413 GC Mühlviertel St. Oswald-Freistadt [0]

DIE 19. HÖHLE – Halb über, halb in der Erde ist es der neue Mittelpunkt des Golfplatzes. Ein von mutigen Architekten erdachtes Clubhaus ohne Anfang und ohne Ende.

Hoch oben im Mühlviertel präsentiert sich der Platz in St. Oswald als ausgewachsene Championship-Anlage mit einem weitläufigen Routing.

(aus GR 1/2004)

Stellen Sie sich vor, ein Märchenriese haut mit seinem gewaltigen Pitching-Wedge irgendwo ein ebenso mächtiges Divot aus der Erde. Eines mit messerscharfen Rändern, das eine tiefe Wunde im Boden zurücklässt, die Einblick gewährt in den Aufbau der Erdkruste. Ganz oben grüner Flaum. Dann der fruchtbare braune Humus. Schließlich geht es Schicht für Schicht tiefer, nicht nur interessant für all jene, die diese Zeilen deuten können.

Ein 19. Loch in der Form eines bewohnbares Divots: Das ist die Idee hinter diesem Gebäude, sagt DI Max Nirnberger, Mitglied der Architektengruppe x architekten und deren Sprecher für das Projekt des Clubhauses für den GC St. Oswald/Freistadt. Aus der Vogelperspektive betrachtet ist das Gebäude eine überdimensionierte Triangel oder auch eine radikale Version des Mühlviertler Dreiseithofs, ein Design ohne Anfang und ohne Ende, nach allen Seiten offen. Die Schenkel des Triangels tauchen, ehe sie sich zu nahe kommen, in den Hang. Das flache Dach ist begrünt und bekommt später ein Putting-Grün und einen Super-Abschlag für Loch 1. Es folgt ein saumartiger First, der Humus, im Rohbau zum Schutz in blaues Plastik eingepackt, später mit braunen Holzplatten verkleidet. Die Wände aus Glas, dort, wo Durchblick gefragt ist und lamellenartig verkleidetes Mauerwerk, graues Holz, das sind die Erdschichten.
Insgesamt also Formen, wie sie auf Golfplätzen ihre Entsprechung finden, in Bunkerlandschaften und Fairwayhügeln, sagt Nirnberger, und deswegen ist das Haus Landschaft geworden. Und ein selbstbewußtes neues Projekt ohne Bezug zur Vergangenheit: Es gibt ja keine zeitgenössische Golfclubhausarchitektur, nur mehr oder weniger gelungene Clubhäuser. Manche besser, andere weniger gut renovierte Altbauten. Wieder andere erinnern an mit Zuckerguss behübschte Torten. In Irland und auf den Britischen Inseln orientieren sie sich optisch bisweilen an Wellenbrechern oder unsozialem Wohnbau.

Aus dem Bauch der Architekten
Vor dem kreativen Akt der x architekten stand in St. Oswald eine Idee: Der Golfclub wollte ein besonderes Clubhaus, um sich nach der Erweiterung von neun auf 18 Löcher mit einem zünftigen Paukenschlag in der österreichischen Golfszene zu positionieren. Zuerst dachte man an jenes Haus, das bei der Ski-WM 2001 in St. Anton als Österreich-Haus gedient hatte (naheliegend, ist doch Clubmitglied Hans Pum ÖSV-Alpin-Chef). Doch der Transport wäre zu teuer gewesen.

Pum blieb hartnäckig: Er initiierte einen Architektenwettbewerb, für den er zwei Partner begeisterte. Zum einen die Kunst-Universität Linz, die längst auf den Gebieten solare Architektur, intelligente Haustechnik und Integration von Gebäuden in die Landschaft und Kultur des ländlichen Raums forscht. Und seinen Freund Leo Windtner, Vorstandsvorsitzender der Energie AG und Sportfan, der ohnehin ein Referenzprojekt auf dem Gebiet des Niedrigenergie-Hausbaus realisieren wollte.

In der Jury saßen neben den Fachleuten auch Pum, der St. Oswalder Bürgermeister Siegbert Eder und Karl Haider, Wirt in St. Oswald und eines der Gründungsmitglieder der Clubs.

Vom Ergebnis waren alle begeistert, sagt Clubpräsident Helmut Czekal, im Brotberuf Gemeindearzt im nahen Lasberg. Die x architekten siegten nicht nur dank der gelungenen Formensprache ihres Entwurfs, sondern auch aufgrund des hochintelligenten Innenlebens des Objekts.

