Mauritius unplugged [0]

Was Mauritius so besonders macht, ist die schiere ­Anzahl stets freundlicher und hilfreicher Geister in den schlicht sensationellen Hotels, die allesamt an noch ­sensationelleren Stränden liegen. Und Golf ist stark im Aufwind.

Aus Golfrevue 1/2006

Mit bedächtiger Sorgfalt breitet Rakesh das Pitabrot-Sandwich mit Hühnerfleisch, das kleine Glas mit Tomatenketchup und ein Cola mit Eiswürfeln vor uns aus, als verköstigten wir ein 3-Hauben-Menü. Am Belle Mare-Strand, wo jeder Schritt über den knirschenden Sand wie eine Fußreflexzonenmassage wohlig unser Gemüt massiert, erzählt uns Rakesh, der 28 Jahre alt ist aber wie 18 aussieht, von seiner drei Monate alten Tochter Shila. Vor einem Jahr erst hat er geheiratet. Seine Frau, gerade mal 16 Jahre alt, wurde ihm von der Familie zugewiesen. Das Paar hat sich kurz vor der Hochzeit zum ersten Mal gesehen, die Feierlichkeiten dauerten eine ganze Woche. Rakesh ist quasi ein Teil dessen, was Mauritius fast einzigartig macht. Die anderen Teile sind Traumstrände, famose Hotels und natürlich Golfplätze. Als Schmelztiegel verschiedenster Kulturen, vorwiegend indischen, pakistanischen und tamilischen Ursprungs, treffen hier Hindus und Muslime aber auch Christen und Buddhisten zusammen – und alle genießen vollkommene ­Religionsfreiheit. Nicht nur kulturell und sprachlich, auch kulinarisch begibt man sich auf eine Weltreise, mit kreolischen, ­indischen, französischen oder englischen Einschlägen. Safran, Ingwer, Kardamom und Koriander verleihen den Gerichten ­ihren besonderen Geschmack, feine Tropfen, überwiegend aus Südafrika, runden die Gaumenfreuden önologisch perfekt ab.

Golfparadies in Grün-Türkies

Wenn man vom Golf­urlaub auf Mauritius spricht, sind es meist die klingenden Namen der Fünf- und Sechs-Sterne-Resorts mit Topkursen als schmückendes Beiwerk. Etwa The Heritage Golf & Spa Resort, die erste Golf-Station unserer Entdeckungsreise. Vom Flughafen in Plaisance (sic!) tuckert man schlanke 35 Kilometer in den Süden der Insel zum, im eleganten Kolonialstil gehaltenen, Hotel. Direkt am feinsandigen Strand sind geschmackvolle 160 Gästezimmer und Suiten aufgefädelt, ein großzügig angelegtes Spa und das exquisite Strandrestaurant „Infinity Blue“ sind allein optisch viel versprechend. Einen Katzensprung entfernt liegt das Golf du Chateau, ein vom Südafrikaner Peter Matcovich anspruchsvoll designter Championship Kurs (18 Loch, Par 72). Eingerahmt von ­Zuckerrohrfeldern, die unsere Bälle zum Fressen gern haben, und von zwei Flüssen durchzogen, fordert der Platz jene Spieler zum taktischen Mitdenken heraus, die sich vom zugegeben tollen Ausblick auf Meer und Berge nicht blenden lassen wollen. Ein weiteres Resort-Juwel in unmittelbarer Nähe ist das Telfair Golf & Spa Resort, ebenfalls mit kolonialem Ambiente. Das Verwöhn­programm umfasst 24-Stunden-Butlerservice, fünf verschiedene Restaurants und Entspannung im asiatischen Six Senses Spa.


VON DER SÜD- ZUR OSTKÜSTE führt der Weg zum Luxusresort Four Seasons in Beau Champ und der Ernie Els-Spielwiese Four Seasons Golf Club Mauritius at Anahita, wo man sich auf der Driving-Range der Akademie mit Callaway-Markenbällen aufwärmt. Für 175 Euro Greenfee (18 Loch) erhalten wir neben zahlreichen Bunker- und Wasserhindernissen noch quer über das Fairway laufende Steinmauern, die einerseits als ­Vogeltränke dienen, andererseits unseren Spielfluss hemmen. Signatureholes sind das relativ einfach zu spielende Par 5 Loch 4 und auf den Back Nine Loch 17, ein Par 3 mit 133 Metern, beide direkt am Indischen Ozean gelegen. Ebenfalls an der Ostküste finden wir das Sechs-Sterne-Hotel Le Touessrok, mit Deluxe Zimmern (54 Quadratmeter) und Junior Suiten (65 Quadratmeter),  24-Stunden-Butlerservice und allem anderen erdenklichen Luxus. Das Restaurant 398 bietet spektakuläre Erlebnisgastronomie – auf drei Etagen mit sensationellen Kreationen aus neun Ländern in acht verschiedenen Küchen, daher der Name. Bei Zimmerpreisen von 242 Euro pro Person (im Doppelzimmer mit Frühstück) aufwärts kassiert das Hotel bei Benützung der ­Nespresso Maschine am Zimmer weitere 1,50 Euro pro konsumierten Kaffee – allerdings ohne Hinweis darauf, was uns bei der Abrechnung schon etwas erstaunte.

