruger Nationalpark – Malelane – Umfolozi Game Reserve – Zimbali Golf Resort – Durban.

SAFARI: Kruger-Nationalpark: Provinz Mpumalanga und Limpopo; circa 20.000 Quadratkilometer groß und einer der größten Nationalparks in Afrika, Restcamps mitten im Busch. Umfolozi/Hluhluwe Game Reserve: drei Stunden von Durban, circa 1.100 Quadratkilometer, hügelige Savannenlandschaft, kleiner aber abwechslungsreicher, Restcamp.

RESIDIEREN: Buhala Game Lodge: 5-Stern-Lodge im Country-Style nahe Malelane direkt am Crocodile-River, der natürlichen Grenze zum Kruger Nationalpark.

Zimbali Country Club: Luxus-Resort samt Golfplatz der Extraklasse (rangiert unter den Top-20 in Südafrika) nahe Durban.

Kursbuch Golf

Skukuza Golf Club: Kruger National Park, 9 Loch/Par 72, 5028 bis 5936 Meter (Rot/Gelb). Greenfee: 90 ZAR (circa zehn Euro).
Tel.: +27/13735/55 43

Leopard Creek Golf Club: Malelane Gate. 18 Loch/Par 72, 5027 bis 6692 Meter (Rot/Championship). Greenfee: 1.300 ZAR (für Hotelgäste im Malelane Sun, circa 143 Euro, inkl. Cart und Halfway). Tel.: +27/13791/2401-6

Zimbali Country Club:
Ballito, 18 Loch/Par 72, 4891 bis 6524 Meter (Rot/Championship), Greenfee: 425 ZAR (circa 47 Euro inkl. Cart). Tel.: +27/32538/1041

REISEZEIT: Für Tierbeobachtungen ist die trockene Winterzeit (Juni bis September) am besten geeignet. Die Zeit von Oktober bis Februar ist etwas „grüner“ und bietet daher zum Golfen sehr gute Bedingungen, auch wenn man bei Safaris die wilden Tiere wegen der Vegetation nicht mehr so gut ausmachen kann.

 

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