Sonntag 8. Februar 2009, 16:57 Uhr

PGA Show Diary 4 [0]

Vierter und letzter Tag auf der Show. Thomas Weidinger über Un- und Sinniges auf der Messe, über die Gralshüter im Golf sowie einige tierische Begegnungen, (kein Tiger, leider), darunter ein 213 Zentimeter-Ungetüm.

 

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Vierter und letzter Tag auf der Show. Thomas Weidinger über Un- und Sinniges auf der Messe, über die Gralshüter im Golf sowie einige tierische Begegnungen, (kein Tiger, leider), darunter ein 213 Zentimeter-Ungetüm.

Vierter und letzter Tag auf der Show. Ich fühle mich schon wie ein alter PGA-Hase, steuere meinen Wagen elegant an jener Warteschlange vorbei, die naiv beim Haupteingang auf einen Abstellplatz hoffen, um dann erst zu einem der beiden Nebenparkplätze gelotst zu werden. Auf dem Parkplatz weise ich einem orientierungslosen Texaner (Golfer mit Cowboyhut! Ist das eigentlich regelkonform?) den Weg von der Asphaltwüste zum Shuttlebus, der die Besucher zur PGA Show bringt.

altDort husche ich schnurstracks an allen staunenden Erst-Besuchern vorbei, schnell in den Pressecenter, um meine Jacke abzulegen. Moanin’ hier und How-are-you dort und dann gleich Vollgas in die heiligen Hallen. Denn mir bleibt nur mehr ein halber Tag für die Messe, da am Nachmittag Golf auf dem Programm steht – also in echt und nicht nur just-for-the-show. Heute stehen keine Must-See-Präsentationen der großen Schlägerfirmen mit Celebrities mehr an, wodurch mir endlich Zeit für die unzähligen Nebensächlichkeiten bleibt: Zum Beispiel die „Butthead“-Viecher als Headcover (www.buttheadcovers.com), die fast so ungustiös sind, wie die Pommes, die den selben Zweck erfüllen.
Etwas geschmackvoller ist da schon Hayley, das rosa Gürteltier von „Druh“ (www.druhbeltsandbuckles.com).

Aber es gibt auch Sachen, die nach gar nichts schmecken und trotzdem gekauft werden: Zum Beispiel am Stand mit dem Grander Wasser – oder besser gesagt: Grander Water, wir sind ja in Amerika. Das revitalisierte Wasser nach einer Methode des Tiroler „Waterwizards“ Johann Grander macht offensichtlich auch in den Staten Furore. Als ich mich dort als Ösi oute, ist Kate Taylor (General Manager für die USA) gleich Feuer und Flamme und erzählt mir, wie sehr die Amis darauf abfahren und beachtliche Beträge für ein Flascherl H2O zu bezahlen gewillt sind. Ob die Käufer überhaupt wissen, wo Österreich ist? „Maybe not exactly, but Austria is a Synonym for high quality and highest life-standard.“ Mit so viel Selbstwertgefühl ausgestattet rausche ich weiter zu den nächsten Ständen.

Putt-weiser please

altIn der Halle mit den Putt-Hilfen mache ich beim Big-Putt-Ball-Stand große Augen: Ein Golfball mit 16 Prozent mehr Volumen als ein regulärer Ball, aber mit dem gleichen Gefühl beim Putten. Schaut ziemlich kindisch aus, doch Mike Hicks, Erfinder der Megakugel, versucht mit einigen Argumenten meine Stirnfalten zu glätten: Erstens wirkt das Loch kleiner und man zielt genauer. Und zweitens erhält man bei Mis-Hits ein unmittelbares Feedback. Erst als mir Mike nebenbei erzählt, dass er zwölf Jahre lang Caddy von Payne Stewart war, steigt mein Interesse. Beim Selbstversuch habe ich zwar immer noch das Gefühl, ein Kinderspielzeug zu schubsen, doch ein Effekt fällt mir positiv auf: Der Putt-Stroke muss fester, aktiver erfolgen – daran leiden ja viele Clubgolfer, dass sie beim Putten mehr bremsen als durch den Ball beschleunigen. Mike, gute Sache. Payne hätte sich gefreut! (www.TheBigPutt.com)

altUnzählige Putt-Gadgets buhlen um die Aufmerksamkeit: Besonders genial finde ich die ganze Palette von Snag-Golf (www.snaggolf.com), wo ein kindergerechter Zugang zum Golf (nicht nur zum Putten) angestrebt wird, der diesen Namen wirklich verdient. Weniger begeistert bin ich von der „Neo Multi Mat“ gleich daneben: eine einfache 3 Meter lange Putting-Matte, wo durch Unterschieben eines Plastikteils ein künstliches Break entsteht. Preis: schlanke 120 $. Der Blick auf die Website (www.neotechco.com) macht klar, dass hier der Inhaber einer Werbeplakat-Firma, vermutlich ein begeisterter Golfer, glaubt, mit einer Schwachsinnsidee einigen dummen Golfern ein paar Dollars rauszulocken. Vermutlich mit Erfolg.