 

Eine weitere Besonderheit sind die zwei Bade- und Wassersportinseln Ilot Mangénie und Ile aux Cerfs. Auf letzterer hat sich Bernhard Langer golfdesignmäßig verewigt. Zum Platz, den Hotelgäste greenfeefrei spielen, kommt man nur per Boot. Das allerdings fährt alle zehn Minuten. Der 2003 ­errichtete Par 72 Kurs zählt mit 6.478 ­Metern zu den längsten Golfkursen auf Mauritius und Herr Langer hat noch ein paar Hindernisse wie Palmen, Büsche, ­Mangroven, Sand und Wasser eingebaut – Golf soll ja nicht zu einfach werden. Dazu kommen erhöhte Grüns und der Wind, der den Platz für unsereiner praktisch unspielbar macht. Die schwierigsten Löcher sind zweifellos Loch 1 (Lava Rock), Loch 6 (Beach, ein 573 Meter langes Par 5) und Loch 18 mit dem mehr als passenden ­Namen „Carry me Home“. Mein indischer Freund Chitaranjan (Handicap 10) klagte über ein Dutzend verlorener Bälle auf den 18 Löchern, bei mir waren es noch mehr! Fragen nach dem Score erübrigen sich. ­General Manager Golf David Marsh offerierte uns aber ausreichend Drinks, um ­unseren Frust zu ertränken.

Nur 20 Kilometer vom Le Touessrok entfernt, präsentieren sich im Doppelpack mit dem 5-Sterne-Domizil Belle Mare Plage und dem noch luxuriöseren Le Prince Maurice zwei Top Häuser der Constance Hotel-Gruppe. Das Belle Mare Plage, 2005 von der IAGTO als Golfresort des Jahres ausgezeichnet, bietet 235 vor kurzem neu adaptierte Gästezimmer, 20 Poolvillen mit Butlerservice sowie eine Präsidentensuite. Gäste genießen in nicht weniger als sieben Restaurants Köstlichkeiten für jeden Geschmack. Ein Spa mit Shiseido Pavillon rundet das Angebot ab. Passend dazu präsentiert sich der Bilderbuchstrand vor unserem Fenster, geschützt von einem Riff und damit ideal für Wassersportler und Taucher. Nur wenige Minuten entfernt liegt der zweite Hoteldiamant der Constance Hotels, Le Prince Maurice, direkt an einer Lagune. Mit nur 76 Junior-, 12 Seniorsuiten und einer märchenhaften Princely Suite ist dieses ­Hideaway eine Oase der Ruhe. Drei erstklassige Restaurants, darunter das schwimmende Le Barachois servieren internationale Spezialitäten.

Den Gästen beider Hotels stehen die 18-Loch Championkurse The Legend und The Links greenfeefrei zur Verfügung. Beide Plätze sind seit Jahren die Spielwiesen der Mauritius Open, einem ganz besonderen Turnier. Spieler/innen der europäischen Touren sowie der Südafrikanischen Sunshine Tour geben sich bei dem liebevoll auch Holiday Open genannten Event Jahr für Jahr – im Gefolge ihrer Familie – ein Stelldichein. Wundern Sie sich also nicht, wenn Barry Lane oder Costantino Rocca ­neben Ihnen am Strand liegen. The Legend (Par 72, 6014 Meter) ist ein Werk von Hugh Baiocchi und machte Mauritius als Golfdestination bekannt. Ein Kurs, bei dem man mit allen Wassern gewaschen sein muss. Die Fairways sind überwiegend großzügig und breit angelegt, doch sind im ein­stigen Wildreservat neben den Java-­Hirschen und Rehen auch die unzählige Wasserhindernisse und Bunker nicht zu übersehen. Den Driver hin und wieder im Bag lassen, ist das Gebot der Stunde. Zäh und schwierig zu spielen sind die Löcher 4, 5 und 14. Der mit 5942 Metern (Par 71) geringfügig kürzere „Links“ wurde von ­Rodney Wright und Peter Alliss in eine ­Hügellandschaft gebaut und gewinnt seinen Charakter durch die „rolling Fairways“. Auch hier gibt es keine Wasserarmut zu vermelden – immerhin: der gut sortierte Pro-Shop sorgt für Nachschub.

