301 GC Semmering [0]

Viele Sommer halten frisch

Nein: Ich probiere gar nicht die Historie von Golf am Semmering nach zu erzählen. Vor einigen Jahren gab es dazu eine gelungene Festschrift.
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Im Zeitraffer liest sich die Geschichte so: 1926 beauftragte die Südbahngesellschaft (Betreiber der Semmering-Bahn) einen englischen Golfarchitekten, rund um die Meierei des 1882 gegründeten Südbahnhotels neun Löcher auszustecken. Der Semmering stand damals am Beginn einer Karriere als Sommerfrische par excellence.

Luxushotels wie Palace, Panhans und Südbahnhotel (auch der Herzog von Windsor war Stammgast) hätten mit ihren Tennisplätzen, Pools (im Panhans gab’s sogar ein Alpenstrandbad), Dampfbädern und Golf mit modernen Wellness-Anlagen locker mithalten können. Ich traue mir zu sagen: Wellness ist auf dem Semmering erfunden worden.

301 GC Semmering
Anschrift Meierei 122
A-2680 Semmering
Telefon +43 2664/81 54
Fax +43 2664/21 14
Web www.gcsemmering.at
Email gcsemmering@golf.at
Greenfee 40/50 Euro
Mitgliedschaften ab 1100 Euro
Jahresgebühren ab 684 Euro
Platzdaten 9 Loch, Par 62,
3352 bis 3786 Meter

Der Ort Semmering selbst war eine künstliche Hotel- und Villenkolonie, nach und nach entstanden aus der Notwendigkeit, staunenden Benützern der Semmering-Bahn ein Quartier zu bieten und dem Geldadel eine Sommerfrische. Der Golfplatz, dessen Gelände vorher als Loipe und Skisprunganlage diente (die alte Schanze II lag dort, wo jetzt Loch 7 gespielt wird, weiß Fred Krenosz, das älteste aktive Clubmitglied, der auch von Gleitflugkonkurrenzen berichten kann), wurde vorerst Mitglied im Deutschen Golfverband. 1931 gründete der GC Semmering mit dem GC Wien, Country Club Lainz und Dellach den Österreichischen Golfverband. 1933 entwarf der bekannte Plakatkünstler Hermann Kosel das berühmte Plakat, das – ein ruhmloses Interregnum eines faden Hirsch-Logos ausgenommen – stets das Markenzeichen des Clubs war.

Fairways als Acker

Im Lauf der Geschichte passierte einiges: Im Krieg wird der Platz zu Acker und Viehfutterwiese. Bis 1962 wird er wieder in den Originalzustand versetzt. Nach einem Verkauf des Hotels 1973 wird aus dem GC Semmering kurzfristig ein Golf- und Countryclub Semmering. 1978 wird der alte Club reaktiviert. Nach einem weiteren Verkauf des inzwischen geschlossenen Hotels geht der Platz 1993 an die Brüder Anton und Egon Presoly. (Deren Erben sind die aktuellen Besitzer.)

So viel sich auch getan hat: Die Basis blieb unverändert. Die Meierei ist weiter kuscheliger Mittelpunkt, als Gasthaus liebevoll geführt von Mehlspeis-Kaiserin Herta I. (Weninger). Weil das Haus unter Denkmalschutz steht (wer genau schaut, entdeckt am Giebel ausgebleichte Südbahnhotel-Inschriften), müssen notwendige Sanierungen unterbleiben – leider und dennoch auch wieder Gottlob. Die Spielreihenfolge der Fairways wurde gegenüber dem Original verändert (die alte Eins ist jetzt die Fünf), doch die hängenden Fairways mit ihren blinden Fahnen blieben bis auf winzige Korrekturen unverändert, so Honorary Secretary Schilowsky: Das nunmehrige erste Tee etwa liegt näher am Grün (aus Sicherheitsgründen, Grün zwei ist halt doch nah) und ein neuer Speicherteich lindert die Wassernot.

Falls Sie einen Besuch am Semmering planen: Vielleicht können Sie sich mit Fred Krenosz treffen. Der kennt einen Haufen Anekdoten, etwa die vom alten Greenkeeper Anton, der noch mit der Sense mähte, und am besten schmecken diese Geschichten nach der Runde bei Kaffee und Kuchen.

 

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