Ein Haus der Zukunft
Max Nirnberger übernimmt die Führung. Zuerst am Sekretariat vorbei, inklusive Pro-Shop. Geradeaus weiter in die Garderoben. Links das Restaurant mit Seminarraum, Bar und dem eigentlichen Gastronomiebereich. Auf der einen Seite der Blick nach draußen, über den Golfplatz, auf der anderen Seite der Gastgarten, im Inneren der Triangel. Hinter der Bar liegt die Küche, und jetzt holt Nirnberger besonders tief Luft: Das Projekt „19. Loch“ ist als Passivenergiehaus konzipiert. Die Energie kommt von der Sonne und der Küche – letztere liefert in Form von Abwärme während des Kochbetriebs.
Jedes Schnitzel und jede Leberknödelsuppe helfen mit: Die Abwärme heizt das Gebäude über ein komplexes Belüftungssystem inklusive Wärmetauschern und einer Fussbodenheizung nach dem vorchristlich-römischen Hypocausten-Prinzip. Werden zu wenige Schnitzel bestellt, springt eine im Kreislauf integrierte elektrische Heizpatrone ein. Die gesamte Anlage wird über im Gebäude verteilte Fühler ständig überwacht: An einem öffentlich zugänglichen Videopult vis-á-vis vom Pro-Shop können Interessierte den aktuellen Energistatus des Hauses jederzeit abrufen.

Das Konzept des St. Oswalder Clubhauses ist so smart, dass die Energie AG kaum ein besseres bewohnbares Forschungsobjekt als ihr aktuelles „Haus der Zukunft“ gefunden hätten. Obwohl: So, wie sich die Architektengruppe die Sache vorgestellt hatte, konnte sie nicht realisiert werden. Vor dem Bau mussten Abstriche gemacht werden.

Innen wie Außen
Zuerst wurde das 19. Loch geschrumpft (um später jedoch wieder vergrößert zu werden). Dann war das eine oder andere dem einen oder anderen im Weg (etwa der Teich im Innenhof). Oder, es mussten andere Materialien verwendet werden, teils aus statischen Gründen (Beton statt Holz, weil der Dachgarten zu schwer wurde), teils aus finanziellen (der mit CORTEN-Stahl verkleidete First war den Clubverantwortlichen dann doch zu gewagt, nun sind es Holz-Platten), aber das Grundprinzip blieb unverändert, freut sich Nirnberger.

So ein Bau lebt halt. Keiner der x architekten wundert sich, dass die Knochenarbeit erst nach dem gewonnenen Wettberwerb beginnt. Der Kompromiss mit den Materialien – in diesem Fall Beton statt Holz oder Holz statt Glas/Stahl. Schließlich das (geglückte) Streben der x architekten nach dem Auftrag für die Inneneinrichtung, denn eine missglückte Möbelierung hätte alle anderen Formen komplett zusammen gehaut, Nirnberger will sich das gar nicht ausmalen.

Alles freut sich bereits auf die offizielle Eröffnung des Clubhauses und des erweiterten Platzes, die für Anfang Juni geplant sind. Da hat der GC St. Oswald ein besonders Zuckerl parat: Auf dem Dach wird ein sogenanntes Super-Tee installiert, von dem aus die Golf-Asse über den Parkplatz hinweg auf das erste Fairway spielen. Einer hat schon abgewunken, Clubpräsident Czekal nämlich. Denn: „Ich würde von dort aus sicher ein paar Autos demolieren.”

Adresse:
Am Golfplatz 1, 4271 St. Oswald
Telefon:
+43 7945/79 38
Fax:
+43 7945/79 38-4
Email:
office@gcstoswald.at
Webseite:
www.gcstoswald.at
Präsident(in):
Wolfgang Resch
Manager(in):
*
Sekretariat:
Hannes Pachler, Karl haider
Öffentlich:
nein
Loch:
18 Loch
Par:
72
Länge:
4945 m bis 5741 m
CR Gelb:
70,6
CR Rot:
71,8
Slope Gelb:
133
Slope Rot:
125

Übungsanlage
 
Beschreibung:

Driving Range mit überdachten Abschlagplätzen, Chip- und Pitch Area und Putting Green

Beheizte Range:
nein

Greenfee:
 
Art:
18-Loch-Fee 9-Loch-Fee
Greenfee:
18-Loch Mo–So, Fei € 45.–
9-Loch Mo–So, Fei € 27,–
Ermäßigungen:

Jugendliche & Studenten € 27,–

Golfkarten:
Heart of Golf
Nur Rangefee:
frei

Amateur:
Armin Rockenschaub
Schlagzahl/Jahr:
69 Schläge/2014
Pro:
Markus Brier
Schlagzahl/Jahr:
66 Schläge/2007
Golfschule:
ja
Internet:
siehe www.gcstoswald.at
Headpro:

Ulrich Wölbitsch

Pro:

PE-Kurs:
siehe www.gcstoswald.at
TE-Kurs:
siehe www.gcstoswald.at
Golfschnuppern:
ja
Datenstand: 2016-05-17

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