Cape of good holes [0]

Schon der Landeanflug auf Kapstadt ist ein Glücksfall: Der Flieger zieht direkt seitlich des Tafelberges in die Stadt hinein. Wohl dem, der einen Fensterplatz ergattert hat.

Am anderen Ende der Welt 1652 errichtete der Weltumsegler Jan van Riebeeck im Auftrag der Niederländischen Ostindien-Kompanie für die Handelsgesellschaft in einer Bucht an der Südwestspitze Afrikas einen Stützpunkt. Der kleine Handelsposten von damals ist zu einer wunderschönen Metropole und Golfdestination geworden. Ihr Name: Kapstadt.

Text: Hans Stoll, aus der Golfrevue Nr. 7/2012

Das Klima in der Kapregion ist auch für uns Mitteleuropäer im südafrikanischen Sommer gut erträglich, die Durchschnittstemperatur im Februar beträgt etwa 26 °C. Und man spürt doch ständig eine leichte, frische Brise vom Atlantik. Diese leichte Brise kann allerdings zur falschen Zeit am falschen (Golf-)Platz gewaltige Probleme bereiten. Doch dazu später. Jene Golfer, die neben dem schönen Spiel Wert auf die Kulinarik und die beeindruckende Landschaft legen, finden gerade in und um Kapstadt wahrlich paradiesische Zustände vor.

Wine & Dine lautet das Motto in Südafrikas Küstenmetropole, und diesem Wahlspruch kann man in allen Facetten folgen. Unterkünfte sind in allen Kategorien vorhanden: vom einfachen, aber ausgesprochen gepflegten Bed & Breakfast in einer der Vorstädte bis zum 5-Sterne-Superior-Haus. Die „Mothercity“ bietet jedem Geldbeutel das passende Bett. Nicht nur wegen des milden Klimas, sondern auch wegen der oben erwähnten Annehmlichkeiten zieht sie viele „Schwalben“ an. So nennen die Einheimischen die Touristen aus der nördlichen Hemisphäre, die vor den winterlichen Temperaturen ihrer Heimat in die Wärme der Kapstadt-Region flüchten.

Hier nimmt Afrika eine Wendung: Am Kap der Guten Hoffnung richtet sich der Kontinent gen Indischen Ozean – und das zauberhafte Kapstadt bricht auf in Richtung Zukunft.

Hier nimmt Afrika eine Wendung: Am Kap der Guten Hoffnung richtet sich der Kontinent gen Indischen Ozean – und das zauberhafte Kapstadt bricht auf in Richtung Zukunft.

Zum golferischen Einstimmen bietet sich der Golfplatz von Milnerton perfekt an. Der fünf Kilometer von der Innenstadt entfernte Vorort ist so etwas wie die gute Stube von Kapstadt. Er liegt direkt am Atlantik, ist aus der Stadt ­bequem zu erreichen und bietet traumhafte Aussichten ebenso wie einen Par-72-Linkskurs. So manchem Österreicher wird der Platz gründliche Schwierigkeiten bereiten, finden sich Sand und Meer doch eher selten in der heimischen Alpenrepublik. Wer hier das Fairway mit einem unpräzisen Schlag verlässt, kann sich zum Strandspaziergang aufmachen. Die sandige Küste wird für so manchen verlorenen Ball zur ­neuen Heimstatt.

Allerdings ist der Start Richtung Nordwesten auf diesem Platz sehr angenehm, hat man doch beinahe immer ­Rückenwind – entsprechend lang können die Schläge werden. Auf den Back 9 geht es somit gegen den Wind, der am späten Nachmittag manche Bälle gewaltig verweht und nicht nur das Score der Spieler ordentlich zerzaust. Trotz allem: Allein direkt an der Tafelbucht am Meer spielen zu können und die Stadt mit ihrem mächtigen Herrscher, dem Tafelberg, ­dabei vor Augen zu haben sorgt für eine tolle Atmosphäre.

