Spiel’s noch einmal, Samanah! [0]

REPORTAGE: 1001 Nacht möchte man hier verbringen. Zwischen Souks und Wüste, Marrakesch und Agadir locken traumhafte Golfplätze und der Orient in filmreifer Kulisse.

Marokko14_2

Djemaa el Fna: Der zentrale Marktplatz der Stadt Marrakesch lockt Touristen aus aller Welt zum orientalischen Get-together.

Marrakesch. Altstadt. Höllisch enge Gassen. Ach was, steingewordene Trampelpfade durch den Medinadschungel. Links und rechts türmen sich Gewürze und Obst in wackligen Regalen. Metzgereien, Teppichhändler, Lederwaren, Schuhe – alles verbarrikadiert den ohnehin schon knappen Raum. Die Sonne brennt ihren Part ins Gewühl. Dazu der Verkehr: Lastkarren, Esel, Drahtesel, Motorräder und Mopeds. Tausende Menschen per pedes, entspannter Nachmittagstee auf marrokanisch.
Ein ebenso sehnsüchtiger wie abwegiger Gedanke schleicht sich in das verwöhnte, mitteleuropäische Gemüt: Fußgängerzone. Es hupt. In weite Teile dieses Labyrinths kann man sogar mit dem Auto vordringen – oder sagen wir so: Es ist zumindest nicht verboten. Wer so blöd ist, im nagelneuen Mietwagen dem weniger nagelneuen Navigationssystem zu vertrauen, steckt dann schon mal schnell zwischen frei laufenden Hühnern, Currymischungen in Riesensäcken und Couscous-Imbiss fest. Ich schau dir in die Augen, Chaos.
Marokko14_1Ein Mann auf einem altersschwachen Mofa erweist sich als die bessere Navigationshilfe. Natürlich kennt er das gesuchte Hotel. Er spannt sich mit Moped vor das Auto und donnert laut hupend und gestikulierend zwanzig Minuten lang durch die Medina, den verhalten folgenden Mietwagen immer im Rückspiegel. Moses hat das Rote Meer nicht besser geteilt als dieser Mann die Menschenmassen und das orientalische Gewirr vor ihm.
Von schweißgebadeten und tiefengespannten Insassen erhält er seinen verdienten Lohn, als er sie vor einer unscheinbaren Tür in einer Seitengasse abliefert. Hier, nur zwanzig Meter abseits des tosenden Altstadtrummels, soll sich ein Hotel verbergen? Ja, das tut es. Die Riads sind die bevorzugten Unterkünfte in der Medina von Marrakesch. Zu Herbergen umgebaute Wohnhäuser, mal luxuriös, mal weniger komfortabel. Aber immer mit dem Vorteil, das Gewusel der Altstadt vor der Tür zu haben und eine unbeschreibliche Ruhe dahinter.

 

Ein Mann auf einem altersschwachen Mofa erweist sich als die bessere Navigationshilfe. Natürlich kennt er das gesuchte Hotel. Er spannt sich mit Moped vor das Auto und donnert laut hupend und gestikulierend zwanzig Minuten lang durch die Medina, den verhalten folgenden Mietwagen immer im Rückspiegel. Moses hat das Rote Meer nicht besser geteilt als dieser Mann die Menschenmassen und das orientalische Gewirr vor ihm.

Marokko14_4 Marokko14_3

 

 

 

 

Marrakesch, viertgrößte Stadt Marokkos, gilt als „Perle des Südens“. Das Wüstenklima macht die Winter mild und die Sommer oft gnadenlos heiß. Touristen aber zieht die Königsstadt vor dem Großen Atlas in Mengen an. Und die einzigartige Stimmung in den Souks, den Marktvierteln der Altstadt, sowie die mitreißende Atmosphäre auf dem Djemaa el Fna sind einen Besuch allemal wert. Gerade dieser zentrale Platz mit seinen Imbissständen, Gauklern und Terrassencafés lockt an den Abenden in die Stadt. Natürlich gehört das Geschäft mit den Touristen, die schnell aufgehaltene Hand für das Foto vom Schlangenbeschwörer oder vom Geschichtenerzähler dazu – that’s business. Und wem das Gewusel zu viel wird, der kann sich leicht auf einen der vielen Golfplätze rund um Marrakesch verziehen.Marokko14_5

