4Ball-Challenge

Heißer Tanz in Freiberg [0]

„Als ich die Auslosung das erste Mal sah, ahnte ich schon, dass es ein heißer Tanz sein wird…“ SPANNUNG PUR liefert dieser Vierball-Reporter-Bericht von Herbert Edlinger.

Albin Poller & Herbert Edlinger. („Leider gibt es keine Fotos mit unseren Gegnern weil es unmittelbar nach der Runde stark zu regnen begann.“)

 

Gruppe 24
Hans Magagna & Dirk Maurer (GC Thalersee) vs. Albin Poller & Herbert Edlinger (GC Gut Freiberg)
Spielort: GC Gut Freiberg

Als ich die Auslosung das erste Mal sah, ahnte ich schon, dass es ein heißer Tanz sein wird, auch wenn das Match auf unserer Wiese in Freiberg ausgetragen wird. Die Gegner kennen unseren Platz sehr gut, ein wirklicher Heimvorteil wird das nicht werden. Denn das Team Magagna/Maurer ist bekannt dafür, dass sie einige Freiberger Vierballteams in den vergangenen Jahren aus dem Bewerb geworfen haben, teilweise mit beeindruckender Vorstellung und immens niedrigen Scores. Ich darf mich dazuzählen, vor einigen Jahren in Thal spielte Dirk alleine mit seinem beeindruckenden Score 9 über Par Brutto (mit Hcp -24) meinen damaliger Partner und mich an die Wand und aus dem Bewerb.

Viele Freiberger Clubkollegen sprachen uns in den letzten Wochen auf das bevorstehende Match an, gaben uns Tipps, verrieten uns Geheimnisse über mögliche Schwachstellen in deren Spiel, aber bei allen gutgemeinten Ratschlägen glaubte ich herauszuhören, dass sie uns insgeheim wegen diesem schweren Los bedauerten und ein Ausscheiden in der ersten Runde ziemlich wahrscheinlich wäre.

Nun, mein Spielpartner Albin und ich machten uns keine großen Gedanken bezüglich Taktik oder Strategie. Albin ist von Natur aus ein richtig kaltschnäuziger Spielertyp, den bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Ich habe schon Runden miterlebt, bei denen bedingt durch Albins selbstverständliches Selbstbewusstsein und seiner trockenen Kommentare seine Gegner auf den letzten Löchern Girlies und Benziger fabrizierend, mit in die Wallachei socketierten Bällen einen sicheren Vorsprung jämmerlich verspielten – und die Flightrunde auf der 19 berappen mussten.

Bitte nicht missverstehen, er ist nie unfair, aber im Zählwettspiel mit 2 down an der 18 bewirkt ein trockenes „des Loch spül I imma nur Par oda Birdie“, beim Gegner manchmal unerklärliche lähmungsähnliche Zustände und verursacht einen „Jean van de Velde“ -Effekt, das kann ich sowohl als Betroffener und Zeuge bestätigen. Ich bin durch unzählige Runden mit Albin gegen solche und ähnliche Einflüsse geeicht, mich bringt so schnell nichts mehr aus dem Konzept. An unserem Nervenkostüm wird’s also nicht liegen, sollten wir den Battle verlieren, dann wird die Ursache eher an unserem schlechten Spiel liegen. Mehr Sorgen machte uns der Umstand, dass vom Handicap her die Thaler an einigen Spielbahnen einen Schlag vor hatten, diese Löcher galt es zu überstehen.

Nun, ein Termin mit den Thaler Kollegen war fixiert, im letzten Sonntag im Mai gings auf die Runde: Lockere Atmosphäre, gute Stimmung, der Schmäh rennt, kein Regen, also ideale Vorraussetzungen für eine nette Golfrunde. Albin und ich waren gut drauf, in den vergangenen Tagen trafen wir die Bälle recht solide, dementsprechend sicher knallten wir unsere Bälle auf der ersten Bahn aufs Fairway. Dirk hatte ein Startproblem, aus Gelb und aus dem fettem Rough nur die 8, aber Hans fixierte mit einem super Bunkerschlag die 6, netto 5. Mein Putt zum Par und netto 4 ist gefallen, Freiberg 1 auf. So kanns weitergehen, dachten wir uns.

Auf dem Par 3 der zweiten Bahn verfehlten Albin und ich das Grün, Albin nach Wasserball, Chip und Zweiputt die 5, mir gelang nach Chip und Zweiputt noch das Bogey. Hans und Dirk trafen das Grün, Dirk versenkte seinen 7-Meter-Putt. Neuer Nettostand: 1 zu 4. Drei Schläge verloren auf einem Loch!! Erinnerungen wurden bei mir wach, als vor Jahren Dirk in Thal einen Bananenball über die Drivingrange zauberte und den Meterputt lochte, damals waren wir mit Par am ersten Loch 2 Schläge down…

Albin trifft an der 3 das Grün in regulation, 2 Putts zum Par bringen uns wieder einen Schlag näher, weil Dirk dem Wasser nicht ausweicht und der Ball von Hans nach Chip nur zum Bogey fällt.

Mein Birdieputt an der 4 geht knapp vorbei, Hans zaubert aus dem Rough zum Tap-In Par, Loch geteilt.
Par 3 auf der 5, Albin und Dirk auf dem Grün, Albin Par, Dirk Par, Netto Schlaggewinn durch Thal, Freiberg 2 down.
Loch 6 und 7 jeweils geteilt mit netto 5, meine Par-Putts wollten nicht fallen: auf der 6 an der Lochkante gekratzt und am Grün 7 auf der Linie verhungert.

 

Der Meister des Texax-Wedges

Albins Drive landet auf der 8 Mitte Bahn, Ich greife an, nehme die Tigerline über die Bäume, mein Ball bleibt auf der Ideallinie – zumindest den halben Weg – dann überlegt es sich mein Herr Wilson und verschwindet mit einer überdeutlichen Rechtskurve unter lautem Krachen im Wald. Dirk und Hans solide Richtung Fangzaun zur Driving-Range. Dirk, Hans und Albin legen vor (Albin unfreiwillig), Hans und Dirk treffen mit 3 das Grün, Außenseiterchance aufs Par. Albin hat noch ca. 20 Meter zum Stock. Und der „Meister des Texas-Wedges“ zückt seinen Putter, nimmt Maß, holt aus und jagt seine Kugel über 15 Meter Fairway, 2 Meter Vorgrün und 3 Meter Grün eineinhalb Meter unterhalb zur Fahne. Ein trockenes „I moch glei fertig“ zu den Kollegen und locht zum Par ein. Dirk und Hans schaffen mit ungläubigem Blick und offengebliebenen Mund nur das Bogey, Freiberg nur mehr 1 down.

Albin Poller mit dem „Texas-Wedge“

An der 9 zuviel Adrenalin bei Albin, sein 9er Eisen befördert den Ball mit einem ein wenig übertriebenen High-Draw über die linke Aut-Grenze aufs Dach der Driving-Range und ward nie mehr gesehen. Ich spiele sicher aufs linke Vorgrün und wir teilen das Loch mit Par.

Nach der Halbzeit also einen Schlag zurück, davon vier realistische Birdiechancen nicht genutzt. Die zweiten 9 in Freiberg spielen sich normalerweise schwerer, aber unsere Mitspieler haben an einigen Löchern bedingt durch deren höheres Handicap einen Schlag Vorsprung. Wir denken uns, dass endlich mal ein längerer Putt fallen muss, werden also unsere Taktik beibehalten (Eigentlich besteht unsere Taktik nur daraus, auf das Spiel des Partners zu reagieren, wenn der Partner gut liegt, dann Angriff, ansonsten sicher ablegen. Wer z.B. als Erster abschlägt, wird durch ein Kopfnicken entschieden…) Auf Fehler der Mitspieler brauchen wir nicht zu hoffen, Dirk und Hans machen zwar auch schlechte Schläge, aber kaum zugleich und wenn doch, ist der andere zur Stelle. Ohne Grund waren die beiden nicht schon mehrmals Finalteilnehmer.

Am Par 3 der 10 treffe ich als einziger das Grün, Hans wieder mit gutem Chip und Putt ein Par, mein Birdieputt rasiert wieder mal die Lochkante.

Ein Traumabschlag von Albin an der 11 mit dem Driver über die Bunker aufs Fairway, ich lege mit Eisen aufs Fairway ab, will sicher vorlegen. Dirk und Hans verfehlen die Spielbahn und müssen vorlegen. Angriff aufs Grün von Albin, kurz nach dem Ballkontakt entscheidet er sich doch fürs Vorlegen, begleitet durch einen lauten Ruf: „Fett!“ Beeindruckt hat Ihn offensichtlich der entgegenkommende Flight, bestehend aus unseren Mitstreitern der allwöchentlichen Handicapgeier, die ein paar Minuten höchst interessiert dem Geschehen folgen. Nun, nicht weiter schlimm, Albin, Dirk und ich mit drei am Grün, Hans folgt mit vier, zeigt Dirk mit seinem Putt die Linie, es folgen Bogeys für Thal und Freiberg, Loch geteilt, Wir Freiberger liegen weiterhin einen Schlag zurück.

An der 12 gute Drives von Albin und mir, Dirk macht es uns nach, Hans macht sich bereit, wird aber gestört von Andrea, unserer guten Fee vom Clubrestaurant; sie hat gerade die Getränkeautomaten vom 14er gefüllt und rattert mit dem E-Cart voller Getränkeflaschen dem Cartweg entlang uns entgegen. Hans muss warten, bis unsere Kellnerin aus der Gefahrenzone ist und donnert dann entschlossen seinen Drive links in den Wald. Strafschlag, Drop, aufs Grün und Zweiputt nur zur Sechs. Dirk verzieht seine Annäherung nach rechts, muss Chippen und scort die Fünf. Albin aufs Vorgrün, Ich aufs Grün, Birdieputt wieder einmal knapp vorbei, aber zumindest konnten wir ausgleichen.

Spannend die 13, ein Par 5:
Hans und Albin verfehlen das Grün mit dem Dritten, beide haben einen schweren Chip vor sich. Ich nehme Maß und schlage meinen Ball bei spürbarem Gegenwind mit einem 8er Eisen 4 Meter zur Fahne auf das stark erhöhte Grün. Dirk nimmt Maß, toppt seinen Ball mit dem Wedge 30 cm über dem Boden unter dem Wind Richtung Grün, trifft den Grünhang, der Ball springt am Bunker vorbei, übers Grün hinaus, Ball kommt vom Gegenhang runter und liegt 5 Meter vom Loch am Vorgrün. Dirk hat einen Schlag netto vor und spielt sein Par, aber endlich fällt mein Birdieputt und wir können das Loch teilen.

Auch an der 14 haben Dirk und Hans einen Schlag vor:
Wir vier Helden verfehlen alle das Grün, Albins Ball verfehlt sogar den Golfplatz… Ich kann mit Lob und Putt das Par retten, Hans scort mit Chip und Putt die Vier zur Netto Drei. Wieder ausgeglichen.

Am Weg zum Abschlag zur 15 die Bemerkung von Albin „So, jetzt bin i wieder amoi dran“ und legt sicher Mitte Fairway ab. „Von mir aus gerne“, denke ich mir und verzieh sicherheitshalber meinen Abschlag links in den Bach. Ich spiel nur das Doppelbogey, aber Albin souverän genauso wie Dirk und Hans das Bogey zum Netto Par. Dirk und Hans beide aus dem schweren Grünbunker, dafür verdienen sie Respekt!

Es geht zur 16, unser schweres Dogleg Par 4:
Ich lege sicher Mitte Faiway ab, Albin hat einen Energieanfall und donnert seinen Drive zur absolut besten Ausgangslage am letzten Zipfel des Fairways. Ich denke nicht, dass ein Pro von der Alpstour vor ein paar Wochen seinen Abschlag so perfekt platzieren konnte. Hans rechts im Rough, Dirk mit einem sehenswerten Dreierholz 15 Meter weit sicher abgelegt aufs Damentee. Beide Thaler legen vor. Ich nehme erstmal den Druck von Albin für seinen Approach und schieße Mr. Wilson Richtung Grün, es bleibt ein Chipperl und ein Putterl über. Dirks dritter Schlag landet in der Nähe meines Balles, der Dritte von Hans am Vorgrün. Albin nimmt Maß und trifft perfekt, Ball bleibt 2 Meter vom Loch entfernt liegen. Dann chippt Dirk und rasiert die Lochkante, ich glaubte, mein Herz bleibt stehen… Albins Birdieputt fällt zwar nicht, aber ein sicheres Par, jetzt haben wir einen Schlag Vorsprung und dazu den Polster der besser gespielten zweiten 9.

An der 17 treffen alle das Fairway, alle treffen das Grün. Albin puttet als Erster ca. 12 Meter quer übers Grün auf die Fahne. Ich bediene die Fahne und sehe schon, der ist gut, der ist sehr gut, der wird immer besser, der ist drin! Ein typischer AP-Putt eben, so wie ich Albin kenne! Ich verzichte auf meinen Bierdieputt, und hebe meinen Ball auf, will Dirk die Linie nicht verraten. Nützt nichts, auch Dirk versenkt seinen 5 Meter Putt souverän.

Auf geht’s zur 18:
Dirk hat einen Schlag vor, wir führen um einen Schlag, also Brutto besser oder gleich wie Dirk, heißt die Devise für den Aufstieg in die zweite Runde. Albins und mein Abschlag leicht rechts auf den Hügel, sichere Seite, zwar im Semi-rough, aber gerader Stand zwischen Fairway 1 und 18 und freie Sicht aufs Grün. Dirks Drive landet rechts vom Fairway, bleibt in der Schräge liegen. Hans verzieht seinen Drive links in die Brennnesseln und kann nur kurz aufs Fairway chippen. Dirk zaubert trotz seiner unangenehmen Balllage einen sauberen Schlag rechts neben das Grün. Chip-Putt zum Par möglich.
Dann wieder Albin. Wir beraten uns kurz, er hört auf meinen Rat, nimmt ein kürzeres Eisen, als er ursprünglich spielen wollte, er trifft, der Ball fliegt exakt Richtung Fahne, kommt einen Meter vor dem Grün auf und springt Richtung Loch. 2 Meter zum Birdie. Meine Annäherung bleibt zu kurz, weil zu fett, aber mein Bogey war nicht mehr wichtig. Dirk und Hans spielen auch je ein Bogey, Albin ein sicheres Par. Wir gewinnen mit einem Nettoschlag Vorsprung.

Ergebnis:
Albin Poller & Herbert Edlinger gewinnen mit 66 Schlägen netto (75 Schläge brutto) gegen Hans Magagna & Dirk Maurer mit 67 Schlägen netto (81 Schläge brutto).

Sofort nach dem letzten Putt die Gratulation von Hans und Dirk, absolut fair und sportlich. Danke Dirk für die Getränke im Greenhorn, unserem 19ten Loch in Gut Freiberg.

Egal, wie weit Albin und ich heuer kommen werden, das war eine absolut fantastische Golfrunde: spannend, dramatisch und mit einem besseren Ende für uns Freiberger. Kann mich auf so eine Runde im Zuge der Vierball-Challenge nicht erinnern, und heuer ist das immerhin mein achter Versuch, ins Finale zu kommen.
Auch wenn es heuer wieder nicht klappt, hoffe ich, dass die nächsten Matches ähnlich dramatisch und spannend sein werden, das macht den Reiz der Vierball-Challenge aus. Und nächstes Jahr gibt’s die nächste Chance…

Herbert Edlinger

 

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