Sagenhafte Anblicke Den Tafelberg vor Augen, die Antilopen als seelenruhige Begleiter – insbesondere im südafrikanischen Frühjahr und Sommer, wenn bei uns Herbst und Winter Einzug halten, ist Golf in Kapstadt ein Genuss. Zahllose Plätze von internationalem Format verlangen Golfreisenden alles ab.

Sagenhafte Anblicke Den Tafelberg vor Augen, die Antilopen als seelenruhige Begleiter – insbesondere im südafrikanischen Frühjahr und Sommer, wenn bei uns Herbst und Winter Einzug halten, ist Golf in Kapstadt ein Genuss. Zahllose Plätze von internationalem Format verlangen Golfreisenden alles ab.

Wein und Gesang
Hat man den Golfplatz von Milnerton bezwungen (oder umgekehrt), dann gibt es unweit davon in Blaubergstrand ein Restaurant, das bis jetzt ein Geheimtipp der Einheimischen war: „On the Rocks“ heißt die Lokalität. Und der Name trifft’s! Man sitzt mit Drink direkt am Meer, vor einer prächtigen Sunset-Kulisse, die nur mehr kitschig zu nennen ist. Das Angebot an frischem Meeres­getier ist vielfältig und reicht von Austern bis zum wunderbar zu­bereiteten Kingklipp.

„The Big Easy“: Wo Ernie Els ein eigenes Weingut besitzt und in seinem Edelrestaurant die Gäste mit feinsten Speisen verwöhnt werden, dort muss auch der Golfsport ein prächtiges ­Zuhause haben.

„The Big Easy“: Wo Ernie Els ein eigenes Weingut besitzt und in seinem Edelrestaurant die Gäste mit feinsten Speisen verwöhnt werden, dort muss auch der Golfsport ein prächtiges ­Zuhause haben.

Unumgänglich bei einem Besuch in Kapstadt ist ein Ausflug in die Winelands. Städte wie ­Stellenbosch, Franschhoek und Paarl drängen sich nahezu auf. Nimmt man sich etwas mehr Zeit und vor allem professionelle Begleitung, so empfiehlt es sich, an der Südseite der Kap-Halbinsel Richtung Bettys Bay und bis Hermanus zu fahren – zur passenden Jahreszeit kann man hier vor der Küste auch Wale beobachten. Wenige Kilometer vor Hermanus beginnt dann das wirklich attraktive Weinbaugebiet „Hemel en Aarde“, was übersetzt „Himmel und Erde“ bedeutet. Weingüter von Weltruf haben hier ihren Sitz: Hamilton Russell, bei uns in Europa immer schon bekannt für finessereichen Pinot noir und kräftigen Chardon­nay. Bei Bouchard & Finlayson sind die Weine derselben Rebsorten um nichts schwächer. Sie können hier im wahrsten Sinne des Wortes die Seele baumeln lassen: wunderbare Landschaft, gestylte Winery mit Strohdach und in ­Peter Finlayson ein sehr sympathischer Gastgeber, der gerne seine Weine mit den Besuchern im Keller verkostet.

Etwa zehn Kilometer weiter gibt es zudem eine recht neue Winery mit kulinarisch hervorragendem Angebot in Form von Tapas-Variationen, die das umfangreiche Weinportfolio exzellent ergänzen. In aller Ruhe probiert man sich hier durch eine Vielzahl edler Tropfen, von Sau­vignon blanc über Viognier bis zu Chardonnay. Von Pinot über Merlot bis zu Cabernet, ehe das ­Finale mit Syrah und einer Cuvée besiegelt wird. Und zu ­jedem Wein gibt es die kleine Speise­begleitung als harmonisches Doppel: Aubergine und ­Ziegenkäse-Cannelloni, Avocado mit Black Tiger Prawn, gegrillter Lachs mit Tomaten und Fenchel, Springbockfilet mit Cherrygelee, schließlich Ente süß-sauer und vorzüg­liches Beef.