altWer selbst nicht so innovativ ist, eigene Produkte zu erfinden, macht einfach das Nächstbeste: Er kopiert. So gesehen am Stand vom „Tomi“. Der Name hat mich gleich angezogen, bedeutet aber zu meiner Enttäuschung schlicht „The Optimal Motion Instruktor“ (www.tomi.com). Das Paket, bestehend aus einem Messgerät, einem Putter mit Sensoren und der notwendigen Software (Preis: 199 $ für das Home-Modell bzw. 895 $ für das Pro-Modell) erinnert mich stark an den „SAM PuttLab“ (www.scienceandmotion.com), eine geniale Entwicklung der deutschen Brüder Martin und Christian Marquardt – deren Stand gleich um’s Eck ist.
altWährend beim Tomi die Bewegung des Balles sowie des Putterkopfes rein optisch gemessen wird, arbeitet der SAM PuttLab mit Ultraschall. Die beiden Produkte schauen zwar ähnlich aus, doch die gelieferten Ergebnisse sind wie Tag(traum) und Nacht(sichtgerät) – also diffus das eine und knackescharf das andere. Beide getestet – kein Vergleich.

Gralshüter

Jedem Golfer sticht es automatisch ins Herz, wenn er St. Andrews liest, hört oder riecht. Mir ging es am Stand 4777 so: St. Andrews, die Wiege des Golfsports schlechthin ist hier. Ich wage es, und klopfe an die Tür der Gralshüter. (Die Körperhaltung der Männer am Stand lässt unmittelbar darauf schließen, und wer mit Parzival nicht vertraut ist, der möge in Kafka’s „Der Prozess“ das Gleichnis vom „Türhüter“ nachlesen, um zu verstehen, was ich meine). Meine Frage ist wohl so naiv und frech, dass ich vom ersten Türhüter gleich zum Obersten Richter vorgelassen werde: „Wie kommt man am einfachsten und schnellsten an ein Greenfee für eine Runde am Old Course.“
Wer mit Golf-Tradition nicht so beschlagen ist, kann gleich zum nächsten Kapitel weiter gehen. Wen’s (trotzdem) interessiert: Der Old Course in St. Andrews ist die Geburtsstätte des Golfsports, wie man ihn heute kennt. Jeder Golfer auf der Welt will dort einmal spielen…

altPeter Dawson, Secretary of the Royal and Ancient Golf Club of St Andrews, holt tief Atem und erklärt mir in über 30 Minuten, wie einfach das eigentlich ist. Die erste Möglichkeit: Jedes Jahr am ersten Mittwoch im September werden 1.800 Startzeiten für das kommende Jahr im Internet an jene vergeben, die sich per Mail (der Account öffnet exakt um 10 Uhr) bewerben. „Allein im letzten September gingen in den ersten zehn Minuten 500 Mails bei uns ein“, so Peter.
Die zweite Möglichkeit: Einfach nach St. Andrews fahren und bei der täglichen Lotterie (Daily Ballot) mit machen – also einen Tag vor der gewünschten Runde persönlich oder telefonisch den Namen deponieren. Auf der Website erfährt man tags drauf, ob’s geklappt hat. „Die Chancen stehen dabei gar nicht schlecht. Allerdings sollte man sich nicht auf einen Tag versteifen, sondern ein paar Tage Zeit haben, und im Notfall dann einen der anderen sechs Kurse spielen.“
Die dritte Möglichkeit – für Early Birds: Beim Starter möglichst früh anfragen, sich auf eine Liste setzen lassen und parat stehen: Täglich kommen circa 30 Personen von dieser Stand-by-Liste zum Zug. Ob man dafür allerdings beim Starter-Häuschen übernachten muss, hat mir Peter nicht verraten.
Die vierte und letzte Möglichkeit: Via Reisebüro eine so genannte „Old Course Experience“ buchen: Ein Premium-Paket mit reservierten Startzeiten und entsprechend teuren Hotels. Abgesehen von letztgenannter Möglichkeit ist eine Runde am Old Course zwar aufwändig, was die Organisation einer Teetime angeht, aber sehr moderat, was das Greenfee betrifft: zwischen 64 und 130 Pfund, je nach Saison.

