312 GC Brunn [0]

ANGST ESSEN SCORE AUF – Ob Brian O’Donovan „Angst essen Seele auf“ von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974 kennt, frage ich zuerst mich und dann ihn.

Hochkarätiges Designergolf mit bester Verkehrsanbindung: der GC Brunn liegt ganz nah an der Wiener Stadtgrenze

Der Headpro verneint, weiß aber angesichts der „anschmiegsamen“ Baumreihe am Abschlag Nummer zwei, was ich meine. Denn gleich nach dem angenehm weitläufigen Eröffnungsloch wird es in Brunn am Gebirge ziemlich eng: wörtlich genommen.

Das 415/449 Meter (rot/gelb) lange Par 5 wartet vom gelben Tee links mit einer Baumreihe auf, rechts lauert Out of Bounds. Zwei Fairwaybunker in der Drive-Landezone machen es Longhittern mitunter schwer, dazu kommen zwei kleine Teiche Mitte Fairway und nicht zuletzt gilt es, das Inselgrün zu treffen.

O’Donovan erteilt mir jetzt wider Erwarten keinen Crash-Kurs in Sachen Course Management und rät mir nicht, mich hier mit einem Bogey zu begnügen, indem ich vorlege und die Hindernisse mit kurzen Eisen bewältige. „Dazu brauchst du keinen Pro auf der Runde – das sollte dir dein Hausverstand sagen“, so das Fazit des Iren. Natürlich hat er es nicht so direkt gesagt, sondern freundlich umschrieben. Aber die Nachricht ist angekommen. „Woran denkst du beim Schwung?“, fragt mich O’Donovan. Na ja, dass ich angesichts der Enge möglichst gerade schlage.

„Blödsinn!“ – auch das hat der Pro nicht wörtlich gesagt, aber mit Sicherheit so gemeint – „Der Kopf muss leer sein beim Schwung. Vorher checkst du deinen Griff, richtest dich korrekt aus und stellst dir vor, wo dein Ball landen wird. Siehst du, wie viel Platz dort draußen ist? Keine Enge, kein Problem! Und jetzt denkst du nur mehr daran, wie der Ball fliegt.“ Das Par erscheint mir im Nachhinein unspektakulär einfach. Ich erinnere mich nur noch an das saftige Fairway und die blühende Blumeninsel.

Locker schwingen, easy scoren
Loch 5, ein 117/143 Meter langes Par 3, ist ein weiterer Augenschmaus: Wasser rechts vom Grün, links ein Bunker und eine Allee als schmucker Rahmen um den Abschlag. Meine Angst vor der Enge ist kuriert, aber wiederum plagen mich Gedanken, ob ich das Grün treffe. O’Donovan kennt meine Gedanken. „Das Wichtigste ist Vertrauen in deinen Schwung. Stell dir vor, du spielst gerade dein Lieblingsloch: Es gibt keine Bunker und kein Wasser.“
An meinem Stirnrunzeln erkennt er, dass das nicht wirklich funktioniert. „Bei kniffligen Situationen musst du dein Spiel verlangsamen. Vielleicht einen Schläger mehr nehmen (also ein Eisen 5 statt Eisen 6) aber vor allem ruhig ausholen und locker schwingen. Das Tempo und der Rhythmus sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Gesagt, nicht gedacht, getan: Mein unangestrengter (ich würd’ fast sagen: hemdsärmeliger) Schlag mit dem Eisen 6 fliegt hoch durch die Luft und landet am Vorgrün. Ein weiteres easy Par, um nicht zu sagen very easy.

Sehr wichtig, erklärt mir O’Donovan, ist das richtige Aufwärmen vor der Runde. Zuerst locker einschlagen und abschließend jenen Schlag üben, der auf Tee 1 benötigt wird, das schafft Vertrauen für die Runde. Vorher noch am Puttinggrün zehn konzentrierte Putts aus unterschiedlichen Distanzen spielen – für das Gefühl und zum Entspannen vor dem Abschlag.
Dann kann man die Runde von Anfang an richtig genießen. Auf Loch 7 (Foto links) zum Beispiel beachte ich die beengenden Bäume gar nicht mehr und bemerke erstmals – dank O’Donovan – die Hügel von Maria Enzersdorf hinter dem Golfplatz: „Ist der Toskana-Blick nicht herrlich“, ermutigt mich der Pro und schon fliegt mein Ball – mitten durch die Schneise in die Weitläufigkeit des Fairways. Und Loch 11, ein 306/381 Meter langes Par 4 mit Halbinselgrün wird – quasi retrospektiv betrachtet – eine meiner Lieblingsbahnen. Wie überhaupt viele Löcher dank ihres markanten Layouts einprägsam und sich nachhaltig positiv auf mein Golfgemüt schlagen.

„Immer sagt man ‚Aber‘ im Leben – ‚Aber‘ – und alles bleibt beim Alten“, lässt Regisseur Fassbinder im eingangs erwähnten Film seine Protagonistin sagen. Ab dieser Runde mit dem Pro kein „Aber“ mehr, und auch kein Wenn. Nur mehr schöne Bilder von schönen Golfbahnen im Kopf und beim Schwung gar nichts. Beinahe.

Adresse:
Rennweg 50, 2345 Brunn am Gebirge
Telefon:
+43 2236/337 11
Fax:
+43 2236/338 63
Email:
club@gccbrunn.at
Webseite:
www.gccbrunn.at
Präsident(in):
Chong Ho Rhee
Manager(in):
Claudia Siebenhandl
Sekretariat:
Brigitte Kolarich
Öffentlich:
nein
Loch:
18 Loch
Par:
70
Länge:
4801 m bis 5460 m
CR Gelb:
68,8
CR Rot:
70,3
Slope Gelb:
123
Slope Rot:
123

Übungsanlage
 
Beheizte Range:
nein

Greenfee:
 
Art:
18-Loch-Fee
Greenfee:
Mo–Do € 75,–
Fr–So, Fei € 90,–
Ermäßigungen:

Kinder & Jugendliche 50 %
Studenten bis 25 Jahre mit Ausweis 30 %

Nur Rangefee:
€ 8,– (Jugendliche € 5,–)

Amateur:
Alexander Rothmund
Schlagzahl/Jahr:
67 Schläge/1998
Amateur:
Matthias Thomas Kaufmann
Schlagzahl/Jahr:
66 Schläge/2013
Golfschule:
nein
Headpro:

Pepi J. Ebner
25 Min. € 35,–
PE/TE Kursanfragen unter +43 699/111 166 99

Pro:

PE-Kurs:
jedes 1. Wochenende pro Monat € 190,00/5 x 2Stunden
TE-Kurs:
auf Anfrage
Golfschnuppern:
nein
Datenstand: 2016-05-12

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