Maghreb muss man mögen [0]
Aus Golfrevue 6/2007

Zugegeben: Ich und das Morgenland waren nie Freunde. Daher weiß ich bereits vor meiner Reise, dass sich das Land ordentlich ins Zeug legen muss, will es mich überzeugen. Die Kollegen in der Redaktion schwärmen von Marokko, auch meine Freunde sind begeistert: Jeder scheint diese Destination schon zu kennen oder hat zumindest gehört, wie aufregend das westlichste der drei Maghrebländer sich den Besuchern präsentiert. Quasi Tausendundeine Nacht in echt. Ein Phänomen, das sich in den Besucherzahlen niederschlägt: Ich bin eine der sieben Millionen Touristen, die jährlich (!) nach Marokko reisen – ganz Österreich macht sozusagen Urlaub hier, Tendenz: steigend.
Der erste Eindruck …
Drei Tage hat Marrakesch Zeit, mich zu verzaubern, scheint aber keine Sekunde davon vergeuden zu wollen: Hier Morgenland, dort moderne Metropole, stilvolle Riads hinter Altstadtmauern, modernes Design im neueren Teil – eine Stadt der Gegensätze und überall der Duft von Weihrauch und Mandarinen. Ich lasse mich gerne treiben, während der Führer uns durch das große Tor in die Altstadt und zugleich eine andere Welt führt. Orientalische Geschichtenerzähler, Schneckenköche, Schlangenbeschwörer, Feuerspucker und Gaukler – das bunte Treiben am Djemaa el Fna, übersetzt „Platz der Geköpften“ (die touristenfreundliche Übersetzung lautet übrigens „Platz der Gaukler“), reißt mich rasch mit. Die Darbietungen reichen von skurril bis sensationell, und an jeder Ecke wartet ein neues Abenteuer.
Abends verwandelt sich der Platz dann in ein gigantisches Open-Air-Restaurant: Auf unzähligen Marktständen wird alles nur Erdenkliche gekocht, gegrillt und gebraten – auch wir genießen traditionelle marokkanische Gerichte und das rege nächtliche Treiben. Dieses zieht uns auch schnell in die kleinen, verwinkelten Seitengassen der umliegenden Souks. Gewürzberge erhaschen unsere olfaktorische Aufmerksamkeit, Teppichhändler locken mit Sonderangeboten – beschleunigtes Leben auf Arabisch. Schnell erliegt man dem orientalischen Charme und verliert sich im Zauber der Gassen. Nichts scheint mehr unmöglich, denn an jeder Ecke wartet eine neue Überraschung. Hier entdecken wir, in einem Keller verborgen, eine Bäckerei, die mit Riesenöfen die ganze Altstadt mit Brot versorgt, dort eine Apotheke, die von frischem Safran bis hin zu natürlichem Viagra alle nur erdenklichen Gewürze und Heilkräuter anbietet.
… Und der zweite.
Auch die Neustadt hat einiges an Geschichte zu bieten, etwa den Jardin Majorelle. In diesem Garten hat der französische Künstler Jacques Majorelle 1924 die Flora aus fünf Kontinenten zusammengetragen. Nach dessen Tod hauchte Modedesigner Yves Saint Laurent dem Garten Ende der 80er-Jahre neues Leben ein. Beides, Garten und Villa, diente ihm bis zu seinem Tod als Rückzugsstätte und Ort der Inspiration.
Abendliche Abwechslung gibt es genügend, auf Nachtschwärmer warten unzählige Bars und Diskotheken. Wer es lieber traditionell marokkanisch hat, besucht am besten den Chez-Ali-„Fantasia-Abend“: In palastartigen Gebäuden genießt man in klassisch orientalischer Atmosphäre die hiesige Küche, während Musikanten aus den unterschiedlichsten Teilen Marokkos für Unterhaltung sorgen. Spätestens als ein halbes Schaf – übrigens bloß einer von fünf Gängen – bei uns am Tisch liegt, bin ich sichtlich beeindruckt. Nach dem Essen gibt es noch eine Pferdeshow, unspektakulär, aber nett.
Da war doch noch etwas! Golf!
Der Zauber von Marrakesch hat den Zweck der Reise vernebelt. Erst die Lektüre des Golf-führers sorgt wieder für einen klaren Blick: Obwohl es in Marrakesch und Umgebung nur drei Plätze gibt, mangelt es nicht an Vielfalt und Tradition. Der erste Platz, Royal Marrakech, entstand in den 1920er-Jahren. Zwischen Orangenbäumen, Zypressen und Eukalyptus liegen hier am Fuß des Atlas-Gebirges die 27 traditionsreichsten Fairways des Landes. König Hassan II. kultivierte in der Folge diesen Sport und rief 1972 die „King Hassan Trophy“ ins Leben, ein Pro/Am, das vor allem von Amerikanern heiß geliebt wird und jeweils Mitte November stattfindet. Die diesjährigen Sieger heißen übrigens Ernie Els und Laura Davies.

Wer moderneres Design bevorzugt, teet am besten am neuesten Platz, dem Amelkis Golf Course, auf. Der 1995 eröffnete Parklandkurs führt zwischen Wüste und alten Olivenbäumen durch eine Palmenoase, Blick auf das Atlas-Gebirge inklusive. Herausfordernd sind die Back-Nine mit zahlreichen Wasserhindernissen, hier vor allem Loch 15, ein 447 Meter langes Par 5. Eine reale Birdie-Chance erarbeitet man sich auf Loch 18 mit einem guten Drive.
Eine entspannend-gemütliche Runde serviert der Trent-Jones-Kurs von Palmeraie. Der US-Stardesigner hat den einfachsten der drei Plätze mit seinen üppigen Palmenhainen und sieben künstlichen Seen gekonnt mit der Landschaft verheiratet.
Das Geheimnis ist gelüftet. Die drei Tage hat Marrakesch gut genützt und mich bekehrt – das Morgenland ist doch ganz wunderbar. Auch das Warum ist einfach und schnell erklärt: 72 Stunden – nicht mehr und nicht weniger habe ich in Marokko verbracht, erzählen kann ich aber so viel, als wäre ich drei Wochen dort gewesen. Und dabei war ich noch nicht an den weißen Stränden von Agadir, habe das Atlas-Gebirge noch nicht erklommen und bin auf keinem Kamel geritten. Ich werde wohl wiederkommen müssen.
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Golf in Marrakesch:
Der Traditionsreichste: Royal Golf de Marrakech
27 Loch, Par 72, 5.658 Meter
Der Palmenreiche: Golf de Palmeraie
18 Loch, Par 72, 6.214 Meter,
Der Neueste: Golf d’Amelkis
18 Loch, Par 72, 6.657 Meter
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