altUnd dann hätte ich noch eine blöde Frage: Warum gibt es eigentlich diese restriktiven Bestimmungen für die Bauart von Schlägern und Bällen? Wir Golfer könnten doch ohne diese viel weiter schlagen? Peter verweist mich diesbezüglich zu seinem amerikanischen Kollegen von der USGA (United States Golf Association) auf Stand 4053.
PS: Die Putt-Contest-Hostess hat mit dieser Geschichte gar nichts zu tun und dient nur der optischen Auflockerung des langen Textblocks…

Spielverderber

Gut, gehe ich auch noch zum Stand der USGA. Den misstrauischen Blick, der alle trifft, die hier kein Sakko mit irgendeinem Wappen tragen, kenne ich bereits und pariere elegant. „Nein, ich will nicht die PR-Tante sprechen, sondern jemanden, der mit Equipment-Regulations zu tun hat.“ Und wirklich: Dick Rugge, Director of Development ist zugegen und zeigt gleich seinen ganzen amerikanischen Humor, als ich ihn frage, ob er kein schlechtes Gewissen hat, dass wir Golfer wegen der USGA-Richtlinien nicht weiter schlagen können.
altEr richtet galant seine Krawatte (ich hab die PR-Tante gebeten, ein Foto von Dick und mir zu machen, während wir plaudern) und lächelt sein Statement abwechselnd mir und der Fotokamera entgegen: „Der Sinn unserer Bestimmungen liegt darin, dem Golfspiel seine Chance zu belassen. Wenn die Bälle immer weiter fliegen würden, könnten wir auch gleich die Löcher größer machen. Das Scoren wäre einfacher, aber der Spaß und die Herausforderung wären schnell vorbei. Wie bei einem Kind, das ein Videospiel einmal meistert und es dann nie wieder angreifen will, weil es langweilig ist. Golf ist auf jeder Runde eine Herausforderung – und so soll es auch bleiben.“

Thanks Dick, you’re Statement made my Day! Mit diesem Spirit verlasse ich endgültig die PGA Merchandise Show, stolpere fast über den Zwergpinscher (?) „Bogey“, schimpfe aber nicht, weil der sogar eine eigene Akkreditierung als „Service Dog“ auf seinem Rücken trägt.

Auf geht’s, zum Windermere Country Club, einer privaten Wiese, auf der vermutlich keine Hunde rum laufen, weil dort hin und wieder ein gewisser Tiger (der in der Nähe hausen soll) auf die Golfpirsch geht, und wo Uwe Zisser (Wilson Golf Austria) um 13 Uhr eine Startzeit für uns reserviert hat. (www.windermeregolf.com)

Epilog

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Dass wir am Windermere Country Club zufällig mit dem Ziehvater von Suzann Pettersen (Björn Borsjo, ein norwegischer Auswanderer, der nach dem Verkauf seiner vier Firmen seine Pension genießt und eine Villa neben Arnold Palmer bewohnt) im Flight spielen werden, altdass mich Jamee Powell auf Loch 11 mit ihrem Verpflegungswagerl vorm Verdursten rettet, während sie Uwe Zisser das Herz bricht (was mein Match gegen ihn rettet, weil ich endlich Birdiechancen vorfinde, während Uwe nach Jamee Ausschau hält), dass ich mit Suzann Pettersen am Telefon spreche („Sorry, my lesson with David Leadbetter was yesterday, you can’t watch. But who told you? Björn! I’ll say hello from you, the next time I meet him.“), dass ich die letzten Stunden vor meinem Rückflug in Down-Town-Orlando das grasierende Super Bowl-Fieber einatme und mir Darren noch schnell das Spiel erklärt, oder dass ich beim Auschecken aus dem Hotel den NBA-Star Dirk Nowitski (der Deutsche misst 213 Zentimeter!) treffe und ein Autogramm bekomme…

Über all das kann ich hier leider nicht schreiben. Schließlich handelt der Blog von der PGA Merchandise Show. alt
Und die ist… leider vorüber.

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