Dabei locken mitunter historische Perlen wie der 1933 eröffnete Royal Golf. Hier ist königliches Hoheitsgebiet, hier haben schon Churchill und Eisenhower abgeschlagen, hier weht ein Hauch von Casablanca (sowohl von Film als auch von Stadt). Und dem kurzen Par 3 mit den zwei großen vorgelagerten, von je einer Palme bewachsenen Hügeln haben sie ganz filmreif den Namen „Brigitte Bardot“ gegeben. Said, der Caddie, kichert, als er das erzählt. Wer Birdie spielt, hat die Bardot erobert. Wer Bogey spielt, kann sich immer noch eher für Brünette interessieren. Dann führt Said weiter über den 27-Loch-Platz, dessen Markenzeichen der gut gewachsene Baumbestand und entsprechend enge Bahnen sind. Unweit liegt der recht neue Golf Club Amelkis.
Marokko15Golf1Für den medinagewöhnten Golfer völlig überraschend hat man hier jede Menge Platz. Der aber ist gut genutzt: Die Ladies European Tour war bereits zu Besuch, die 27-Loch-Anlage ist in ausgesprochen gepflegtem Zustand. Weitere neun Loch sind angelegt und wachsen an, ab 2015 wird hier auf zwei 18-Loch-Plätzen gespielt. Und das vor allem im Winter: Denn Marrakesch ist aufgrund des Wüstenklimas ideale Winterdestination für Frostfeinde aus Mitteleuropa. In der Hauptsaison zwischen November und März herrschen gemäßigte Temperaturen, nachts kann es allerdings empfindlich kalt werden. Im Sommer sollte man jedoch die Finger vom Marokko14_Royalglühenden Eisen lassen: Temperaturen über 40 Grad laden allenfalls Extremsportler zur Runde rund um Marrakesch ein.

Sand in Sicht

Marokko15Golf2Im Süden der Stadt, unweit des Flughafens, spürt man die (golf)touristische Entwicklung am ehesten: Hier schießen Hotelkomplexe aus dem Boden, begleitet von Villenreihen, gesäumt von Golfbahnen. Wie in der ganzen Stadt boomt es auch hier, König Mohammed VI. hat Marrakesch den Expansionsbefehl gegeben. Dabei gilt die Aufmerksamkeit der hiesigen Golfplatzbetreiber nicht allein den ausländischen Gästen. Auch viele wohlhabende Marrokaner sichern sich ihr Haus am Seegrün – wie beispielsweise entlang des großartig zu spielenden 18-Loch-Platzes des Samanah Golf Club. Eine perfekt gepflegte Anlage, großzügig durch Wasser und geschickt gesetzte Vegetation ergänzt. Von überschaubarer Länge, in der Platzgestaltung aber unverkennbar ein Nicklaus-Kurs, kann Golfer hier an schlechten Tagen einen wirklich sandigen Tag verbringen.
Und der Boom hat zwei weitere hochklassige Plätze auf den Basar geworfen: Der just eröffnete The Montgomerie Marrakech braucht kaum weitere Erklärung, der Platz des Royal Palm ist ein absolutes Highlight, was Ausstattung und Design betrifft. Die luxuriöse Oase mit -angeschlossenem Hotel ist ein Golfwirklichkeit gewordener Traum aus leicht hügeligem Layout, einer farbenprächtigen Blütenlandschaft und altem Olivenbaum-Bestand. Abgerundet durch den atemberaubenden Blick auf das in der Ferne liegende Atlasgebirge. Dessen Höhenzüge sind auch Ende Mai noch schneebedeckt.

