Gustav Eder-Neuhauser [0]

Spass am Fairway

Die Natur als Anreiz. Gustav Eder-Neuhauser, CEO & Partner der EURO RSCG, über seinen durchwegs entspannten Zugang zum Thema Golf.

Fotos: Andreas Riedmann

Aus der Golfrevue 01/2010

Der schale Beigeschmack des Erfolgs ist zumeist der Verlust der Zeit für seinHobby. Bei Gustav Eder-Neuhauser, seit 12 Jahren Geschäftsführer der Werbeagentur EURO RSCG, trifft das gewissermaßen auch zu. Wenngleich beim gebürtigen Oberösterreicher gleich mehrere Faktoren am Zeitbudget knabbern, darunter natürlich auch der verantwortungsvolle Job. Immerhin zählt die Com- pany zu den Top-Agenturen des Landes und darf sich rühmen, als erste österreichische Agentur überhaupt einen internationalen Spot für eine Autofirma – in diesem Fall für den neuen RCZ von Peugeot – zu drehen, der seit Mitte April im Fernsehen läuft – weltweit!“ Aber zurück zum Golf: Die weiße Kugel steht bei Eder-Neuhauser seit mittlerweile 20 Jahren auf dem Programm, Tendenz: sinkend. „Für heuer habe ich mir vorgenommen, wieder öfter zu spielen“, versucht sich der 56-Jäh- rige in Zweckoptimismus. Wissend darum, wie es in den letzten Jahren um seine Rundenanzahl ausgesehen hat.

Dabei war am Anfang die Euphorie riesengroß: 1990 auf Anraten eines eines Kunden bei der damaligen Steirerbrau in Graz und weil dieser in Aussicht gestellt hatte, dass zukünftig alle Besprechungen am Golfplatz stattfinden würden, ist das Thema Platzreife rasch erledigt. Graz-Thal, damals noch neun Loch klein, dient als Gehschule, und Eder-Neuhauser erinnert sich noch daran, dass er als ehe- maliger Eishockeyspieler von Links- auf Rechtshänder hatte „umoperiert“ werden müssen. Auch die Familie findet Gefallen am Golfsport, und so driftet Eder-Neuhauser in das klassische Rollenverhalten aller Golfnovizen ab: viele Runden, viel Spaß, Urlaub im Windschatten des Dri- vers, etliche Turniere, und schon war er bei Handicap 22 angelangt – ohne wirklich Prostunden zu konsumieren. Besprechungen am Golfplatz mit seinem Spezi von Reininghaus gab es aber keine.

Erkenntnis, Spass & Business
Zur ganz großen Liebe hat es bei Golf dann aber doch nicht gereicht. Die Erkenntnis, dass er mit Golf wohl niemals seinen Lebensunterhalt verdienen würde, hat Eder-Neuhauser zum absoluten Fungolfer werden lassen: „Mir ist es wichtig, dass ich mich nicht blamiere am Golfplatz. Da reicht mein Handicap, auch wenn ich es aktuell vielleicht nicht spiele, allemal.“ Vorrangiges Ziel einer Golf- runde sind also seit einigen Jahren Spaß und nette Leute. „Der schönste Golfplatz ist immer der, den ich gerade spiele. Am liebsten ohne Flight vor und hinter mir. Was mir nämlich bei Golf am meisten gefällt, ist das unfassbare Naturerlebnis“, schwärmt der EURO-RSCG-Boss und kramt gleich seine Lieblingsplätze aus dem Gedächtnis: Schönborn etwa, Pannonia GC, der Platz seines guten Freundes Alois Windbrechtinger, der Waldviertler Platz mit seinen „Lkw-großen Findlingen“ oder auch Ebreichsdorf. Jedenfalls sollten es Parkland-Kurse sein, Linksgolf sei weniger sein Geschmack: „St. Andrews hat mich vor langer Zeit abgeworfen, seitdem hege ich eine gewisse Abneigung gegenüber dieser Art von Plätzen.“ Trotz des immer geringeren Zeitbudgets für Golf – „Aufs erste Tee hetzen und raus auf den Platz“ – ist für 2010 eine Art kleines Comeback geplant. Auch weil der 56-Jährige seinem Hobby viel Zwischenmenschliches abgewinnen kann: „Golf ist in jeder Hinsicht ein faszinierender Sport, ganz besonders aber, wenn es darum geht, den Charakter eines Menschen offenzulegen. Es ist spannend, zu beobachten, wie jemand im Stress reagiert, oder wie jemand golft, wenn es um nix geht.“ Er selbst sieht sich als entspannter Flightpartner, der, von der Geißel des Ehrgeizes befreit, Dummheiten wie Schlägerschmeißen oder Granteln auf der Runde gar nicht verstehen kann. Wiewohl Gustav Eder-Neuhauser sich die Verhaltensmuster seiner Mitspieler durchaus einprägt. „Ich glaube daran, dass Golf das Innerste eines Menschen nach außen kehrt, und da kann man auch gewisse Schlüsse auf sein Verhalten im Geschäftsleben ziehen“, glaubt Eder-Neuhauser, wenngleich er sich nicht als militanter Regel- und Etikettenfreak sieht. Sollte sich einmal ein Mit- spieler verzählen, würde der Agenturchef schon mal mithelfen, wenn es ums Nachzählen der Schläge ginge. Am Ende aber betrüge man sich ohnehin selber.

Ohne Woods
Die kaum vorhandene Freizeit, die sich Golf seit einiger Zeit nun auch mit Jagen teilen muss, bringt es auch mit sich, dass Gustav Eder-Neuhauser wenig Wert auf große Golf-Events legt: „Zuschauen mag zwar recht interessant sein, aber wenn ich schon mal Zeit habe, dann spiele ich doch lieber selber. Und ich brauche auch keine Superstars wie Tiger Woods als Pro/Am-Flight- partner. Mir sind meine Freunde auf der Runde lieber. Ich glaub auch nicht, dass mir das allzu viel bringen würde. Abschauen kann man sich von solchen Kapazun- dern ohnedies nichts.“ Da übt der Agenturboss lieber zuhause am Putting-Grün – „Ein drei Meter langer Streifen, auf dem ich immer wieder ein bisschen herumputte“ – und freut sich darüber, dass am Platz die Putts aus drei, vier Metern sehr häufig – während der wenigen Runden – fallen. Bleibt noch die Frage, ob einer aus der Werbebranche Golf als „Transportmittel“ zum End- verbraucher empfehlen kann. Eder-Neuhauser: „Im Moment hat es jede Sportart schwer, weil im Sponsoring an allen Ecken und Enden gespart wird. Und unsere Agentur hat bislang noch keine dezidierte Golfwerbung ge- macht.“ Dann wird’s aber langsam Zeit, finden wir.

 

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