Fly Niki / Otmar Lenz [0]

Ideale Reiseflughöhe

Otmar Lenz,  Managing Director bei Fly Niki, ist Pionier der ersten Stunde an der Seite von Niki Lauda, hat die Luftfahrt inhaliert und zwischendurch auch Golf spielen gelernt. Flight ist in diesem Fall also eindeutig doppeldeutig.Text: Klaus Nadizar, Fotos: Kurt Pinter.

Kommt man mit Otmar Lenz einmal ins Plaudern, wird einem rasch klar: Der Mann ist kein Hardcore-Golfer. Immer wieder sucht er in Nebenarmen unseres Redeflusses nach anderen Themen. „Mit Golf sei das so eine Sache“, gibt sich der ­Air­liner aus Leidenschaft kryptisch, um schließlich doch noch mit der ganzen Wahrheit rauszurücken. Er spiele schon seit zehn Jahren, so Lenz, aber eben nur in homöopathischen ­Dosen, die sich zur Zeit auf zwei, drei Runden pro Jahr beschränken. Und an Sachen wie „meine beste Runde“ oder „mein ­longest Drive“ könne er sich nicht erinnern.
Langsam, aber doch, lässt sich der gebürtige Salzburger, der seit den Luftfahrt-Anfängen des Niki Lauda mit an Bord ist, schlussendlich peu à peu aus der Reserve locken:
Der Erstkontakt mit Golf liegt nunmehr zehn Jahre zurück, die Gründe für den Einstieg, der bis heute, so Lenz, einer geblieben ist, sei mannigfaltig gewesen. Da war das ständige Gerede davon, dass Golf so toll sei, erzählt Lenz, und dem wollte er einfach mal auf die Spur gehen. Die Fährtensuche fand in Bad Tatzmannsdorf statt, konkret in der David Leadbetter Akademie und Lenz samt Frau findet rasch gefallen an Golf. Keineswegs euphorisch und intensiv, wie man das bei den meisten kennt, die einmal Blut geleckt haben, aber doch mit ausreichend Interesse an der Sache.
Kurz scheint dann ganz plötzlich das Thema „Golf“ bei Familie Lenz – „Ich mache alle Hobbies mit meiner Frau gemeinsam“ – doch ins Ernsthafte abzudriften. Die Lauda Air, für die Otmar Lenz von ­ihren Anfängen an tätig war, damals noch als autarke Flug­linie, nimmt die Langstrecke ins Programm und auf der Speisekarte stehen plötzlich Destinationen wie Florida, Hongkong, Bangkok und ähnliches.
Ein Ferienhaus in Boca ­Raton, Florida, kommt ins Spiel und schließlich Golf in einer deutlich ausgeprägteren Form als bisher. „Wir sind drauf ­gekommen, dass man auf ­etlichen Plätzen in unserer Um­gebung weder Handicap noch Mitgliedsausweis von uns haben wollte, sondern einfach nur das Greenfee“, erinnert sich der 56-Jährige. Und das sei genau jener Zugang zum Golf, der ihm tauge, so Lenz und beginnt ein wenig zu ­philosophieren, wie man Golf auch in Österreich ein wenig breiter machen könnte: „Es war für mich damals zum ­Beispiel nicht nachvollziehbar, dass man quasi vom Start weg eine Mitgliedschaft braucht. Ich konnte ja nicht im Vorhinein wissen, ob mir Golf überhaupt je Spaß machen würde. Zum Glück hat sich das in den letzten Jahren zum Positiven entwickelt und auch die Golfclubs bei uns haben ihr An­gebot ­zumindest ein wenig verbreitert.“
In Florida hat es dann einige Jahre Golf light gegeben: Auf den günstigen Kursen wurde schon mal eine Runde nach neun Loch abgebrochen, „weil keiner mehr Lust hatte.“


Erstes Turnier als Pro

Im Fahrwasser des Einstiegs, der in Folge kurzfristig gesteigerten Leidenschaft, folgt konsequenterweise die erste ­Einladung für den gelernten Piloten. Airbus lädt nach Portugal zu einem Branchentreff am Golfplatz. Mit der vor kurzem ergatterten Platzreife in der Hinterhand, folgt das Ausfüllen des Anmeldeformulars, das auch nach dem Handicap frägt. Lenz: „Völlig unbedarft habe ich Null hingeschrieben, weil ich ja damals noch null Ahnung von Golf hatte. Und zwar ohne zu wissen, was ich da anrichten würde.“
Als dann der vermeintlich ­famose Golfer in Lissabon eintrifft und keine Golfsachen dabei hat, gibt es die ersten fragenden Blicke: Ein Spitzengolfer, der mit einem Leihset spielt? Sehr seltsam! Nach einigen gezielten Fragen, bei denen der „Supergolfer“ sein in den Kinderschuhen steckendes Golf nicht verleugnen kann, ist das Verwirrspiel aber aufgeklärt.

Die Turniere der Airline-Branche sind aber nach wie vor jene Gelegenheit, die der Fly Niki-Boss gerne am Schopf packt, um sein Bag zu entstauben und wieder Flug mit Flight zu tauschen. Vor allem die Boeing-Turniere, von denen eines am Seattle Golf Course – dort ist ein gewisser Bill Gates Mitglied, nur damit Sie sich ein Bild machen können – über die Bühne ging, seien allein der Golfplätze wegen ein Must. Und bohrt man noch ein wenig nach, verrät Lenz, dass er auch schon in Singapur, Bangkok und so weiter gegolft hat. Jetzt wollen wir aber auch ein ­wenig über den Score wissen, doch der Salzburger blockt kokett ab: „Es ist recht einfach, mich an meine Runden zu erinnern: Sie sind immer eine mittlere Katastrophe. Deshalb höre ich auch häufig mitten drin auf, weil ich nicht die Zeit habe, vom Morgengrauen bis zur Abenddämmerung Golf zu spielen.“
Bei allen, wenngleich zarten Ressentiments Golf gegenüber, ans Aufhören will Lenz nicht denken: „Auch wenn Driver & Co. derzeit im Stand-by-Modus dahin dümpeln, weiß ich ganz genau, dass ich in zwei, drei Jahren golferisch durchstarten werde. Schließlich ist das die einzige Sportart, die für jedes Alter geeignet ist.“


Der Golfer als Passagier

Dass Fly Niki, gegründet im Jahr 2003, als eine der wenigen Airlines nach wie vor kein Übergepäck für das Golfbag verlangt, hat einfache wie ­triftige Gründe, erklärt der Stratege Lenz: „Wir bedienen mit unserem Streckennetz, ­gemeinsam mit unserem Partner Air Berlin, auch ganz klassische Golfdestinationen, wie etwa die gesamte Iberische Halbinsel und wollen natürlich Golfer als Passagiere. Also müssen wir diesen auch den entsprechenden Service bieten, auch wenn es angesichts der Treibstoffpreise natürlich ein wenig schmerzt, dass durch die Golfbags die eine oder andere Tonne mehr an Bord ist.“
Dabei baut das Geschäft mit den Golfern, die immer mobiler werden, vorrangig auf die Nebensaison. Kurztrips sind ebenso gefragt, wie längere ­Urlaube, wobei das wichtigste Thema in diesem Zusammenhang die Flexibilität der Airline ist. Und da punktet Fly Niki mit täglichen Flügen nach ­Mallorca und von dort zu allen Top-Golfdestinationen in Spanien und Portugal. Auch der Klassiker Rom wird täglich von Wien aus bedient.

Die gute Geschäftslage des schlanken Fly Niki-Apparates – mit nur neun Flugzeugen werden 2,3 Millionen Passagiere befördert – bringt ein Auf­stocken der Flotte und eine Ausweitung des Streckennetzes im Jahr 2009 mit sich. Nach dem erfolgreichen Launch neuer Destinationen wie Moskau, Stockholm (ein echter Geheimtipp für Golfer übrigens!), wird ab November auch Innsbruck von Wien aus mehrmals täglich angeflogen.
Auch die Langstrecke ist ein Thema, so Lenz, „wobei man in diesem Bereich ganz besonders sensibel vorgehen muss. Eine falsche Entscheidung, was die Destination betrifft, verschlingt Millionen.“ Dass das aber bei Fly Niki nicht passieren wird, darf man voraus­setzen, sitzen mit Otmar Lenz und Niki Lauda schließlich zwei der erfahrensten Airliner im Cockpit und wissen bestimmt schon heute, wohin die Reise gehen wird.

 


Zur Person

Otmar Lenz
Managing Director Fly Niki
Geboren am: 13. November 1951, verheiratet
Handicap: 35
Mitglied in: Murhof Gruppe
Lieblingsschläger: Putter
Lieblingsplätze: GC Am Mondsee, ­Murhof, Radstadt
www.flyniki.com

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