340 GC St. Pölten [0]

ALLES NEU RUND UMS SCHLOSS – Der erste Akt beginnt mit einer reibungslosen Geburt: Eine Bank gibt 1988 die Hebamme und holt das rund 65 Hektar große Areal, das im Besitz der adeligen Auersperg-Familie steht, auf die Golfwelt.

Aussichtsreich – die klassischen 18 Löcher liegen am Sonnenhang über der Landeshauptstadt

Die Umgebung rund um das Schloss Goldegg, nahe St. Pölten, ist wie geschaffen für eine aussichtsreiche Zukunft: Eine erhöhte Lage mit schönem Panorama bekommt der Platz quasi in die Wiege gelegt und zum Spielen gibt es Wälder, Hügel und freie Flächen, die auf jeden Fall zur Charakterbildung geeignet wären:

Hantige Waldecken und Schneisen wechseln sich mit offenen Fairways ab. Das schreit einerseits nach golferischer Taktik und Herausforderung und lässt andererseits auch ein freizügigeres Spiel zu. Als Taufpate gibt das Schloss Goldegg dem Ganzen nicht nur einen stattlichen Namen, sondern quasi als Krönung einen alt-ehrwürdigen Touch. Kurz gesagt: Es gab berechtigten Grund zur Freude – vor dem Bau. Kolportierte 60 Millionen Schilling (rund 4,36 Millionen Euro) später zeigt sich das Kind ziemlich mieselsüchtig. Nicht nur der von Fachleuten als „billig gebaut“ eingestufte Golfplatz, auch das Clubhaus und die Infrastruktur werfen Fragen auf. Serengeti-Fairways, kuriose Grüns und ungepflegte Roughs bescheren dem Platz eine freudlose Kindheit, nahezu ohne Freunde.

2. Akt
Im Alter von rund fünf Jahren wird Goldegg hoffnungsfroh in einen neuen Familienverbund adoptiert. Doch der Platz bleibt trotz großer Ambitionen und angekündigter Investitionen von rund 750.000 Euro (nur der Zahl wegen: 10 Millionen Schilling!) ein Sorgenkind. Einige Platz-Sanierungsmaßnahmen und selbst das umgebaute Clubhaus – mit dem anerkannt feinen Restaurant – können über die weiterhin bestehenden Mängel nicht hinweg täuschen. Vom anfänglich hohen Engagement in Sachen Greenkeeping, welches auch mit der Erweiterung des Maschinenparks einher ging, bleiben über die Jahre nur hochwertige Maschinen in traurigem Pflegezustand und eine desolate Beregnungsanlage übrig. Dazu kommen Probleme, die normale „pubertäre“ Ausmaße weit überschreiten: Der Besitzer der Golfliegenschaft (die Familie Auersperg) bringt daraufhin eine Räumungsklage ein, mit der Folge, dass dieser und die Pächter nur mehr über Anwälte verkehren. Mit dem Konkurs der Betreibergesellschaft endet dieses Kapitel. Zugutehalten muss man den Betreibern, dass der Spielbetrieb in dieser Zeit ziemlich ungestört fort läuft.

