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Geschäft bleibt im Kasten

(aus GR 3/2006)

Begonnen hat Golf für KR Karl Fürnkranz als Bewegungstherapie, inzwischen ist ein Leben ohne nicht mehr vorstellbar.

Der Chef von vier Modehäusern in Wien der es sogar zum Clubpräsidenten geschafft hat, kann sich auf der Runde tatsächlich entspannen und zählt Bernhard Langer nicht zu seinen Freunden.

Golfrevue: Herr Fürnkranz, haben Sie in einer Jeans gegolft?

KR Karl Fürnkranz: Nein, weil ich weiß, dass das nicht der Etikette entspricht. Und als ich dem GC Semmering vier Jahre als Präsident vorgestanden bin, habe ich peinlichst genau darauf geachtet, dass das auch niemand anderer macht.

Wie kleidet man sich also korrekt?

Nun: Eine reine Golfbekleidung gibt’s nicht mehr. Man hat normale Hosen an, die man auch woanders hintragen kann, dann Pullover und Shirt – das trägt man heute überall.

Sie persönlich lieben es elegant?

Na, eine Short hab ich im Sommer mit Sicherheit an, den Stau in der Hose, den brauch ich wirklich nicht. Sonst eher eine schwarze lange Hose, weil meine Frau immer ein Auge auf mich wirft, ob ich ordentlich angezogen bin. „Bitte zieh eine andere Hose an, stell dir vor es ist wer da und sieht dich!“, heißt es da manchmal. Aber sie hat recht, wie immer in geschmacklichen Dingen.

Nach der Runde schlüpfen Sie in den Clubblazer?

Das kommt darauf an: Wenn man bei einer Preisverteilung teilnimmt, dann schon. Als Präsident ohne Blazer eine Preisverteilung – das hat’s nicht gegeben. Auch bei den anderen Vorstandsmitgliedern nicht, darauf habe ich geachtet. Die haben von mir Blazer und Krawatte bekommen.

Wer ist für Sie international der bestgekleidete Golfer?

Da gibt’s einige. Lustig ist Jesper Parnevik, den schau ich mir gerne an, lach drüber, das ist die eine Seite. Von den Jungen ist Sergio Garcia immer sehr gut angezogen.

Und bei den Damen? Da hat sich der Trend sehr vom klassischen ins knallig-ärmellose verschoben.

Das war früher verpönt, da hieß es Shirts nur mit Ärmeln. Da hat sich der Geschmack halt geändert und das breite Golfpublikum nimmt Maß an den Topstars. Michelle Wie etwa, ein fesches Mädel, der passt sowas. Leider gibt’s Golferinnen, die glauben, sie schauen genauso aus, nur weil sie das gleiche anhaben. Nur: Das Überbunte, das ist vorbei.

Sie haben die Golfabteilungen in ihren Modehäusern aufgelassen?

Wir haben vor Jahren Golfkleidung speziell geführt, aber das hat sich derart vermischt mit dem normalen Sortiment, dass wir das nicht mehr hervorheben. Wenn Sie sich bei uns umschauen, finden Sie aber sehr viele Möglichkeiten, sich perfekt für Golf einzukleiden.

Wie sind Sie zu Golf gekommen?

Ich habe ein Haus am Semmering und hatte vor Jahren einen Dalmatiner. Der ist dann gestorben und meine Frau wollte wieder einen Hund. Drauf ich: Warum? Wir sind viel auf Messen, gerne auf Urlaub, das ist doch beschwerlich mit dem Tier. Nein, sagt sie, ich will Bewegung machen. Drauf ich: Schaun wir uns doch einmal den Golfplatz an, der ist ja nur ein paar Minuten von unserem Haus entfernt. Wir sind also hin und haben uns umgesehen und es war schön. Viele Freunde haben ja schon gespielt, also haben wir gewusst, was uns erwartet. Wir haben gefragt, ob wir schnuppern können, und es hieß ja, das ist möglich. Und Mitglied werden? Nein, das nicht, war die Antwort: Wir haben Aufnahmesperre. Da rennt mir beim Rausgehen die Desirée Vasko in die Hände, die damalige Vizepräsidentin und eine liebe Bekannte. Ich gleich: Daisy, kannst nicht ein gutes Wort für uns einlegen? Am nächsten Tag waren wir Mitglieder.

Die hätten doch fast den späteren Präsidenten abgewiesen?

Die wollten nur mit einem  Schmäh unser Interesse verstärken. Aus eigener Erfahrung weiß ich   inzwischen: Der Club war froh über jeden Einzelnen, der nur halbwegs angeklopft hat bei der Tür und Mitglied werden wollte.

Dann kam die erste Probestunde…

… und wir haben so was von danebengehaut! Aber so geht’s jedem.

Haben Ihre Gattin und Sie vorher einen anderen Sport betrieben?

Ich habe Tennis gespielt, mehr schlecht als recht. Meine Frau war überhaupt ein Antitalent für jede Sportart, Ski fahren ausgenommen. Beide haben wir mit Golf unsere erste Sportart so richtig begonnen. Mit höchster Begeisterung!

Hat Sie auch die Philosophie hinter Golf interessiert, die Tradition?

Anfangs war es nur das Ausleben des Bewegungsdrangs, der Rest kam langsam dazu. Je besser wir Golf kennengelernt und beherrscht haben, desto mehr ist der Ehrgeiz gekommen, Punkte zu machen und das Handicap zu verbessern.

Waren Sie ein fleißiger Trainierer?

Anfänglich war ich sehr eifrig, weil ich die Platzreife wollte. Als wir begonnen haben, sind meine Frau und ich jeden Tag von Wien hinaus auf den Semmering und haben dort Trainerstunden genommen. Wir wollten die Platzreife binnen vier Wochen haben: Das war im Juli möglich, da war wenig los im Geschäft. Damals habe ich meine Frau ein bisschen überreden müssen, heute spielt sie beinahe mit mehr Begeisterung als ich.

Ihr Handicap ist aber nicht übel?

… mit 15,9 ist aber, so denke ich, mein Optimum erreicht. Meine Schwäche: mangelnde Länge beim Abschlag. Das liegt am Drehen und das Drehen liegt wieder am Alter. Im kurzen Spiel mache ich an guten Tagen vieles wett und beim Putten bin ich auch nicht so untalentiert. Das hab ich zu Hause im Wohnzimmer auf dem Teppich üben können. Allerdings habe ich da schon oft draufgezahlt, weil auf dem Platz die Grüns brechen und das tut der Teppich daheim natürlich nicht.

Haben Sie Lieblingsspielpartner für die Runde?

Ich spiele gerne mit meiner Gattin. Und dann mit Anwalt Manfred Ainedter, der haut ja derart drauf und streut derart, dass ich immer was zu lachen habe. Ich bin einer, der Golf korrekt nimmt, aber nicht todernst: Da gelingt es Manfred sehr gut, mich aufzuheitern.

Wie golft ihre Frau?

Das sind Wechselbäder: Die hat mitunter tolle Runden, dann gelingt wieder gar nix. Das hängt, glaube ich, mit dem geschäftlichen Stress zusammen. Sie nimmt das Geschäft mit auf den Golfplatz, ich gebe es an der Garberobe ab.

Wie oft golfen Sie?

Ich schau, dass ich alle 14 Tage dazu komm, im Urlaub dann sicher jeden zweiten Tag.

Wo liegen dann die Lieblingsziele?

Malaysia war eine Sensation. Oder Mauritius, Belle Mare Plage oder der Platz von Bernhard Langer weiter unten – bösartig, da kommt ja keiner hin auf dem letzten Loch! Ich bewundere Langer, ein toller Golfer, aber wie der für die breite Masse so ein 18. Loch bauen kann, wo keiner hinkommt, der nicht lang ist? Ich habe dort mit Purzl Klingohr gespielt, auch ein Lieblingspartner, der hat fünf Bälle ins Wasser g’haut, bis er drüben war.

Welche Plätze liebt jemand, der viel mit Stil & Ästhetik zu tun hat?

Ich komme vom Semmering, deswegen habe ich mit den ganz geraden, flachen Plätzen ein Problem: Ich hab’s gern ein bisschen hügelig. Und dann mag ich saftiges Grün. Die schönsten Plätze für mich? Datei in Malaysien hat mir sehr gefallen. Und Sandy Lane auf Barbados. In Österreich? Sag ich da nicht Semmering, bin ich meine Ehrenpräsidentschaft los!

Ein Wort zur Präsidentschaft…

Ich wollte nie Vereinsmeier sein und was ist rausgekommen? Ich hab’s bis zum Präsidenten geschafft. Aber man hat mich ersucht, weil die Turniere, die ich organisiert habe, gut angekommen sind. Für eines vom ORF war sogar ein Übertragungswagen da.
Ich hab also gesagt: Wenn ich es mache, kann das nicht unblutig vor sich gehen. Das hat man akzeptiert und dann ist es losgegangen. Ich wollte mit einem Konzept hineingehen, weil ich schon als einfaches Mitglied gesehen habe, woran’s krankt. Es hat nicht einmal Lochtafeln gegeben, auch Clubhaus und Gastronomie waren ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Vieles musste also passieren. Ich habe etwa, als die Pyramide bei der Shopping City aufgelöst wurde, dort Spinde, Sessel, Tische und Abschlagmatten gekauft, als mein Einstandsgeschenk. Wir haben viel weitergebracht in den vier Jahren bis 2004, nur in Sachen Golf und Tourismus habe ich die Gemeinde nicht so richtig begeistern können.

Also eine zweite Amtszeit?

Ich werde mir eine Liste machen. Da stünde auch ein Ausbau drauf, um die kreuzenden Fairways wegzukriegen. Wir bringen keine 18 Löcher zusammen am Semmering, aber piekfeine neun mit Wasser und Bunker. Man bräuchte nur einen Hauptsponsor, der dem Club dann auch den Namen geben könnte, das tut ja keinem weh.

Ist das schon Wahlwerbung?

Um Himmels willen nein!

Wann ist die nächste Runde?

Übermorgen, Monatsbecher am Semmering! Aber nur, wenn die Greenkeeper mit dem Schneeräumen fertig werden.

zur Person:

KR Karl Fürnkranz
Geschäftsführer der „Fürnkranz macht Mode GmbH“
Geboren am: 27. November 1947, verheiratet, zwei Kinder
Handicap: 15,9
Mitglied im GC Semmering und CC Gutenhof Himberg
Lieblingsschläger: Holz 3
Lieblingsplätze in Österreich:
Semmering, Himberg, Adamstal
Lieblingsplätze im Ausland: Datei und Langkawi/jeweils Malaysien

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