Der Asphalt Cowboy [0]

ASFINAG-GF Alexander Walcher schätzt ernsthaftes Golf und ist auch als Singlehandicapper noch immer auf der Suche nach seinem Schwung.

Hat man erst einmal ein bestimmtes Alter erreicht, darf man an Golf denken. Im Fall von Alexander Walcher war es aber nicht die Pension, wie man vielleicht vermuten möchte, sondern der 30. Geburtstag. Und zwar der eines Freundes, der das Leben des Kärntners um eine besondere Facette bereicherte. Drei Mann hoch wagte man sich 1999 an das Abenteuer Golf. Der Einzige, der sportlich ganz tief in das Thema kippte, war der nunmehr 42-jährige Asfinag-Geschäftsführer. Walcher: „Mir hat der Sport von Anfang an Spaß gemacht, und er hat ein wenig kompensiert, was ich aufgrund einer Kreuzbandverletzung aufgeben musste.“

Und weil Ehrgeiz zu den ausgeprägten Charakterzügen des Managers zählt, wird Golf kompromisslos zur Freizeitbeschäftigung Nummer 1: Ob nach der Arbeit oder am Wochenende, Walcher wird zum Stammgast auf der Driving-Range. Entsprechend quick geht’s mit dem Handicap nach unten, sogar am Scratchbereich klopft der Exil-Kärntner bald schon an, ehe ihm zunächst der berufliche Aufstieg und dann noch die Familie einen Strich durch die Rechnung machen. Beides aber sind Faktoren, die er längst nicht mehr mit seinen golferischen Ambitionen tauschen möchte: „Die Prioritäten verschieben sich, und es ist für mich deutlich wichtiger geworden, mit meiner kleinen Tochter am Wochenende Zeit zu verbringen, als Golf zu spielen. Auch beruflich bin ich ausreichend ausgefüllt.“ Außerdem sei seine Frau resistent gegen das Golfvirus.

Jetzt gelte es eben, möglichst lange den Status als Singlehandicapper beizubehalten. Das verlangt sein Ehrgeiz. Daher ist Walcher nach wie vor auf der Suche nach seinem Schwung, konsultiert dafür regelmäßig Pros und inhaliert via TV die Schwünge der Stars. Als Vorbilder dienen Ernie Els, „The Big Easy“, und der schnörkellose Schwung eines Luke Donald. Mit Kraftgolf à la Woods oder dem ästhetikbefreiten Stil eines Bubba Watson könne er dagegen nichts anfangen. Auch nicht mit Spaßrunden, das widerspräche seinem Naturell: „Wenn schon Golf, dann ordentlich. Ich spiele wenn, dann Turniere und halte nix von Blödeleien auf einer Runde. Da versuche ich, fokussiert zu sein. Zeit zum Plaudern bleibt ohnedies zwischen den Schlägen.“ Und deshalb gibt es auch keinen Pardon, wenn der 42-Jährige einen Flightpartner bei Regelverstößen ertappt: „Ich würde in letzter Konsequenz sogar die Unterschrift auf einer Scorekarte verweigern. Und dabei geht es mir nicht ums Vernadern, sondern darum, dass es beim Golf wie auch im Leben Regeln gibt, an die man sich zu halten hat.“ Und ja, er würde sich seinen Teil denken, würde er einem solchen Golfer geschäftlich begegnen. Denn, so Walcher, es gibt nur eine Persönlichkeit, egal ob am Golfplatz oder im „normalen“ Leben.

Der Weg ist das Ziel
Kaum wo passt dieser Spruch besser als bei jemandem, der mitverantwortlich ist für knapp 2.200 Kilometer Autobahnnetz und damit für das zügige Vorankommen zu den Golfplätzen dieses Landes. Dass Österreich mit die besten und sichersten Autobahnen europaweit hat, geht oft im Baustellen-Chaos unter. Die subjektive Wahrnehmung ist eben ein Hund. Walcher: „In den Augen vieler Autofahrer sind natürlich wir die Bösen. Das Wichtigste ist die Informationsarbeit. Baustellen sind kein Ziel, sondern Mittel zum Zweck, und wir achten, die Behinderungen so gering wie möglich zu halten.“ Immer wieder fällt auch der Begriff „bedarfsgerechter Ausbau des Netzes“. Dahinter verbirgt sich eine vernünftige Planung, schließlich wolle man nicht die Natur mit vierspurigen Autobahnen zubetonieren. Als Jahrhundertprojekt steht aktuell die Untertunnelung der Lobau auf dem Plan. „Ein extrem sensibles Thema und ein emotionales Unterfangen. Wir investieren knapp 2 Milliarden Euro für 19 Kilometer Autobahn, die für eine Entlastung im Großraum Wien sorgen soll.“ Als studierter Landschaftsökologe ist ihm das Thema „Umwelt“ eine Herzensangelegenheit. Schließlich sei er ein naturverbundener Mensch. Aber Kompromisse seien manchmal notwendig.

Noch einmal zurück zum Golf und zu den sportlichen Plänen. „Ein paar Ziele habe ich schon noch, die haben aber weniger mit dem Handicap zu tun und mehr mit den Golfplätzen, die ich noch gerne spielen möchte. Unter anderem gehört St. Andrews dazu oder auch Augusta“, so Walcher. Und ergibt sich die Chance, bei einem Pro/Am mitzuspielen, sagt der Asfinag-Manager nicht Nein. Sofern es die Zeit zulässt. Dann, so gibt er unumwunden zu, tritt seine „größte Schwäche“ ans Tageslicht: „Obwohl ich mit Handicap 8 ein recht ordentliches Golf spiele, bin ich bei einem Pro/Am immer noch nervös. Und grundsätzlich brauche ich zwei Holes, um ins Spiel zu finden.“ In solchen Momenten hält es Walcher dann wie mit dem Beruf: Es gelte, sich auf neue Herausforderungen einzustellen, und wenn es ein Schlag aus dem Rough ist. Und einfach den Hut draufhauen, weil es nicht nach Plan läuft, passt nicht zu seinem Wesen. Er will immer das Beste geben.

Zur Person
Alexander Walcher
GF Asfinag Bau Management GmbH
www.asfinag.at
Geboren: 3. Juni 1969
Handicap: -8
Mitglied: GC Bad Walterdorf
Lieblingsplätze: GC Bad Waltersdorf, GC Murhof, GC Schloss Schönborn

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