Die letzen Pars des Jahres [0]

Eine Runde auf den Sommergrüns der Thermengolfanlage versüßt den weihnachtlichen Familienausflug in die Südsteiermark.

Der Boden ist noch gefroren, als wir am Christtag nach langer Zeit wieder zu chippen probieren. Es ist erst 10 Uhr, die tiefstehende Sonne blendet uns und der Flight ist besser eingepackt als gestern die Geschenke unterm Weihnachtsbaum.

Nur mit viel Kraft bekommt man das Tee in den Boden. In den schattigen Ecken hält sich noch eine dicke Reif-Schicht. Während die meisten Clubs bei solchen Platzverhältnissen eine strenge Platzsperre verhängen, sieht man das in Loipersdorf nicht so eng. Auf der Autobahn, beim Anruf der Hotline, hat man uns bestärkt, am Vormittag abzuschlagen. Nachdem die Bälle nun im Spiel sind kommt auch schon der Ranger und kassiert das günstige Greenfee.

 

 

 

 

Der Platz spielt sich komplett anders, als man es in der Hochsaison gewohnt ist. In hohen Bogen springen die Approaches zu Beginn noch von den Grüns – also die Bälle tief auf die Tanzfläche bringen! In den Bunkern stehen gefrorene Lacken und der Sand ist hart, wie auf einer Laufbahn – da sind scharfe Wedges mit wenig Bounce gefragt. Die Fairways und Roughs geben sich winterlich zerzaust, aber wir haben keine falschen Ansprüche und freuen uns, zu Golfen – ohne uns in ein Flugzeug gesetzt zu haben, ohne widerwilliges Hotelpersonal und ohne garantierte Teetimes von denen vor Ort niemand etwas weis.

Als erster Flight am Platz haben wir die Aufgabe, die Fahnen umzustecken. Den ganzen Winter über sind auf jedem Grün zwei Löcher gestochen und jeden Tag wird auf ein anderes Ziel gespielt – so kann sich der Rasen um das Loch erholen. Divots und Pitchmarken, die bis ins Frühjahr nicht mehr zuwachsen? Frostschäden vom Betreten des Reifs? Ist alles nicht so schlimm; 9 Löcher werden auf der 27-Loch-Thermengolfanlage geopfert, weil im Frühling die Wunden schnell verheilen und anfangs mit den andern 18 eröffnet wird. Dieser großzügige Umgang des Clubs erfreut Mitglieder und Gäste und beim minimalen Personalaufwand ist auch ein schöner Umsatz drinnen.

Um die Mittagszeit gewinnt die Sonne an Kraft. Wir ziehen die Jacken aus, spielen im Pullover und ohne Hauben. Das leuchtende Grün bildet einen Kontrast zu den finsteren, kahlen Baumriesen und die tiefe Sonne wirft heftige Schatten über den Platz. Die langsam auftauenden Fairways bieten saftiges Gras und eine aufregende Härte. Als die Grüns zu halten beginnen, scoren wir die letzten Pars des Jahres.

 

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