Kairos Kunstwerke [0]

Kann man sich der Hauptstadt Ägyptens nähern, ohne der Anziehungskraft der jahrtausende alten Kultur zu erliegen? Uns gelingt das beinahe, unter anderem mit Hilfe unseres liebsten Hobbies: Golf. Was für ein grandioser Anblick! Die Pyramiden von Gizeh aus der Vogel- also Fliegerperspektive während des Landeanflugs.

Aus Golfrevue 8/2007

Nach dem gelungenen Touch-down wenig später empfängt uns die wohlige Wärme Kairos. Von Oktober bis April ist – nicht nur golferisch gesehen – die beste Zeit für einen Temperatur- und Kulturwechsel dieser Art, wenn sich das Thermometer tagsüber zwischen 18 und 28 Grad einpendelt.

Einmal Kairo, siebenmal Golf

Als Ausgangsbasis für einen Golfurlaub in Kairo empfiehlt sich unter anderem das 2003 eröffnete Hotel JW Marriott, eines der luxuriösesten Hotels in Ägypten. Es liegt nur 20 Fahrminuten vom Flughafen entfernt und gönnt sich einen hauseigenen 27-Loch-Platz, den famosen Mirage City GC. Die Tatsache, dass sich unter den wunderbar gepflegten Fairways und Grüns, Blumen und Hecken, Wasserfällen und gezählten 45 Seen einst die Mülldeponie von Kairo befand, grenzt zwar nicht an ein Weltwunder (die Cheopspyramide ist eine gute Stunde entfernt), dafür aber an ein Umweltwunder. Das ist (Re)Kultivierung in ihrer schönsten Form. Der Platz (18 + 9 Loch) aus der Feder Peter Harradines ist eindrucksvoll, großzügig und kann jeder anderen Designer-Wiese das Wasser reichen! Apropos: Wasserscheu sollte man nicht sein. Auf zwölf Löchern kommt man mit dem blau schimmernden, teils von blendend weißen Steinen gesäumten Nass (besser nicht) in Berührung. Als härteste Nuss erweist sich Loch 6, ein 563 Meter sattes Par 5, mit etlichen Fallen gespickt. Das mit Abstand herausragendste „Loch“ ist jedoch die 19, eigentlich die 28 – das Clubhaus. Pyramidal, ja, das ist der passende Ausdruck für dieses Bauwerk, neben dem sich das Clubhaus von Fontana bescheiden nimmt.

Ebenfalls auf Topniveau bewegt sich das rund 25 Minuten entfernt liegende 5-Sterne Katameya Heights Golfresort. Die ebenfalls 27 Loch große Anlage säumt eine Allee von zum Teil in Bau befindlichen Villen, die glücklicherweise in viel respektablerer Entfernung liegen, als das beispielsweise in den USA oder in Spanien oft der Fall ist. „Und alle bereits verkauft“, erklärt uns die überaus freundliche Clubsekretärin.

Um die Anlage kümmern sich für einen Tageslohn von wenigen Euros über 500 Mitarbeiter, 200 davon Greenkeeper. Platzdesigner Yves Bureau verwandelte vor über zehn Jahren die trockene Wüstengegend in eine grüne, hügelige Oase. Sein ganzer Stolz ist Loch 15 (Par 5/489 Meter), wo man vom stark erhöhten Abschlag („höher als die Pyramiden“, die in der Ferne erkennbar sind) einen grandiosen Ausblick genießt, bevor man auf das 40 Meter tiefer liegende Fairway abschlägt.
Traumhaft schön – der Name ist Programm – golft es sich im Westen Kairos am Dreamland Champion Course, in unmittelbarer Nachbarschaft zum 5-Stern Hilton Pyramids Resort. Ja, auch das Hotel trägt seinen Namen zurecht und so eröffnet sich uns auf den neueren neun Spielbahnen der 27-Loch-Anlage jener Ausblick, dessentwegen wir hier golfurlauben: Pyramiden!

