Interview Dieter Jaros [0]

Fernschauen, berufsbedingt

Was kann einem Besseres passieren, als sein Hobby – Sport im Allgemeinen – zum Beruf zu machen:  Dieter Jaros, Mitglied der Geschäftsführung Premiere Österreich, kann, darf und muss das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Golf spielen und schauen gehört natürlich auch dazu.

An sich scheint der Job von Dieter Jaros allen Couch-Potatoes auf den Leib geschneidert: Fernschauen von Berufs wegen. Über Programme entscheiden, die uns von Premiere Austria ins Wohnzimmer geliefert werden. Wenig, das uns mehr Spaß machen würde, vielleicht noch Gourmet-Kritiker.

Wer jetzt all zu schnell ein Vorurteil fällt, ist am Holzweg. Jaros, zarte 38, ist drahtig wie eine Sprungfeder, und Sport sein Lieblingskanal. Eigentlich nachvollziehbar, kennt man seine Karriere, die sich knapp 15 Jahre auf Eishockey stützt, auch im Profibereich. Klingende Namen wie WEV und Stadlau zieren seinen Curriculum Vitae, ehe 2004 Golf auf den Plan tritt. Natürlich auch im Zusammenhang mit Eishockey. Der KAC und der VSV bestreiten das Finale der ­österreichischen Eishockey-Bundesliga und es bleibt dem Premiere Austria Eishockey-Experten Gary Venner vorbehalten Jaros mit Golf zu liieren. „Wir hatten ein bisschen Zeit zwischen den Matches und Gary, selbst ein hervorragender Golfer, hat mich nach Seltenheim auf die Driving-Range mitgenommen“, erinnert sich Jaros. Sigi Beretzki, damals Pro in Seltenheim, hat wenig Mühe dem vom Eishockey geschulten Niederösterreicher die ersten Schritte beizubringen. Zeitmangel sorgt dann dafür, dass die Platzreife erst Oktober von statten gehen kann, und Jaros endgültig in den Golfsport kippt.
Als ehemaliger Profi-Sportler, weiß er natürlich worauf es ankommt: Trainieren. Jaros: „Mir macht es auch heute noch wenig aus, meine Zeit sinnvoll auf der Range oder dem Putting-Grün zu verbringen.“ Die aber ist natürlich knapp in seiner Position.

Trotzdem schafft es Jaros in kurzer Zeit auf Handicap 25, was ihn, einen sportlich-ehrgeizigen Menschen, natürlich noch nicht zufrieden stellt – 18 sei geplant, wenn nicht heuer, dann zumindest 2009.  Und das trauen wir ihm durchaus zu, weiß er doch ganz genau, worauf es beim Golf ankommt. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Zeit Golfer mit ihrem Driver verbringen, wo doch das kurze Spiel über einen guten Score entscheidet“, so Jaros. Seinem Ehrgeiz hilfreich zur Seite steht ihm seine aus Eishockey-Zeiten prächtig funktionierende Ball-Schläger-Körper-Koordination. Keine Frage: Wer diesen Sport ausgeübt hat, darf einen kleinen Wettbewerbsvorteil sein Eigen nennen, was auch die schiere Anzahl an hervorragenden Golfern unter den Eishockey-Spielern unterstreicht.

Golf passt ins Fernsehen 

Das Animo, das Jaros dazu getrieben hat, Golf zu lernen, hat auch mit seinem Beruf zu tun, wie er nicht müde ist, zu erklären: „Ich will jede Sportart, die wir übertragen, verstehen.“ Und weil Golf einen großen Stellenwert beim Pay-TV-Sender hat, gab es kein Entrinnen. Jaros: „Ich finde, dass diese Sportart gut bei uns aufgehoben ist, weil sie eine klare Zielgruppe bedient und damit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schlicht untergehen würde, weil kein Platz dafür ist.“ Nicht nur deshalb genießt Golf bei Premiere einen besonderen Stellenwert und zählt vom Übertragungsvolumen zu den Top-Sportarten im Fernsehen. Jaros: „Es ist toll, was uns die European Tour und die amerikanische PGA Tour an Bildern liefert. Obwohl die Events in Europa zu einem Zeitpunkt live gesendet werden, da wir auch gerne am Golfplatz oder im Büro sind, werden die Übertragungen sehr gut angenommen so Jaros, der aber für das Office natürlich stets als Ausrede parat hätte, er müsse sich das ja beruflich anschauen. Was er natürlich tut, auch außerhalb der Arbeitszeit. Jaros resepektvoll: „Man kann so viel lernen von den Burschen auf der Tour. Wer einmal einen echten Tour-Platz in der Woche vor oder nach einem Event spielen durfte, weiß wovon ich rede. Für uns Durchschnittsgolfer, ist das Rough verletzungsfrei fast nicht mehr spielbar.“

Was die Übertragungen doppelt interessante macht, ist der Aufwand, den eine Live-Golf-Berichterstattung mit sich bringt, weiß Jaros: „Das ist ungefähr so aufwändig wie ein Formel 1-Rennen, weil in Summe über 50 Kameras im Einsatz sind.“ Premiere übernimmt dabei die Ausstrahlung der TV-Firma der European Tour, die für gut 90 Prozent aller Events in Europa zuständig ist. Für das Late-Night-Golf ist die US-PGA Tour mit ihrer hauseigenen Produktionsfirma verantwortlich. Golf hat sich also im Leben des ehemaligen Projekt-Managers Jaros rasch seinen entsprechenden Platz geschaffen, ohne dabei je aufdringlich zu sein. Wenn es ihm Spaß mache, so Jaros, spiele er einfach neun Loch, und hat auch kein Problem dabei, allein auf die Runde zu gehen. Was ihm weniger Spaß macht, sind Golfer, die schwindeln. Da kann es sogar sein, dass der Premiere Austria Programmchef das Handtuch wirft: „Wenn’s mir zu blöd wird, höre ich einfach auf. Es geht ja dabei auch um mich: wenn ich die Scorekarte eines Schwindlers unterschreibe, bin ich sozusagen mitschuldig, auch wenn das dramatischer klingt, als es ist.“ 

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