Cape Fear – Kap der Angst
Nach so vielen kulinarischen Genüssen sind dann am nächsten Tag natürlich wieder sportliche Herausforderungen angesagt: Atlantic Beach Golf & Leisure Club, 25 Kilometer nordwestlich der Mothercity. Für diesen reizvollen Golfplatz gibt es gleich einen freundlichen Tipp vom Manager: „You have to play it like a links course!“ Warum, wird uns gleich klar: ­Unmittelbar neben den Fairways türmt sich meterhohes Gebüsch, so weit das Auge reicht. Betreten verboten! Eine Buschtour wäre auch ungesund, denn so manche Cape Cobra wohnt dort. Begleitet von wenig scheuen Antilopen, ma­chen wir uns über die 18 Löcher her. Fairwayhölzer, Rescues und wie die Dinger alle noch heißen mögen, lässt man am besten gleich im Bag. Gerade Eisenschläge sind angesagt. Dann wird man automa­tisch mit einem guten Score belohnt, vorausgesetzt, man legt den Respekt vor den Bahnen schnell genug ab! Allein deren Namen ­lesen sich furchterregend: Wrong Way, Lion’s Head, Double Trouble, Rodeo Joe und last, but not least: Devil’s Whirlpool. Alles in allem ein empfehlenswerter Platz.

Kapstadt4

In der zerklüfteten Landschaft rund um Kapstadt warten aussichtsreiche Ausflugsdestinationen.

Experten ahnen es: Diesem Genuss sollte ein gutes Essen folgen. Für die Top-Kulinariker empfiehlt sich das vom deutschen Starkoch Harald Bresselschmidt geführte Sterne-Lokal „Aubergine“. Reservieren ist allerdings wie in der ­gesamten Gegend ein „Must“. Niemand würde hier auf die Idee kommen, einfach mal in ein Top-Restaurant zu gehen, ohne einige Tage vorher reserviert zu haben.

Entspannter lässt sich ein Besuch im Weinbauzentrum Stellenbosch planen. Vor Ort haben sich neben den etablierten Namen wie Kanonkop, Meerlust und Co neue Weingüter der Extraklasse etabliert: Uva Mira produziert einen Flagship Chardonnay, der sich locker mit den großen Burgunder­lagen wie Mersault und ­Montrachet messen kann. Boekenhootskloef als „South African Winery of the Year 2011“ ist ebenso einen Besuch wert. Für Golfer eine Art Pflichtbesuch stellt das Weingut von Ernie Els dar: Der Chef war zwar bei unserer Stippvisite nicht anwesend, wir wurden beim Tasting dennoch ausgesprochen kom­­petent begleitet. Und wenn Sie schon in Stellenbosch sind, dann empfiehlt sich das Restaurant von Ernie jederzeit zum Lunch oder Dinner: „The Big Easy“ wird es genannt, nach Els’ Spitznamen. Kaum ein Spieler auf der ­Pro-Tour schwingt eleganter als der großgewachsene Südafrikaner und wirkt dabei in seinem Spiel so ruhig. Eleganz, Ruhe – Eigenschaften, die sich auch auf dem Weingut und im Restaurant des Open-Champions 2012 wiederfinden.

Finale an der Waterfront
Unweit von Stellenbosch fährt man direkt Richtung Paarl und kommt an zwei sehr attraktiven Golfplätzen vorbei: Wir spielten im Golfclub Boschenmeer und waren überrascht: Hier hatten sich die Linksgeschichten vollkommen erledigt. Der Platz ist wunderschön angelegt, mit altem Baumbestand, gesäumten Fairways, gut platzierten Bunkern und wohldosiert eingebauten Wasserhindernissen. Und dennoch spielt man hier eine entspannende Runde. In Kombina­tion mit den weitläufigen, hügeligen Greens bieten diese Voraussetzungen sowohl Anfängern als auch fortgeschrittenen Golfspielern eine unterhaltsame Herausforderung. Dass der Platz trotz seines „Alters“ von knapp 60 Jahren noch immer modern wirkt, hat mit dem Re-Design von David Frost zu tun. Der Top-Golfer ist übrigens ein ebensolcher Winzer.