Pharaonengolf

Der Kurs ist insgesamt etwas einfacher angelegt als etwa jene von Harradine oder Bureau, mit sieben eingestreuten Seen sowie teils engen, kurvigen Fairways bringt Designer Karl Litten aber doch ausreichend Herausforderung ins Spiel. Besonders schön und knifflig geben sich die Bahnen 4 bis 6. Ein malerisches Par 3 mit einem großen Teich auf ein erhöhtes Grün, gefolgt von einem Par 4. Dieses gibt sich (vor allem bei Gegenwind) durch zwei Teiche, die das leichte Dogleg säumen, als eine der härtesten Nüsse hier. Loch Nummer 6 (Par 5) ist mit 530 Metern das längste, aber auch landschaftlich schönste Loch rund um einen großen Teich. Von erhöhter Position aus gilt es ein streng bewachtes, onduliertes Grün zu treffen. Als Unterkunft bietet das Hilton Pyramides Hotel nicht nur 5-Sterne-Luxus und eine erquickende Seenlandschaft, sondern in unmittelbarer Nähe auch den größten Themenpark des Mittleren Ostens, den „Dreampark“, und – wir erinnern uns – die Pyramiden.

Wer richtig tief in die Geschichte Kairos eintauchen will und direkt bei den Pyramiden eine Runde Golf spielen möchte, wer gerne Kultur mit Tradition, Romantik und (ja, ja, der Preis macht keinen Hehl draus) Luxus verbindet, ist im Hotel Mena House Oberoi – samt 9-Loch-Kurs – bestens aufgehoben. Das vermutlich berühmteste, mit Sicherheit aber traditionsreichste Hotel Ägyptens, wurde 1869 anlässlich der Eröffnung des Suez-Kanals erbaut und hat im Laufe der Jahre und Jahrzehnte etliche Hausherren, Umbauten und Geschichte(n) erlebt: Als Luxusdomizil für königliche Besucher, als Hospital und Stützpunkt im Ersten und Zweiten Weltkrieg und seit den 70er Jahren als eines der Leading Hotels of the World.

Auf den neun Fairways ergibt sich dank 18 Abschlägen und Grüns (Double-nine-Design) eine ganze Runde mit imposantem Blick auf die Pyramiden. Aufgepasst: Bis zum Frühjahr 2008 wird generalsaniert und der Golfplatz leider nicht bespiel-, aber das Hotel besuch- und bewohnbar.

Ein weiteres, landschaftlich äußerst gelungenes Projekt ist die Soleimania Anlage mit dem Pyramids Golf Club, etwa 70 Minuten vom Flughafen entfernt. Der von Ronald Fream designte 27-Loch-Platz (neun davon als Kurzplatz mit Flutlicht) liegt an der Wüstenstraße nach Alexandria. Getreu dem Motto „Die Wüste lebt“, kultivierte Fream hier eine Golf-Oase mit saftigen Grüns, satten Fairways und einem prächtigen Clubhaus, metaphorisch als Tränke zu sehen. Trotz der enormen Investition eines ägyptischen Millionärs, aber mangels existierenden Managements, hat sich diese Anlage noch nicht richtig in Szene setzen können. Uns soll’s recht sein: Wir haben die Fairways fast für uns alleine.

Golf City Kairo ist der jüngste (2003 eröffnete) Platz. Die 18 Loch stammen, wie der Kurs von Katameya, aus der Feder von Yves Bureau und liegt – nomen est omen – am Stadtrand von Kairo. Noch fehlt es der Wiese an Schliff, aber in ein paar Jahren, wenn die zahllosen angepflanzten Palmen größer sind, wird sich dieser Platz nahtlos in die Riege der Top-Kurse dieser Gegend einreihen.

Last but not least bietet der Gezirah Sporting Club auf der Nil-Insel el Gezira mit etwas Glück (weil eigentlich privat und nur für Mitglieder) die Möglichkeit auf eine kürzere Runde Golf. Der 1869 eröffnete 9-Loch-Platz ist der älteste Ägyptens und weniger wegen seiner technischen Raffinessen, als viel mehr wegen seines historischen Flairs – und wegen der vier Restaurants – einen Ausflug wert.