3. Akt
Im April 2006 übernimmt die GC 2000-Gruppe die Anlage aus der Konkursmasse und gründet noch im selben Jahr den Niederösterreichischen Golfclub St. Pölten. Für ein goldenes Goldegg-Zeitalter ist es wohl schon zu spät, denn die architektonischen Mängel könnten nur mit einem umfassenden Re-Design behoben werden. Und das wäre nicht nur unmäßig teuer, sondern ist laut Alexander Paul, Inhaber der GC 2000-Gruppe, auch nicht notwendig: „Gemeinsam mit Jeremy Pern (Architekt des Gold- und Diamond Course im Tullnerfeld; Anm. d. Red.) haben wir vor allem die Qualität des Platzes auf einen Top-Standard gebracht. Einige Löcher sind ganz neu, einige durch Umbau etwas interessanter gemacht. Die Anlage punktet nicht zuletzt mit der tollen Umgebung und als Draufgabe haben wir sie mit einem 9-Loch-Platz im Jeremy-Pern-Design aufgewertet“, so Paul. An dieser Stelle kann ich mir die hypothetische Frage nicht verkneifen, was Design-Koryphäe Jeremy Pern mit einem jungfräulichen Goldegg-Gelände angefangen hätte? „Stell dir einfach einen Diamond Course in diesem tollen Setting vor!“, lautet die sehr bildliche Antwort von Paul. Am Tee 9 (vormals Abschlag 16 und höchster Punkt der Anlage) stehend, schnalze ich darob mit gespaltener Zunge: Denn dieses Par 5 scheint mir mit 434 Metern bergab viel zu kurz – aber der Blick auf St. Pölten, der wunderschöne Park und die Hängebuchen als Eye- und Ballcatcher am Fairway erfreuen das Herz, und ich gebe Paul recht: Ein paar Design­elemente hätten den Platz in die oberste Riege der heimischen Vorzeigewiesen katapultieren können.

Alles in allem zeigt sich der Park Kurs durch den Umbau spielerisch um einiges interessanter. Das hat auch mit dem Platzumbau zu tun, viel mehr aber mit dem Pflegezustand, der auf den ersten Blick ins Auge sticht, und auch dem zweiten und dritten fetten Schlag standhalten kann! Rund 2,5 Millionen Euro flossen in den Um- und Neubau, der von Jänner bis Herbst 2007 über die Bühne ging: Kaputte Tees und Grüns wurden repariert beziehungsweise zum Teil neu angesät – zum Beispiel das extrem ramponierte alte 15. Green –, und Pflegemaßnahmen finden nicht mehr nur am Papier statt. (Unsichtbares) Kernstück in Goldegg ist die Beregnungsanlage, die in der Baustufe Eins nur für die Abschläge und Grüns vorgesehen war, weil die Gegend immer als wasserarm galt. Messungen ergaben jedoch, dass der Goldegger Bach ausreichend Wasser her gibt, weshalb der Speicherteich viel größer angelegt wurde und letztendlich eine Bewässerung des gesamten Platzes möglich ist! Natürlich nach dem letzten Stand der Technik, mit einzeln ansteuerbaren Regnern.

Damit erhöhte sich das ursprünglich geplante Investitionsvolumen von 1,8 auf 2,5 Millionen – in Hinblick auf die Zukunft aber sicher die fruchtbarste Investition. Von den Unpässlichkeiten des alten Platzes kann de facto nicht mehr gesprochen werden. Als einziger Schwachpunkt – man erlaube mir die Kritik – schlägt Loch 17 (altes Loch 8) zu Buche: Bergauf und links weg brechend, bietet es nur den besten Golfern eine Chance, vom Tee auf die erhöhte Plattform zu kommen, die man für einen vernünftigen zweiten Schlag erreichen sollte. Damit bleibt immer ein blinder Schlag auf das Grün. Ein Umbau wäre, so Paul, durch Felsmassive aber unangemessen teuer gekommen. Golftechnisch gelungen sind hingegen die neu angelegten Par-4-Bahnen 3 und 10. Einmal bergauf (3), einmal als Auf-Ab-Dogleg (10), und beide mit perfekt angelegten Grüns. Auch das neue zweite Loch, ein Par 3, ist adrett, wenn auch bergauf zu spielen.

Ebenfalls neu: das famose Übungsareal neben der 18. Spielbahn (vormalige Nummer 9). Die „rollende“ Driving-Range führt sanft bergauf, und wartet mit herrlichen (echten!) Ziel-Grüns und perfekt gepflegten Rasenabschlagplätzen auf. Diese sind zwar nur an drei Tagen pro Woche (auf jeden Fall an Turniertagen) offen, aber die Mattenabschläge nehmen wir an den restlichen Tagen gern in Kauf.