FINALE IM SÜD-WESTEN.

Rund zwei Stunden Fahrzeit auf engen Landstraßen benötigt man, um vom Osten der Insel in den Südwesten zu gelangen, wo das 5-Sterne-Hotel Paradis auf einer Landzunge mit ­sieben Kilometern weißem Sandstrand liegt. Das offen gestaltete Hotel mit 299 Zimmer und Suiten verfügt über einen ­tropischen Garten mit Blick auf den mächtigen Basaltfelsen (556 Meter hoch) Le Morne, das Hauptrestaurant Le Brabant, ­sowie drei à la carte Restaurants, über­dimensionaler Pool und Spa. Ebenfalls unter der Beachcomber-Dachmarke steht das ­Hotel Dinarobin – in unmittelbarer Nachbarschaft zum Le Paradis gelegen. Der zum Hotel ge­hörige, gleichnamige Kurs ist mit 5.899 Metern (Par 72) der ideale Golfplatz für gute bis annehmbare Scores. Die Greenfeepreise für Hotelgäste belaufen sich auf rund 15 Euro – ein durchaus erschwing­liches Ver­gnügen.

Der Kurs ist flach, mit viel Baumbestand und reichlichen Waste-Areas ausgestattet. Auf insgesamt elf Löchern kommt Wasser ins Spiel, wobei am 4. Loch sogar eine vor Anker liegende Yacht zu überspielen ist. Durch die Strandlage finden sich auch ­öfters Krebse auf den Spielbahnen – die Platzregel gewährt deshalb einen Free Drop, wenn der Ball auf Nimmerwiedersehen in einem Krebsloch verschwindet.
In unmittelbarer Nähe vom Hotel Paradis findet sich ein weiterer Championkurs, der brandneue Tamarina Golfplatz, nur zehn Minuten vom Sugar Beach Resort in Flic en Flac, das neueste Werk der Sun-Resorts Gruppe, gelegen. Mit 6200 Metern und Par 72 bietet der von Rodney Wright designte Kurs „Südafrika-Feeling“. Leicht hügeliges Gelände mit Ausblick auf Mount Rempart und natürlich den Indischen Ozean machen das Spiel zum Vergnügen. Terrain- und klimabedingt ist der Einsatz von Golfcarts – alle mit GPS – unabdinglich.

All jenen, die mit zwei Kursen in einer Urlaubswoche nicht das Auslangen finden, kontaktieren die Air Mauritius Helicopter Services und ­lassen sich per Hubschrauber zum Golfplatz der Wahl bringen. Ganz nebenbei lassen sich unvergessliche Inselblicke auf Zuckerrohrfelder, Wasserfälle, Lagunen, Gebirge und Meerblick genießen. Natürlich kostet das auch ein bisschen, aber es ist ja nur Geld – und die wenigsten Mauritius-Gäste fahren zum ­Sparen auf die Insel.

Schlaue infos auf einen blick: Golf auf Maritius


Ostküste:

Belle Mare Plage Resort

The Legend: 18 Loch/Par 72, 6018 Meter
The Links: 18 Loch/Par 71, 5942 Meter

Le Touessrok Golf Course
18 Loch/Par 72, 6562 Meter.

Four Seasons Golf Club Mauritius at Anahita
18 Loch/Par 72, 6.931 Meter.

Südküste:
Golf du Chateau

18 Loch/Par 72, 6498 Meter + 9 Loch/PAR 27.

Le Paradis
18 Loch/Par 72, 5899 Meter.

Weitere Infos: Tagesaktuelle Flüge zu Bestpreisen von Österreich (ab 727 € + Taxen), Deutschland und Schweiz zubuchbar!
Auskünfte über die Reiseangebote, Frühbucherbonus-Möglichkeiten: Reisebüro KUONI – Golfreisen mit Schwung,

Webtipp: www.mauritius.li (Land, Leute, Sport, Kultur)

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