Werfen, Laufen, Kraxeln [0]

Sportmotorische Probleme bei unseren Kids sind hausgemachte Probleme: Einerseits fehlt es an der schulischen Sportlichkeit, andererseits sitzen die Kids gerne vor Playstation & Co, sagt Dr. Zwick.

Die sportliche Entwicklung der Kids von heute steckt in einer veritablen Krise. Statt im Grünen zu Spielen und Sporteln verbringen viel zu viele Kinder die Freizeit tendenziell eher vor Spielkonsolen, Fernseher und Computer. Das wirkt sich auch auf golfmotorische Fertigkeiten der Jüngsten aus.

Wenn der Sport zur organisierten Nebensache wird und in der Schule die „Leibeserziehung“ offensichtlich immer unwichtiger, bleiben Konsequenzen nicht aus. Wird die Grundmotorik nicht entwickelt, bestehen für das Erlernen sportspezifischer Fähigkeiten schlechte Voraussetzungen. Die Folge sind sogenannte Fertigkeits-Barrieren, die später auch leistungslimitierend wirken können.

ASPEKTE DER GRUNDMOTORIK müssen in den frühen Kindheitsjahren entwickelt werden! Das Laufen, Hopsen, Springen, Werfen und Fangen, Klettern, das Bewegen von Bällen sowie das Balancieren sind wichtige Fähigkeiten für spätere komplexere Sportarten. Ein junger Golfsportler, der nicht werfen kann, wird seinen Pitch niemals optimal entwickeln können. Das spielerische Erlernen eines Wurfes auf Weite, Ziel und Geschwindigkeit bereitet den Boden für erfolgreiche Golfschläge. Man lernt dabei die Antizipation des Ballflugs, Hand- Augenkoordination und das richtige Bewegen der biomechanischen Körperketten. Eine junge Golfsportlerin, die mit einem Fußball nichts anzufangen weiß, könnte Probleme in der Separation zwischen dem Ober- und Unterkörper haben. Die Fertigkeits-Barriere, den Rumpf vom Becken unabhängig zu bewegen, macht hier das Erlernen eines modernen dynamischen Golfschwungs sehr schwierig.

WAS TUN, um den Golf-Nachwuchs zu fördern? Fest steht, dass die frühe Spezialisierung auf eine oder wenige Sportarten der falsche Weg ist. Wichtig hingegen wäre eine in Richtung Spaß orientierte Entwicklung der Grundmotorik. Deshalb sollten Kinder in einer Golfschule ihre Schläger auch mal weglegen, und traditionelle Kinderspiele ausüben: Sackhüpfen, auf Klettergerüsten kraxeln, Fußball etc. Das TPI Junior Performance Center in Kalifornien sieht bei einer Trainingseinheit von 90 Minuten für Kinder bis zum achten Lebensjahr für das reine Golftraining lediglich fünf bis sieben Minuten vor! Wer am Erfolg dieses Konzeptes zweifelt, möge Rickie Fowler auf der PGA Tour beobachten: ein gut entwickelter Golfathlet, der in seiner Kindheit laut eigenen Angaben viele unterschiedliche Spiele und Sportarten ausübte – und Spaß dabei hatte


Dr. Ernst Bernhard Zwick ist Oberarzt an der Abteilung für Kinder- und Jugendorthopädie in Graz (Hcp -7,5).
Dr. Robert Kocher ist Facharzt für Chirurgie  und für Unfallchirurgie in Leoben (Hcp -3).

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