Sturm im Wasserglas
Der Golfplatz in St. Pölten ist also vom Krisen geschüttelten Jüngling zum Mann geworden, der sprichwörtlich im vollen Saft steht. Zudem hat er mit dem 9-Loch Schloss Kurs auch schon Nachwuchs erhalten: Klein (also kurz), aber oho, erweist sich der Par 60-Kurs (2.712 bis 3.080 Meter) als echtes Design-Schmuckkästchen! Die Löcher des Kurplatzes sind spielerisch anspruchsvoll und leben ebenfalls vom landschaftlich traumhaften Setting. Herausragende Bahnen und „Picture Holes“ (Kamera nicht vergessen!) sind die Bergab-Löcher 8 und 9 mit schönen Ausblicken auf das Schloss, den Obstgarten und ins Land. Das schwächste Loch ist – aus budgetären Gründen – ebenfalls ein Überbleibsel der Altlasten: Aus dem ehemaligen 18. Loch (Par 4) wurde das dritte Loch des Schloss Kurses – mit dem nicht einsehbaren, weil hoch gelagerten Grün. Eine Bausünde, weil es nur blind anspielbar ist und uneinnehmbar wie ein Fels da steht, anstatt nach vorne hin irgendwie aufzumachen. Das Par 4 wurde jedoch auf 235/202 Meter verkürzt und hat zumindest einen Vorteil: Gute Golfer driven das Grün, für schwächere ist es leichter spielbar. Fazit: Wer dem „Länge-ist-alles“-Syndrom nicht ganz verfallen ist, wird hier viel Spaß haben und den Platz vielleicht sogar zu den heißesten 9-Loch-Runden Österreichs zählen! Auch wenn der Driver im Bag bleiben muss: Jeremy Pern hat hier im Wasserglas einen kleinen Sturm entfacht.

Epilog
Goldegg zeigt sich in dritter Fassung von alten Jugendsünden umfassend geläutert. Aus dem ursprünglichen Drama, das szenisch gelungen, aber inhaltlich schlecht war, wurde ein schmucker Entwicklungsroman, der vom dritten Kapitel an große Lust auf eine Fortsetzung macht.

Seit 2010 agiert die Anlage St. Pölten auch als Heimat für alle GC 2000 Mitglieder. Der Schloss Kurs dient dabei als Heimatwiese.

Adresse:
Goldegg Golf 1, 3110 Neidling
Telefon:
+43 2741/73 60
Fax:
+43 2741/73 60-9
Email:
office@noe-golfclub.at
Webseite:
www.noe-golfclub.at
Präsident(in):
Mag. Johannes Goess-Saurau
Manager(in):
Mag. Jochen Wernicke
Sekretariat:
Brigitte Pock, Maria Bertl, Martina Dock
Platzname:
Park Kurs
Öffentlich:
nein
Loch:
18 Loch
Par:
Par 72
Länge:
4894 m bis 5491 m
CR Gelb:
69,0
CR Rot:
71,8
Slope Gelb:
126
Slope Rot:
126

Übungsanlage
 
Beschreibung:

10 Überdachte Abschlagplätze, Zielgrüns mit Naturrasen

Beheizte Range:
nein

Greenfee:
 
Art:
18-Loch-Fee
Greenfee:
Mo–Do € 56,–
Fr–So, Fei € 66,–
Ermäßigungen:

Schüler & Studenten bis 26 Jahre 50 %

Nur Rangefee:
€ 6,– inkl. 24 Rangebälle

Amateur:
NIkolaus Wimmer
Schlagzahl/Jahr:
69 / 2011
Golfschule:
ja
Name:
St. Pölten Golfakademie
Telefon:
+43 2741/73 60
Email:
office@noe-golfclub.at
Internet:
www.noe-golfclub.at
Headpro:

Erich Pandjaitan 1* Professional
25 Min. € 35,–
50 Min. € 60,–

Pro:

Spencer Mallalieu
25 Min. € 28,–
50 Min. € 50,–

PE-Kurs:
bis zu 9 Std., max. 6 TN ab € 99,–
TE-Kurs:
bis zu 8 Std., max. 6 TN ab € 99,–
Golfschnuppern:
ja
Datenstand: 2016-05-13

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