Wissen, wo es lang geht! [0]

Kein Profi würde ein Loch völlig konzeptlos spielen. Tour-Pro und DiamondCC-Spieler Markus Brier zeigt uns seine Strategie und führt über seinen neuen Heimatclub.

Schlachten werden gewonnen, bevor sie geschlagen sind, hat ein weiser Chinese gesagt. Das gilt auch im Golf und nicht nur für Professionals, sondern auch für den Hobbygolfer, der sich Schläge sparen möchte – ganz ohne Training. Die Strategie: Ich hau mal drauf und schau was passiert, kann fatale Folgen haben. Ich möchte Ihnen an ein paar Beispielen zeigen, wie die Profis ihr Handwerk angehen und einen Platz wie den Diamond Course meistern. Mit Köpfchen und einem Birdiebuch als Navigator.

 

 

Weg vom Hindernis ist hin zum Hindernis
Am Anfang ist die Teebox. Für viele Durchschnittsgolfer gilt: So nahe wie möglich an der Linie und keinen Zentimeter herschenken. Nur soviel: Wenn Ihnen am Ende 20 Zentimeter fehlen, haben Sie die sicher nicht am Tee hergeschenkt. Bei der Wahl der Abschlagposition stehen schon die ersten wichtigen Entscheidungen an, auch wenn diese weniger technisch, sondern eher psychologisch sind. Die 10. Spielbahn des Diamond Course ist ein gutes Beispiel für eine strategische Wahl der richtigen Abschlagposition. Weit links sieht man zwar das gesamte Fairway gut ein, jedoch wird das massive Wasserhindernis auf der rechten Seite sehr präsent. Teet man weiter rechts auf, verschwindet das Hindernis hinter den Hügeln und ist optisch nicht mehr aus zu machen. Also je weiter man zum Hindernis wandert, um so mehr nimmt man das Wasser aus dem Spiel und schlägt auf die sichere Seite, weg vom Nass. Auf allen Spielbahnen gilt: Planen Sie den Tee-Schuss sorgfältig und nutzen Sie die gesamte Teebox – natürlich im Rahmen des Erlaubten (maximal zwei Schlägerlängen nach hinten) – aus.

Der Weisheit letzter Schluss
Es muss nicht immer der Driver sein. Zu einem gute Spielkonzept gehört genauso, dass ich mich vor dem Abschlag frage: Wie will ich das Loch anlegen? Die 13 am Diamond Course ist ein gutes Beispiel. Bei günstigem Wind ist dieses trickreiche Par 5 in zwei Schlägen zu erreichen, allerdings birgt der Drive einige Gefahren. Die Landezone für den Driver wird sehr eng und ist rechts flankiert von einem Baum und Gebüsch und auf der anderen Seite wartet dickes Rough, und wenn man das Fairway nicht trifft, muss man oft heftig ums Par kämpfen. Entscheide ich mich dafür, das Green in drei Schlägen zu erreichen und einen guten Layup zu machen, ist es wesentlich vernünftiger zum Beispiel ein Hybrid zu nehmen. Die Landezone ist dann die breiteste Stelle am Fairway und ich werde den meisten Gefahren aus dem Weg gehen. Als zweiten Schlag kann ich dann ein mittleres Eisen gut vorlegen. Verwenden Sie ein Birdiebuch und machen Sie sich ein Spielkonzept für jede Bahn, das Sie dann auch mit Selbstvertrauen einhalten und wägen Sie die Risiken ab.

150 Meter ist nicht gleich 150
Meter  Viele Amateure machen den Fehler, dass sie nur auf die Entfernungsmarkierung am Fairway schauen und quasi immer denselben Schläger spielen. Das wäre für uns Pros nicht denkbar. Viele Komponenten beeinflussen die Schlägerwahl: Ist das Green erhöht, oder liegt es tiefer? Wie schaut es mit dem Wind aus? Alles Dinge, die wir ins Kalkül ziehen müssen. Vor allem aber essenziell ist die Beschaffenheit der Grünlandschaft. Wo liegen die Hindernisse? Wenn ich das Grün verfehle, auf welcher Seite passiert mir weniger und vor allem wie groß und wie tief ist das Green? Speziell auf der 18. Bahn am Diamond Course kann, je nach Fahnenposition, die Wahl des richtigen Schlägers locker um zwei Eisen differieren. Und das kann dann über Cut oder nicht oder, noch schlimmer, über Sieg oder Niederlage entscheiden. Oder eben über eine Vorgabenverbesserung oder nicht! Daher mein Appell: Schauen Sie sich Grünlandschaften an und wählen danach den richtigen Schläger. Durch ein gutes Spielmanagement können Sie mehr Schläge sparen als Sie glauben.

 

 

Markus Brier
Erfolgreichster österreichischer Pro, seit 11 Jahren auf der European Tour  mit zwei Siegen (Austrian Open 2006, China Open 2007)

www.markusbrier.at

 

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