Von der Lust am Reisen [0]

Reisen als Beruf: Sie hat rund 15.000 Golfplätze in 58 Ländern bereist, mehrfach den Globus umrundet, und demnächst frühstückt sie mit Tiger Woods: Evelyn Gruber ist vor fünf Jahren nach ­Florida gezogen und zieht von dort ihre Fäden in Sachen globaler Golftourismus.

Golfrevue: Noch vor fünf Jahren warst du im klassischen Golf-Reisebüro-Business tätig. Demnächst ist Tiger Woods dein Gegenüber beim Frühstück. Klingt nach einer spektakulären Karriere. 

Evelyn Gruber: Stimmt. Es hat sich viel getan in den letzten fünf Jahren, seit ich in den USA mein Business neu aufgesetzt habe.

Was genau machst du eigentlich?

Ich habe mich auf Golftourismus-Consulting spezialisiert und bin nach dem Verkauf meiner Firma TGR ein Jahr um die Welt gereist. Allein 2009 habe ich 258 Nächte in Hotels verbracht und über 150 Golfplätze weltweit gespielt. Parallel dazu habe ich meine Firma Golf Travel Consulting Inc. in Florida gegründet.

Auf den ersten Blick ein Traumjob, wenn man das Reisen mag.

Für mich ist es das jedenfalls. Aber es ist auch harte Arbeit. Ich bin für etliche große Golfdestinationen beratend tätig. Unter anderem für Floridas First Golf Coast, Kanada, Kalifornien oder Mississippi, um nur einige zu nennen.

Das heißt, es gibt nicht mehr allzu viele Top-Plätze auf deiner persönlichen To-do-Liste? 

Ein paar gibt es schon noch, keine Frage. Aber die Top 50 meiner persönlichen Favorites habe ich sozusagen erledigt. Jetzt kommt quasi die Kür.

Den Stehsatz  „Wenn einer eine -Reise tut …“ kennst du. Also hast du wohl auch sehr viel zu erzählen.

Auf jeden Fall waren bei meinen Reisen etliche unglaubliche Erlebnisse dabei. In Guatemala habe ich zwischen aktiven Vulkanen gespielt. Vermutlich deutlich gefährlicher war meine Begegnung mit einem Braunbär in Whistler, Kanada. Ich war nur 15 Meter neben dem friedlichen fressenden Riesen. Mein Probeschwung dürfte ihn aber irritiert haben. Plötzlich stellte er sich auf die Hinterbeine und brüllte ganz ordentlich. Meine Flightpartnerin hat mit dem E-Cart blitzartig die Flucht ergriffen und mich dem Bären überlassen. Ich bin starr stehen geblieben, und er hat sich wieder beruhigt. Ich habe meinen Ball dann Mitte Fairway gedropped. Straffrei natürlich.

Vom Bären zu Tiger: Du bist für einen Event mit Tiger Woods Ende Oktober in Kuala Lumpur verantwortlich und hast die gesamte Organisation über. Wie bitte kommt man dazu? 

Das hat sich aus einer meiner vier Reisen rund um den Globus in diesem Jahr ergeben: Anfang 2012 war ich für das US Commercial Service auf einer Messe in Peking, um das Produkt „Golf in Kalifornien“ zu promoten. Und dabei hat sich aus einigen Gesprächen die Idee entwickelt, Tiger Woods für einen Kundenevent anzufragen. Konkreter Auftraggeber ist die asiatische Maybank.

Klingt nach einem Projekt, das man nicht mit einem Lucky Punch umsetzen kann!

Auf keinen Fall. Aber ich habe ja schon einige Jahre Aufbauarbeit hinter mir und kooperiere mit einem Unternehmen, das für die PGA Tour Pro/Ams abwickelt. Über diese Kontakte bin ich dann zu Mark Steinberg, dem Agenten von Tiger Woods, gekommen. Und mittlerweile ist das eine sehr gute Basis, auf der wir kommunizieren.

Wie darf man sich das vorstellen? Gibt es jede Menge Sonderwünsche? Muss der Koch mitfliegen? Braucht Tiger einen Billard-Tisch oder sonstigen Schnickschnack in seinem Hotelzimmer?