Der zweite, Pearl Valley, ist ­jüngeren Ursprungs und wurde vor wenigen Jahren von Jack Nicklaus in die Gegend einge­arbeitet. Zurück nach Kapstadt, wo wir trotzdem dem Wein treu bleiben: In Constantia, dem Grinzing der Mothercity, liegt der absolute Edel-Platz Steenberg. Nicht billig zwar, sein Geld aber absolut wert. Die Greenfees liegen je nach Umwechslungskurs bei ca. 90 Euro, dafür bekommt man aber einen Platz unter die Schläger, der das Prädikat „best ever“ verdient. Fairways wie feinster Teppich­boden, das gesamte Rundherum wie eine königliche Parkanlage. Spielbahn 1 zum „Aufwärmen“ ein sattes Par 4 mit Dogleg rechts: Zur Vorsicht sei gleich gemahnt! Überspielen Sie ja nicht das Green, denn dahinter geht es satte fünf Meter bergab. Bahn 16 hingegen, ein gemütliches Par 4 mit 350 Meter Länge, gewährt einen wunderbaren Ausblick auf die Rückseite des Tafelberges, ehe es dann auf der 18 mit einem langgestreckten Par 5 zum Finale ein Inselgrün zum Anspielen gibt!

Was angenehm auffällt: Auf allen Plätzen ist es üblich, auch auf „Social Rounds“ eine Half Way einzulegen, sich zu erfrischen und den einen oder anderen Snack zu sich zu nehmen. Auch wenn es schwerfällt, jeder Urlaub neigt sich irgendwann dem Ende zu. Den Abschieds­abend begehen Sie am besten an der Waterfront: pulsierendes Leben, jede Menge stylishe Restaurants in allen Facetten. ­Zugegeben, hier spielt der große Tourismus eine Hauptrolle. Lassen Sie aber trotzdem diese einmalige, maritime Atmosphäre auf sich einwirken. Ein ganz spezieller Restauranttipp: das „Karibu“! Hier gibt es afrikanische Spezialitäten in ­allen Varianten. Carpaccio vom Krokodil, Strauß und Kudu als Vorspeise, saftige Steaks von der Antilope und die dazu passenden Weine aus der Gegend. Und als Extra zu später Stunde noch die eine oder andere Runde aufs Haus. Fazit: Die Anreise ist lang, aber sie lohnt sich. Kaum sonst wo auf dieser Welt hat man auf so engem Raum alles in einer Hand.

REISE-INFORMATIONEN:
Das Klima in Südafrika ist gemäßigt, doch insbesondere die Monate Oktober bis März bieten sich als Reisezeit an – dann herrscht Sommer in Kapstadt.
Condor (www.condor.com) und Emirates (www.emirates.com) bringen Sie mehrmals wöchentlich in die mit 3,5 Millionen Einwohnern drittgrößte Metropole des Landes. Rund um die Waterfront pulsiert das moderne Kapstadt, etwa 40 Golfplätze mit den unterschiedlichsten Schwierig­keitsgraden warten rund um den Tafel­berg auf Sie.

Unsere Toptipps für die Region:
1. Pearl Valley Golf, www.pearlvalley.co.za
2. Steenberg Golf Club, www.steenberggolfclub.co.za
3. Atlantic Beach Links, www.atlanticbeachgolfclub.co.za

In den umliegenden Städten Stellenbosch und Paarl spielt zudem der Weinbau eine große Rolle – Verkostung und kulinarische Extravaganzen inklusive. Empfehlungen:
1. Kleine Zalze Winery, www.kleinezalze.co.za
2. Bouchard Finlayson Winery, www.bouchardfinlayson.co.za
3. Ernie Els Wine & Restaurant, www.ernieelswines.com

 

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