Alexander Knechtsberger [0]

Let´s par-tee, Doc!

Wir lernen, Menschen zu begeistern. Alexander Knechtsberger, alias DocLX, macht jährlich Tausende Maturanten glücklich und hat mit Markus Brier die Schulbank gedrückt.

Fotos: Kurt Pinter

Aus der Golfrevue 3/2010

Auf der Visitkarte steht als Berufsbezeichnung schlicht „Der Doc“. Mehr braucht es auch nicht, weiß doch jeder (zumindest zweite) Maturant, wer dahin- tersteckt, organisiert der Doc doch die „X-Jams“, die legendärsten Matura-Reisen zwischen Scheibbs und Nebraska. Dennoch kennt Knechtsberger Golf seit seinen Schuljahren. „Schuld“ daran trägt niemand Geringerer als Markus Brier, mit dem er gemeinsam die Schulbank drückte. „Wir haben Markus immer ein bisserl aufgezogen, dass er endlich einmal eine gscheite Sportart probieren soll. Wir haben alle Fußball gespielt, und ich habe mir gedacht, aus dem wird nie was“, erinnert sich der 42-Jährige mit einem breiten Schmunzeln, um rasch nachzusetzen: „Da habe ich mich wohl gehörig getäuscht.“ Golf zählte damals allerdings tatsächlich noch zu den richtig exotischen Betätigungen für Kids. Heute ist der fertige Jurist zumindest ansatzweise geläutert, hat er doch vor gut fünf Jahren die Platzreife gemacht. In Pichlarn, seiner zweiten Heimat. Eine wah- re Liebe zum Golf hat sich zwar bis heute noch nicht entwickelt – „Ich bin noch nirgends Mitglied und habe auch noch nie ein Turnier gespielt“ –, ein paar Runden stehen dennoch auf der golferischen Habenseite. Und wenn Knechtsberger dann von den Orten erzählt, wo er sich der kleinen weißen Kugel gewidmet hat, erkennt man doch eine gewisse Affinität zu Golf: Marbella, Kapstadt und Soma Bay.

Auf die Platzreife angesprochen, hat der gebürtige Osttiroler dennoch genau dieselben Assozi- ationen wie wir „richtige“ Golfer: Frust, weil es am Beginn zumeist so gar nicht funktionieren will, und dann die große Faszination, wenn die erste Kugel fliegt. Einen intensiveren Umgang mit Golf hebt sich der Party-König der Maturanten aber dennoch für später auf: „An erster Stelle steht die Familie – ich habe zwei kleine Kids –, und da passt Golf noch nicht in meinen Zeitplan. Aber vielleicht in zehn Jahren. Wer weiß?“ menschen bewegen Was eben- falls zeitmäßig gegen Golf spricht, ist die Firma: DocLX ist die abso- lute Nummer 1 in Sachen Maturareisen und bewegt allein in den drei Wochen nach der Ma- tura pro Woche jeweils über 10.000 Jugendliche, die sich, unterstützt von einem perfekten Party-Programm – „Ich investiere heuer allein in einen Live-Act vor Ort in der Türkei 300.000 Euro, das gesamte Programm kostet zwei Millionen“ –, ihre verdiente Erholung gönnen.

Wiewohl sich der Familienmensch seiner Verantwortung den Jugendlichen gegenüber voll bewusst ist und unterstreicht, dass seine Maturareisen niemals in (Sauf-)Orgien ausarten: „Wir arbeiten eng mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft zusammen, und es gibt vor Ort gelbe und rote Karten. Wenn da was nicht passt, setzen wir die Kids knallhart in den Flieger zurück nachhause.“ Das, so Knechtsberger, sei aber nur ausgesprochen selten der Fall, weil das umfangreiche Programm für entsprechende Ablenkung sorgt: Vom Beachvolleyball über Outdoor-Discos mit DJs – acht Sattelschlepper bringen das gesamte Equipment heuer in die Türkei – und Flying Foxes (hier fliegt man vom Hoteldach zum Strand) bis hin zu Golf. Golf? „Klar! Das kommt immer mehr, und unsere Maturanten können die Plätze Sultan und Pasha, die hinter dem Hotel liegen, gratis spielen“, hat der Trendsetter auch hier das Ohr am Puls der Zeit. Warum es in Österreich ein we- nig zäh hergehe mit Golf, wisse er nicht, aber jedenfalls fehle es an einem Hero, mehr noch, einem Pop-Star. Knechtsberger: „Wenn du jemanden begeistern musst, dann sind es die Jungen. Und das gelingt nur, wenn du ihnen zuhörst. Ich bin deshalb auch heute noch als Frontman bei den Reisen dabei, rede viel mit den Jugendlichen. Aus diesen Gesprächen und natürlich aus Marktumfragen gilt es dann die richtigen Trends zu destillieren.“ Dass dies einem Juristen, ohne Marketing-Ausbildung, seit 1991 Jahr für Jahr gelingt, ist umso beachtenswerter.

Golf braucht einen Popstar
Allerdings weiß Knechtsberger auch, dass sein Potenzial in Ös- terreich wohl ausgeschöpft ist. Die Reise muss nun konsequenterweise ins Ausland gehen: „Von den 40.000 Maturanten fahren 75 Prozent mit mir auf Maturareise. Dazu habe ich noch ein Fest im Wiener Rathaus und den Spring Jam für Studenten erfunden, wo ich heuer im Frühjahr mit 10.000 in Kroatien war. Jetzt gilt es aber, neue Märkte zu erschließen.“ Bleibt nur die Frage offen, wie das vielleicht auch dem Golfsport gelingen könnte, das Erobern neuer Märkte? Gibt’s da vielleicht Tipps von einem Marketing-Profi wie Knechtsberger? „Ich glaube, dass es den erhofften Boom wohl nur über einen Star geben wird. Ansonsten muss sich Golf wohl weitere 10 bis 15 Jahre gedulden, ehe daraus wirklich ein Massen- sport wird. Ohne öffentliche Plätze, wie es sie anderswo gibt, gilt es für Golf, auf die demografische Entwicklung zu setzen: Die Alterspyramide spielt dem Golfsport ohnedies zu. Und dann bin ich vielleicht auch in diesem Segment tätig.“ Eine Spur früher wäre es uns lieber, ehrlich!

 

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