Das Ganze läuft ausgesprochen entspannt ab: Wir haben einen Zeitplan für den Event gemailt, und der wurde ohne große Änderungen akzeptiert. Das einzig mühsame sind die ellenlangen Verträge, die ich bestimmt schon 15-mal umgeschrieben habe. Unter anderem muss ein Teil des Geldes bis zu einem gewissen Datum überwiesen werden. Es bleibt immer eine gewisse Unsicherheit, zumal es jetzt noch ein paar Zwischenrufe einer anderen Bank gibt, die wie die Maybank zu 50 Prozent in Regierungsbesitz ist. Wenn auch alles im Trockenen ist: Ich glaube erst daran, wenn ich mit Tiger in beim Frühstück sitze.

Wäre es nicht besser, mit ihm ein paar Loch zu spielen?

Für die meisten GolferInnen vermutlich schon. Ich wäre aber viel zu nervös. Außerdem möchte ich gerne meine Chance ergreifen und die 45 Minuten, die mir zustehen, für ein kleines Interview nutzen.

Weißt du auch schon, was du Tiger Woods fragen wirst? 

Noch nicht wirklich. Aber ich werde über unsere Kanäle ein paar interessierte GolferInnen auffordern, mir Fragen zu schicken. Die besten 20 werde ich Tiger Woods dann stellen.

Themenwechsel: Als Golftourismus-Expertin weißt du vermutlich, wie es um die Zukunft der Branche bestellt ist. Also: Wohin geht die Reise?

Wenn man mitbekommt, dass in den USA aktuell mehr Plätze zugesperrt werden als eröffnet und in Asien, speziell in China, Golf boomt, ist das nicht schwer vorherzusagen. Ohne Asien wären 90 Prozent der Golfarchitekten arbeitslos.

Und wie steht es um die Chancen der Golfdestination Österreich?

Auf jeden Fall haben wir ein fantastisches Produkt: Top-Plätze, Spitzenhotels und eine absolut kompetitive Preisgestaltung. Was uns aber in jeder Hinsicht fehlt, ist eine internationale Positionierung. Aber dafür braucht es bessere Strukturen.

Geht es ein wenig konkreter?

Vor kurzem hat mir ein Kollege aus Indien erzählt, dass er für eine Gruppe Inder, die in Österreich Golfurlaub machen wollen, versucht hat Tee-Times über eine zentrale Stelle zu buchen. Er hat es nicht geschafft, weil es die einfach nicht gibt. Und das ist für die internationale Ausrichtung schlichtweg ein No-Go.

Konzentrieren wir uns vielleicht  nach wie vor zu sehr auf den deutschen Markt?

Deutschland wird immer unser Kernmarkt bleiben. Aber wir brauchen einfach bessere Distributionsschienen, um in anderen Märkten reüssieren zu können.

Zum Schluss wollen wir natürlich wissen, wie ein Reiseprofi seine Trips organisiert und welche Tipps du für Golfurlauber parat hast.

Bei mir ist das ja ein bisschen anders. Die Destinationen sind vorgegeben, aber meine Flüge suche ich mir auf Checkfelix oder Kayak. Was aber für Golfurlauber nur selten sinnvoll ist. Denn die Golfreise-Veranstalter bekommen die besseren Preise und können Trips gut gebündelt schnüren. Das macht vor allem bei Destinationen Sinn, die man selbst noch nicht kennt. Bei kurzfristigen Trips oder bei Destinationen, die man schon gut kennt, kann man bei Direktbuchungen durchaus ein bisschen Geld sparen.

 

Zur Person
Mag. Evelyn Gruber
Golf Travel Consulting Inc.
www.golftravelconsulting.com

Geboren: 8. Februar 1967
Handicap: 14,4
Lieblingsplätze in Österreich: GC Murtal,
GC Schloss Pichlarn, GC Altentann, GC Schönborn

Lieblingsplätze im Ausland: Cape Kidnappers, Kauri Cliffs (beide NZL), Augusta, Cypress Point (beide USA)

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