Take me to the beach

Reisende mit Mietwagen ohne funktionierendes Navigationssystem und Mumm sollten den Pass über den Großen Atlas deswegen übrigens meiden. Halbwegs normale Reisende sollten das ebenfalls tun. Denn die Straße führt in gnadenlosen Serpentinen auf engstem Raum durch das Gebirge, rechts droht der Fels, links lauert die tiefe Schlucht. Und die Baustelle, die die marode Straße irgendwann passierbar machen soll, verengt die Passage zusätzlich. Wer also den Weg von Marrakesch nach Agadir an der marrokanischen Atlantikküste sucht, nimmt getrost die Autobahn. 250 km für 60 Dirham, umgerechnet sechs Euro, Maut – dazu bis auf einige Lkws und wenige Autos kaum Verkehr.
Marrakech_Golf_004In Agadir selbst fällt eines auf: Hier steht der Küstentourismus klar im Vordergrund. An der Promenade treffen sich Touristen aus aller Welt, am Strand wird Fußball gespielt. Einen Teil der Abschnitte haben die Hotels in der Hand. In zweiter Reihe liegen exklusivere Riads, an der Marina liefern sich die Yachtbesitzer Schlemmereiwettkämpfe in den teureren Restaurants. Das findet man so auch in vielen anderen Küstenorten des Planeten – mit dem Unterschied, dass Agadir in seiner heutigen Form erst seit 1960 existiert. Damals forderte ein schweres Erdbeben bis zu 15.000 Todesopfer und zerstörte die jahrhundertealte Stadt nahezu vollständig. Auch das historische Agadir (berberisch für „Speicherburg“) auf einem Hügel über der Stadt wurde völlig verwüstet. Klassisch orientalische Bausubstanz sucht man oft vergeblich, die alte Burg thront als Ruine über der Stadt. Ein Ausflug auf den Berg lohnt sich aber dennoch, der Ausblick über Stadt und Atlantik ist grandios und die alten Berber erzählen jedem, der sie für eine Handvoll Dirham hören will, ihre durchaus interessante Geschichte. Das Gewusel von Marrakesch findet man in Agadir nicht – dafür bietet die weitläufige Strandpromenade auch dem westlichen Gemüt Unterhaltung von Beachclub über Pub bis Edelgastronomie.

Golf zwischen Ozean und Sonne

Auf den Plätzen Golf du Soleil und Golf de l’Ocean spielt die Golfrevue im November das Jubiläumsfinale der Vierball-Challenge aus. Vor allem die zwei Plätze des Soleil bergen dabei jede Menge Herausforderungen. Enge Bahnen, viel Wasser und bisweilen schwer einsehbare Grüns machen die zwei 18-Loch-Kurse insbesondere bei windigen Bedingungen zum würdigen Finalort. Ähnliches lässt sich vom Club l’Ocean behaupten. Dreimal neun Loch mit jeweils völlig unterschiedlicher Vegetation und damit sehr variabler Charakteristik locken – Desert, Dunes und Garden machen hier ihrem Namen alle Ehre. Abgerundet wird das Angebot vor Ort durch Les Dunes, die dem örtlichen Club Med angeschlossen sind und den mehr als empfehlenswerten, weil bestens gepflegten Royal Golf Agadir. Die 9-Loch-Anlage besteht seit 1952 und verbindet klassisches Design mit erfrischender Schönheit.
Marrakech_Golf_022Apropos erfrischend: Agadir ist als Reisedestination anders als Marrakesch durchaus ganzjährig zu besuchen. Das Klima ähnelt nicht nur aufgrund der geografischen Nähe dem auf den Kanaren. Mit 25 Grad Tagestemperaturen kann man winters wie sommers rechnen, Ausreißer nach oben und unten gibt es selbstredend. Das breit gefächerte Angebot an Hotels macht -Agadir für den Kurztrip zur lohnenswerten Golf-Alternative. Wobei Marokko neben den beiden von NIKI ab Oktober von Wien aus angebotenen Destinationen Marrakesch und Agadir noch jede Menge Flair zu bieten hat. Dazu gehören Golfplätze rund um die Städte Rabat (der Trent Jones-Kurs von Royal Dar Es Salam), Tanger und Casablanca.
Insbesondere diese legendäre (Film)-Stadt mit ihren über drei Millionen Einwohnern ist Ausdruck der Mixtur aus arabischem und Berber-Erbe, kolonialistischen Spuren und Moderne – Eindrücke, die sich durch das ganze Land und seine Städte ziehen. Für Golfer aus Österreich öffnet sich mit Einführung des Winterflugplans ein weiteres Tor in südliche Gefilde. Marokkos Golfszene ist noch überschaubar, aber stetig im Wachstum begriffen und insbesondere im Design ausgesprochen vielfältig: Eine willkommene Alternative zu Türkei oder Ägypten – zumal insbesondere in Marrakesch anders als in vielen klassischen Urlaubsdestinationen neben Golf auch die Metropole selbst mit ihrem Charme und ihren Bewohnern eine Hauptrolle spielt. Es darf sich mit unserer wärmsten Empfehlung und aus Erfahrung gesprochen jeder auf das Experiment einlassen, sich mit dem Mietwagen in die Medina von Marrakesch zu verirren. Auf dem Djemaa el Fna in den Abend flanieren. Und zwischen Wüste, Atlas und Atlantik ins Abenteuer aufbrechen  –  spielen Sie die Plätze dort nicht nur einmal. Denn dies könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein. Marrakech_Golf_030

Ähnliche Artikel aus dem Archiv

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar