Aida Cara Richard Ungerhofer [0]

Nach Bangkok fährt ein weißes Schiff (aus GR 1 2004)

Richard Ungerhofer ist Clubdirektor über 38.600 Brutto-Registertonnen und 1200 Passagiere. Vorwiegend kreuzt der Salzburger in asiatischen Gewässern, wo auf Landgängen gerne gegolft und noch lieber kräftig gezockt wird.
 

 Der Hang des Asiaten zum Golfen & Zocken ist bekannt. Da man sich als Gast gerne den Bräuchen des Landes unterwirft, fehlt es Richard Ungerhofer, dem österreichischen Clubdirektor des Clubschiffes Aida Cara, während seiner Landgänge zwischen Bangkok und Phuket nicht an entsprechender Unterhaltung.


Ungerhofer, der seit November 2003 in den asiatischen Gefilden kreuzt, profitiert dabei von den so genannten First Calls, die vor allem die großen Kreuzfahrschiffe ereilen. Ungerhofer: „Die Aida Cara ist das erste deutsche Clubschiff, das eine regelmäßige Route in Asien anbietet. Wir sind mit unseren 1200 Passagieren natürlich ein enormer Wirtschaftsfaktor bei den täglichen Landgängen, weshalb es sich die Botschafter und Honorarkonsule nicht nehmen lassen, uns ihre Aufwartung zu machen.“
Und so kommt Ungerhofer, Handicap 16, immer wieder in den Genuss, in exklusiven Zirkeln seine Runden drehen zu dürfen, nicht ohne dabei auch auf Österreicher zu treffen. Unter anderem ist der österreichische Konsul in Thailand, Edwin Ferner, ein begeisterter Golfer (aus Wiener Neustadt).

Dazu kommt, dass die 190 Meter lange Aida Cara vorzüglich auf Golf ausgerichtet ist, sagt Ungerhofer: „Wir haben stets einen Pro aus dem Hartl-Ressort Bad Griesbach mit an Bord, der golfende Gäste am Simulator, am Putting-Grün und in den zwei Abschlagboxen mit Netz betreut.“ Darüber hinaus nennt die Firma Seetours – sie betreibt neben der Aida Cara drei weitere Clubschiffe im Hochseebereich (Karibik, Mittelamerika, Mittelmeer) – einen eigenen Golfplatz samt Club in Bad Griesbach ihr eigen.


Kennenlernen im Regen

Erste Frage zu Golf & Ungerhofer. Erste Antwort: Eine Hardcore-Bekanntschaft! „Es war eines der ersten Golfwochenenden, die das Sportmagazin für Golfinteressierte im Waldviertel organisierte“, erinnert sich Ungerhofer: „Ohne je eine Golfstunde absolviert zu haben, ging es gemeinsam mit Sportmagazin-Herausgeber Herbert Pinzolits und dem damaligen Sportmagazin- Chefredakteur Robert Sperl auf die Runde. Bei strömendem Regen absolvierten wir den 9-Loch-Par 3-Kurs in Haugschlag in schlanken vier Stunden.“
Die Gänsehaut verschwand und es folgten einige Lessons, während derer sich Golf zum bevorzugten Zeitvertreib Richard Ungerhofers auswächst. Bevorzugter Ansatz: die spaßbetonte, stressfreie Runde, Zocken inklusive.

Eine Leidenschaft, die dem gebürtigen Neunkirchner in Asien jede Menge Sympathie einbringt. Was Ungerhofer mächtig imponiert: „Es ist faszinierend, dass diesen Burschen selbst nach drei vergeigten Holes und fünf Drei-Putts in Serie ihr stets freundlich-lächelndes Poker-Face nicht aus dem Gesicht fällt.“ Den Hang zu einer im Wettfall etwas anderen Regelauslegung, die dem Asiaten nachgesagt wird, kann Ungerhofer nicht bestätigen: „Ich habe auf meinen Runden in Thailand und Malaysia noch keinen Flightpartner beim Schwindeln erwischt. Im Gegenteil: Die Leute, mit denen ich hier spiele, sind allesamt Gentlemen vom Scheitel bis zur Sohle. Golf ist außerdem das beste Business-Tool, das du speziell in Asien haben kannst. Hier werden nahezu alle Geschäftstermine auf den Golfplatz verlegt. Du bist in entspannter Atmosphäre vier Stunden unterwegs und lernst dein Gegenüber besser kennen als bei einem Business Lunch.“ Wir wissen ja längst: Golf offenbart jeden Charakterzug eines Menschen.


Wedge und Frack

Das Leben als Direktor auf einem Clubschiff wie der Aida Cara hat wenig mit dem eines Seebären auf einem klassischen Kreuzfahrtschiff gemein. Smoking beim Abendessen? Gibt’s hier nicht! Captains Diner? Vergessen Sie es!
Ungerhofer erklärend: „Unser Gast ist mit durchschnittlich 35 Jahren deutlich jünger als der klassische Kreuzfahrtpassagier. Allein deshalb geht es bei uns deutlich legerer zu.“
Diese Philosophie erfordert vom Clubdirektor, der, Navigation und Steuern des Schiffes ausgenommen, für alles an Bord verantwortlich ist, auch einen gewissen Hang zur Leutseligkeit. Ein Bereich, der dem Charmebolzen Ungerhofer auf den Leib geschneidert ist: „Wäre ich am Golfplatz ähnlich geschickt wie im Umgang mit Menschen, hätte Tiger Woods einen ernsthaften Konkurrenten.“

Das klingt jetzt fast kokett, denn die golferischen Skills des   45-jährigen Salzburger in der Abteilung Wedge sind gar nicht so schlecht. Ungerhofer zynisch: „Das liegt aber auf der Hand. Ich war in den bescheidenen Anfängen meiner Golfkarriere mit meinen Abschlägen immer im Gemüse, dass ich nur mit einem gute kurzen Spiel meinen Score retten konnte.“
Nach wie vor bescheiden sein Handicap-Ehrgeiz: „16 ist das optimale Handicap, weil das ungefähr der Vorgabe entspricht, die man ohne Training spielen kann.“ Selbst im Urlaub, der ausnahmslos in Österreich stattfindet – „Das schönste Golf-Urlaubsland, das ich mir vorstellen kann!“ – meidet Ungerhofer die Driving-Range.

Was ihn beruflich freut: Golf wächst auch in Asien immer mehr in die Breite. Fabelhaft für Ungerhofer: „In jedem Hafen zwischen Phuket und Bangkok ist ein Landgang mit Golf möglich. Und du findest teilweise sensationelle Golfplätze.“ Einer seiner Favorits ist der Golfplatz auf Sentosa Island, einer Singapur vorgelagerten Insel, wo man je nach Loch dichten Dschungel oder die Skyline von Singapur als Blickfang serviert bekommt. Man kommt auch nur mit einer Fähre auf die Insel, was sehr gut zum Kreuzfahrt-Golf passt. Also: Tee-time ahoi!

zur Person:

Richard Ungerhofer
Clubdirektor auf der Aida Cara
Geboren am: 5. Februar 1959
verheiratet, Sohn Tim
Mitglied: GC Am Mondesee
HC: -16
Lieblingsschläger: Wedge
Lieblingsplätze: GC am Mondsee, Adamstal, Fontana, St. Michael/ Lungau
Pevero/Sardinien, Desert Course-Doral Ressort/Florida, Sentosa Island

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