Arabische Vergangenheit & Internationale Zukunft

In einer Woche muss man nicht (soll man auch nicht) alle Golfplätze Kairos besuchen. Zu intensiv ist das Kontrastprogramm, zu aufregend die exotische Essenz dieser Stadt mit ihrer außergewöhnlichen Geschichte und Kultur. Einmalig ist auch der Flair dieses Molochs: Kairo ist mit 18 Millionen Einwohnern (inoffizielle Schätzungen sprechen von 25 Millionen) turbulent und chaotisch, doch letztendlich faszinierend. Kleiner Tipp am Rande: Versuchen Sie erst gar nicht, hier als Ihr eigener Fahrer reüssieren zu wollen, es gibt ausreichend Taxis, ein Erlebnis für sich. Und seien Sie der Touristen-Hotspots gewahr. Hier missinterpretieren wir gerne die Geschäftstüchtigkeit der Araber als Aufdringlichkeit. Ich jedenfalls reagierte bei den Pyramiden etwas zu langsam und schon hatte ich einen Turban aus blauem Samt auf dem Kopf und ein Kamel unter mir.

Eindrucksvoll kitschig ist auch der nächtliche Diavortrag mit archaischer Tonuntermalung, der direkt auf die Pyramiden projiziert wird. Da lächelt selbst die Sphinx ziemlich gequält. Am Abreisetag besuche ich noch schnell das Ägyptische Museum, das bis an den Rand mit Kunstwerken voll gestopft ist  – ein Albtraum für jeden archäologischen Autodidakten wie mich. Die Fülle an hochwertigen Kunstwerken erschlägt mich, macht mich hilflos. Als moralische Stütze erweist sich die „Schreiberbüste“ im Erdgeschoss. Eine Skulptur, die faszinierende Lebendigkeit ausstrahlt und für den angesehensten Beruf im alten Ägypten steht, dem des Schreibers – Balsam auf die Wunden eines gescheiterten Hobby-Archäologen.

 

SChlaue Infos auf einen Blick: Golf in Kairo/Ägypten


Anreise:
Austrian Airlines fliegen die Strecke Wien – Kairo täglich und direkt.
Flugzeiten: 10:30–15:05 Wien – Kairo und 16:00–18:55 Kairo – Wien. Zubringerflüge aus den Bundesländern möglich. Flugzeit rund drei Stunden. Das Golfgepäck (maximal 15 Kilo) kostet pro Strecke 40 Euro. Ausgezeichnete Betreuung sowohl am Boden als auch in der Luft mit umfassendem Bordservice.

Kursbuch Golf

Mirage City Golf
JW Marriott Hotel, Mirage City,
Ring Road, New Cairo.
18 Loch/Par 72, 5114 bis 6497 Meter,
9 Loch Executive Course. 70/85 $

Katameya Heights
Golf & Tennis Resort
Ring Road, New Cairo
18 Loch/Par 72, 4771 bis 6197 Meter;
9 Loch/Par 35, 2728 Meter. 65/80 $

Dreamland Golf and Tennis Resort
Dreamland City, Sixth of October Road
18 Loch/Par 72, 5055 bis 6586 Meter;
9 Loch/Par 36, 3228 Meter. 45/60 $.

Mena House Oberoi Golf Club
Pyramids Road, Giza
9 Loch/Par 68, 4306 bis 4858 Meter. 13 $.

Pyramids Golf and Country Club
Alexandria Desert Road, Giza
27 Loch (East/West/South Course),
neun Loch davon mit Flutlicht.
Championship Course (East/West),
Par 72, 5576 bis 6074 Meter. 40/50 $.

Golf City GC
Ismalia Road, durch Autobahn-Tunnel
El Obour
18 Loch/Par 72, 4309 bis 5804 Meter. 30/35 $.
Tel.: 00202/266-2811.

Gezirah Sporting Club
Zamalek, Gezirah. 9 Loch/Par 70.
5360 Meter.
Tel.: 00202/73 56 000.

Ähnliche Artikel aus dem Archiv

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar