4Ball-Challenge

Beim letzten Putt [1]

Mit meinem Partner und Teamkapitän Gerhard Gangl (Hcp 11,4) nehme ich Hannes Rechnitzer (Hcp 14,6) seit vielen Jahren, mit bisher mäßigen Erfolg, an der 4Ball-Challenge teil.

Voller Einsatz bei der 4-Ball Challenge!

Unsere Gegner hatten erst am Mittwoch 17.8. die 3 Runde beendet und sollten 4 Tage später schon wieder antreten und waren daher nicht gerade begeistert. Aber auch von unserer Seite galt es einige Hürden aus dem Weg zu räumen. Gerhard musste eine Familienfeier überstürzt verlassen, und dass obwohl für dieses Wochenende seine Tochter aus Frankfurt angereist war. Ich wiederum hatte seit langen mit meiner Frau, Schwager und einigen Freunden ein Wochenende in der Südsteiermark geplant und musste von dort frühzeitig am Sonntagmorgen abreisen, um den Termin zu schaffen. Aber 4Ball Challenge Verpflichtungen haben höchste Priorität sogar mehr als Familienbande. Das wird Gerhard und mir einiges an Wiedergutmachungsaktivitäten abverlangen.

Beim Einchecken eine negative Überraschung: in Ebreichsdorf bekommen 4Baller nur von Montag bis Donnerstag Ermäßigung. Wir hätten das volle Greenfee von satten 90 Euro bezahlen sollen. Nach zähen Verhandlungen konnten wir zumindest einen kleinen Rabatt aushandeln. Hat dies die Murhof Gruppe wirklich nötig? Schnell noch die Pin Position von Der Anschlagtafel ablesen (heute Nr.3) und dann kann es losgehen. Wir starten gut, gewinnen Loch 1 mit einem Schlag dank eines grandiosen 10 m Par Putts von meinem Partner und Kapitän Gehard. So einen langen Putt gleich zu Beginn zu lochen schafft schon mal einen kleinen psychologischen Vorteil. Loch 2 ist das schwerste Loch in Ebreichsdorf und hat es in sich – eng und mit Wasser vor dem Grün. Liane und ich legen vor, aber die Niedrighandicapper greifen an und landen beide im Wasser. Ich fühle mich ein wenig mitschuldig habe ich doch lautstark die Entfernung zur Fahne kundgetan. Bewaffnet mit einem Birdiebook bei mir und mittels Pin Position 3 keine Hexerei. Den schüchternen Einwand von Liane dass am Abschlag Pin position2 angeschlagen war – und damit die Fahne nicht vorne sondern hinten im Grün stand -ignorierten wir Männer alle geflissentlich. Frauen kennen sich ja sowieso nie mit Zahlen aus.

Gott sei Dank ist auch ihr Ehemann Gerd von meiner selbstbewussten Ansage beeindruckt und glaubt eher uns als seiner Frau. Es lag also an Liane und mir die Kastanien aus dem Feuer zu holen, was Gott sei Dank Gerd seiner Frau – zu unserer Freude – auch lautstark mitteilte. Diese bedankte sich für den so auferlegten Druck mit einem Dreiputt und wir konnten auch Loch 2 mit einem Schlag für uns entscheiden. Fairerweise muss dazu gesagt werden, das auch der Club in Ebreichsdorf dazu beigetragen hat, mit seiner undurchsichtigen Informationspolitik in Sachen Pin Positions, aber durch Erfahrung lernt man am besten…Also lagen wir sehr schnell 2 auf. Die nächsten 3 Löcher haben wir brav geteilt, Auf Loch 6 landet mein zweiter Schlag aus 150 m 3 m neben der Fahne das Birdie habe ich zwar verschoben, aber Par (netto Birdie) reicht zum dritten Schlaggewinn für uns.

Am 7.Loch verzieht mein Partner seinen Abschlag ins rechte Rough, ich meinen ins linke Semirough, so dass wir erst mit dem dritten am Grün sind Gerd hat einen sehr guten Drive und sein Annährungs-schlag landet knapp hinterm Bunker am Grünrand ideal für die kurz gesteckte Fahne. Aber ich hatte ja Gerhard im Team ohne lange zu fackeln versenkt er seinen Ball aus 12 m. Ich hatte fast schon damit gerechnet, denn sein Putten war in letzter Zeit einfach unglaublich, erst letzte Woche in Donnerskirchen spielte er 12 Pars bei nur 3 in Regulation getroffenen Grüns. Wenn man sich so auf die Putts seines Partners verlassen kann, dann hat Manns richtig gut. Nun lag der Druck auf Gerd er will das Birdie erzwingen, überspielt das Loch deutlich, auch der Retourputt verfehlt sein Ziel und wir liegen 4 Schläge auf. Erneut ein psychologisches Plus für uns – aber wir kannten noch nicht die Abgebrühtheit unserer Gegner und unsere eignen Schwächen traten noch nicht zu Tage.

Loch 8, 9 und 10 teilen wir nach tollem Schlagabschlag mit jeweils Brutto par (Nettobirdie). Die 11 ist mein letztes Angstloch in Ebreichsdorf. Wir vorausgeahnt verziehe ich den Drive nach links, er streift die Bäume und landet zwischen Wasser und Wald. Aber auf meinen Partner Gerhard ist Verlass und er kann mit dem Par von Gerd locker mithalten.

Also geht es mit 4 Schlägen Vorsprung auf die 12te Bahn. Nominell das zweitschwerste Loch, aber für mich kein wirklich schweres Loch, schon eher für die Lowhandicapper die mit dem 2ten Schlag das Grün erreichen müssen. Ein sympathisch breites Fairway und großes Grün schrecken nicht wirklich. Nach meinen Angstlöchern fällt der Druck von mir und ich glaube nun fest an unseren Erfolg. Aber man darf sich bei diesem Spielformat nie zu sicher sein. Mein Abschlag gelingt souverän, Gerhard mein Partner ist auch voll motiviert und haut drauf was das Zeug hält mit dem Erfolg dass er einen veritablen Pullhook fabriziert der auf Nimmerwiedersehen in den Büschen links verschwindet. Ich denke mir: „Was soll‘s mach ich es halt alleine“.

Auch mein zweiter Schlag ist ganz gut, landet etwa 20 m vor dem Grün. Ich entscheide mich für einen Chip, meinen sichersten Schlag. Volltrunken vor Euphorie gelingt mir ein respektables Sockett und schon ist das Hochgefühl wie weggeblasen und das Kniezittern setzt ein. Gerd setzt seinen 2ten Schlag in den Fairway Bunker, sein souveräner Bunkerschlag und der gelochte Putt bringen unseren Gegnern das Par, während ich nach nun erfolgreichen Chip den Bogeyputt vorbeischiebe. Mein einziges Doppelbogey an dem Tag hat fatale Folgen. So schnell verliert man zwei Schläge und das aus heiterem Himmel und ohne zwingenden Grund.

Mit der 13 und 14 folgen die beiden leichtesten Löcher am Platz. An der 13 haben alle außer Liane einen guten Abschlag. Sie liegt deutlich links und gute 125m vorm Grün während wir anderen unter 100 m liegen. Gerd gibt genaue Instruktionen an Liane, die zwar etwas genervt und gestresst, aber brav seinen Anweisungen Folge leistet und den Schlag via Pensionisteneingang zwischen den Bunkern durch ans Grünende befördert. Von dort gelingt ihr problemlos das Par. Wir hingegen setzen unsere Annäherungsschläge in den Bunker. Das up and down misslingt beiden und wir verlieren den nächsten Schlag. Nur mehr eins auf. Nun sind wir richtig angeschlagen alle Souveränität der ersten neun ist wie weggeblasen.

Nun folgt eines der Highlights der Runde. Die 14 ein langes Par 3 mit Wasser links vorm Grün. Gerd und ich legen sicher rechts neben dem Grün unsere Schläge ab, Mein Partner Gerhard attackiert und ist etwas zu kurz, der Ball landet knapp im Wasser, Liane spielt ihren Ball kurz vors Grün. Wir sehen uns die Misere an. Gerhards Ball liegt nur 15 cm vom Wasserrand entfernt. Kurze Lagebesprechung und einstimmige Entscheidung: Gerhard spielt den Ball wie er liegt. Schlussendlich sind wir versierte Sky Golf Zuseher und die Pros spielen solche Bälle auch, also warum soll es Gerhard nicht auch gelingen? Gesagt getan Gerhard zieht sich den rechten Schuh aus. Gott sei Dank schreit Liane „Mach ein Foto“. Dank Smartphone hat man ja immer eine Kamera bei der Hand um alles zu dokumentieren. Siehe angehängtes Foto.

Gerhard steigt ins Wasser und haut nach dem Ball. Natürlich wurde es ein Schlag ins Wasser und der Ball hatte keinen Augenblick im Sinn sich auch nur um einen Zentimeter aus dem kühlenden Nass zu bewegen. Statt der Erinnerung an die erfolgreichen Cracks der PGA tour kam uns plötzlich wieder die traurige Gestalt von Jean van der Velde bei den Open 1999 in Carnoustie in den Sinn, bei der er immerhin den so sicheren geglaubten British Open Sieg versemmelte, bei uns ging es ja „nur“ ums 4Ball Finale, aber auch das schmerzt. Ich habe sowieso den Verdacht dass Gerhard mehr die Abkühlung an diesem heißen Tag im Sinne hatte als den Ball von dort vernünftig aufs Grün zu spielen. Es kam wie es kommen musste ich verschob den Par Putt, Liane spielte wiederum das Nettopar und wir hatten Einstand.

So ging es auf die 15. Gerd konnte es nicht hintanhalten uns unter die Nase zu reiben, dass bei Gleichstand Schlussendlich die besseren 2ten Neun entscheiden und damit die Trümpfe klar bei Ihnen lagen. Wir hingegen mussten uns neu sortieren und motivieren. immerhin hatten wir drei netto Bogey in Serie hingelegt (!) und 4 Schläge Vorsprung in auf den letzten drei Löchern (inklusive der beiden leichtesten Löcher am Platz) aufgebraucht. Also ging es auf die letzten 4 Löcher und die hatten es wahrlich in sich, fast so wie die letzten 4 Löcher auf der PGA Championship dieses Jahr, an Dramatik kaum zu überbieten. Aber schön der Reihe nach.

Zuerst die 15 ein Par 5 mit einigen Wasserhindernissen und Wald links und rechts. Mein Abschlag gerät zu weit links und verschwindet unauffindbar in den Bäumen, die andern spielen sicher aufs Fairway. Ich muss meinen provisorischen Ball spielen, aber mein vierter Schlag gelingt sehr gut. Und wieder einmal durfte ich das wunderbare Gefühl erleben „man kann ja doch Golf Spielen“. Wortwörtlich mit einem Schlag war das Selbstvertrauen wieder da! Ich zirkle den Annäherungsschlag auf wenige Zentimeter zum Loch und beende mit einem „falschen Birdie“. Immerhin easy Bogey und netto Par, das mein Partner nicht mehr unterbieten kann. Liane spürt den Druck und setzt ihren Annäherungsschlag ins Wasser. Der nächste gespielte Schlag von ihr landet 5 m neben der Fahne. Gerd setzt seinen Annäherungschlag noch weiter nach links und landet am Vorgrün gut 12 m von der Fahne entfernt. Also ist Taktik bei unseren Gegnern angesagt. Gerd nimmt das Heft in die Hand und instruiert Liane, dass sie zuerst putten muss und den Ball auf gar keinen Fall zu kurz lassen darf, damit er die Puttlinie erkennen kann. Liane ganz brave und gehorsame Ehefrau spielt wie instruiert und versenkt den Putt zum Bogey (Netto par). Damit war zumindest der mein Nettopar eingestellt. Gerd nun ohne Druck und mit der Anzeige der Puttlinie seiner Frau locht zum ersten Birdie des Tages und wir liegen jetzt sogar einen Schlag zurück.

Die 16 in Ebreichsdorf ist ein kurzes Par3 übers Wasser. Meinen drei Mitspielern gelingt das Kunststück den schmalen Rasenstreifen zwischen Wasser und Grün zu treffen. Ich war noch motiviert von meinen guten Schlägen am Loch davor und haue das Ding zwei Meter zur Fahne. Den andern gelingt jeweils das Nettopar. Also liegt es an mir. Nach den letzten zu kurzen Putts, will ich diesen Putt auf keinen Fall zu kurz lassen, also spiel ich etwas fester und bumm – lippt der Ball aus. Zum Haare ausreißen. Auf den letzten beiden Löchern hat Gerd keinen Schlag mehr vor, wir anderen 3 jedoch noch jeder einen Schlag. Ein kleiner nicht zu verachtender Vorteil für uns.

Die 17 ist ein nicht allzu langes Par 4 allerdings gemeinerweise mit 3 Bäumen Mitte Spielbahn und einem Bunker in der Ideal Linie. Individualist der ich bin wähle ich, nicht ganz freiwillig, den eher ungewöhnlichen Weg links um die Bäume während die anderen brav den vorgesehenen Weg gehen, allerdings teilweise mit Sand unterlegt. Fazit mein Annäherungschlag wird von den Zweigen der Bäume leicht gebremst und landet kurz vor dem Grün Bunker, Gerhard mein Partner landet im Grünbunker. Gerd trifft als einziger das Grün. Unsere Schläge aufs Grün gelingen, auch wenn wir die Par Putts aus ca.4 m beide verschieben. Liane liegt mit 3 auf dem Grün. Ähnlich wie auf Loch 15 liegt ihr Ball auf der Puttlinie von Gerd nur näher am Loch. Also wieder die gleiche Taktik die schon auf Loch 15 erfolgreich war. Gerd zwingt Liane zuerst zu Putten. Sie fabriziert aber nun einen Dreiputt. Gerd muss es also retten, aber auch er spielt den Putt deutlich zu lang und verfehlt den retour Putt So gewinnen wir überraschend eine Schlag zurück. Zusätzlich haben wir den Eindruck dass der Druck den Gerd auf Liane macht zu stark wird und sie dem nicht mehr standhält. Hoffnung keimt wieder auf.

Es geht mit Einstand auf die 18. Die Teams sind sich einig: Gerhard und ich im Bunker, Gerd + Liane rechts im Semirough unter den Bäumen. Übrigens Gerd‘s einziger Drive der etwas weniger optimal war als alle anderen davor. Den zweiten Schlag bringen wir alle ca. 20 – 30 m vors Grün. Gerd’s dritter Schlag landet 6 m hinter Fahne, Liane verhaut ihren Chip, ihr zweiter Chip landet 2 m hinter der Fahne. Unsere Chips sind ok, aber nicht ideal und landen jeweils ca. 4 m vor der Fahne. Diesmal ist es an Gerd Liane die Linie zu zeigen und er puttet zweimal zur Netto 5 und beginnt dann auf Liane einzureden.

Showdown
Wer den Putt versenkt entscheidet das Match für sein Team. Ich fühle mich sehr sicher und putte als Erster, aber der Putt bleibt zu kurz. Dann ist es an Gerhard dem sichersten Putter. Aber welch Schreck gerade diesen Putt verschiebt auch er knapp. Also kommt es wirklich auf den allerletzten Putt in unserem Flight an. Wir wollen uns ja nicht ausreden, die Grüns in Ebreichsdorf sind ok, haben aber bei weitem nicht die Qualität der Grüns in Donnerskirchen. Was soll‘s wir haben noch immer eine Chance.

Liane muss ihren Putt aus 2 m lochen, Gerhard und ich sind uns sicher nach der Putterei auf der 17 und den Druck den Gerd macht: Den Putt verschiebt sie. Aber eisern und ohne zu zucken versenkt Sie den Putt Mitte Loch und damit unsere Hoffnungen aufs Finale. Liane hat es geschafft das Loch zu teilen. Damit verlieren wir bei Schlaggleichheit dank der schlechteren letzten 9 und Gerd und Liane fahren zum bereits dritten Mal zum Finale.

Bei einem Bier arbeiten wir das dramatische Geschehen auf und werden uns sehr schnell sympathisch. Es bleibt nicht nur beim Bier, Wein und Essen folgen. Während der Runde war die Anspannung zu hoch, so dass wir nur kaum zu richtigem small talk gekommen sind, aber nun geht es richtig los. Von wegen Frauen können nicht mit Zahlen. Liane ist Finanzfachfrau und das nach abgeschlossenem Medizinstudium und Gerd ist so wie ich in der EDV Branche, außerdem teilen wir viele Vorlieben für Golfdestinationen, Wein,… Wenn wir schon verlieren mussten, dann haben wir wenigstens mit Stil verloren und an ein sehr sympathisches Paar, dem wir allen Erfolg beim Finale vergönnen.

Zum Schluss Hut ab vor Liane. Als golfende Ehefrau hat sie es geschafft alle Tipps ihres Mannes zu befolgen ohne ihm den Schläger um den Hals zu wickeln. Meine Ehefrau möge mir verzeihen wenn ich Liane und nicht Sie als Vorbild für alle golfende Ehefrauen hinstellen möchte ! Mit Liane geriet aber auch eines meiner Weltbilder ins Wanken. Unser Teaching Pro Alex Marx – anno dazumal als ich Platzreifeprüfung machte – damals noch Assistant Pro in Donnerskirchen, hat meiner Frau immer eingebläut: Befolge nie die Tipps und Ratschläge eines Ehemannes – mir hingegen hat er gesagt wenn dir deine Ehefrau einmal einen Golftipp gibt befolge ihn sofort und ohne Widerrede. Bisher habe ich mich (fast immer) daran gehalten, aber Liane und Gerd haben diese Regel auf den Kopf gestellt – oder war am Ende der Spruch von Alex gar nicht allgemein gemeint sondern nur auf mich und meine Frau gemünzt?

 

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Kommentare

Ein Kommentar zu “Beim letzten Putt”
  1. Andi sagt:

    Super Bericht! War total spannend zu lesen.

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