Schmerz lass nach! [0]

Wenn es beim Golfen zwickt und zwackt, gibt es leider kein Patentrezept. Dafür ist die Golf-Bewegung zu komplex, weiß der ÖGV-Verbandsarzt Dr. Ernst Bernhard Zwick.

Aus der Golfrevue 2/2009

Die Golfmedizin steckt bei uns noch in den Kinderschuhen“, lautet das harte Urteil von Dr. Ernst Zwick. Und das, obwohl der Bereich Golf-Medizin – sowohl was die Vorsorge als auch die Behandlung angeht – heiß umkämpft ist. Die Zielgruppe ist groß, tendenziell auch gewillt und in der Lage, für eine gute sportmedizinische Betreuung Geld auszugeben. Dabei ist es nicht damit getan, einen einzelnen Arzt zu konsultieren, weiß Zwick: „Da muss es um Team-Arbeit gehen. Denn Golf ist auch was die medizinischen Problemzonen betrifft, ein komplexer Sport und es gibt keine Patentrezepte für die überraschend breite Palette an Golfer-Beschwerden.“ (Mehr zum Thema Team-Arbeit lesen Sie im Infokasten „Behandlungsstrategien“.)

Ein weiterer Punkt, der laut Zwick maßgeblich für Golf-Beschwerden verantwortlich ist: Viele Hobby-Spieler legen unverhältnismäßig viel Wert auf das Üben der Technik und vernachlässigen dabei Kraft- und Ausdauer-Training ihres Körpers. „Die meisten von uns schlagen“, so Zwick, „viel mehr Bälle, als der Körper verträgt – nicht auf der Runde, sondern auf der Driving Range.“

Verletzungen und Überlastungsschäden im Golfsport

Hand/Handgelenk (5 %) Ursachen: bei guten Spielern die hohe Schwung-geschwindigkeit und Schlägerkopfgeschwindigkeit. Bei Amateuren meist durch Überlastung bei ungenügendem Trainingszustand
Halswirbelsäule (k.A.) Ursachen: Vorschäden und Überbelastung bei sportlich wenig aktiven Golfern 

Schulter (14 %) Ursachen: eingeschränkte Beweglichkeit und vermehrter Einsatz der Arme. Technische Fehler komplettieren das Spektrum der Ursachen
Ellbogen (20 %) Ursachen: falsche Technik und/oder Überlastung bei ungenügendem Trainings-zustand. Das Schlagen von alten und -einfachen Matten ist ein Risikofaktor. Funktionseinschränkungen in der Hals-wirbelsäule äußern sich häufig in -Beschwerden der Ellbögen (Golfer- bzw. Tennis-Ellbogen)
Brustwirbelsäule (k.A.) Die Ursachen für Probleme im -Bereich der BWS liegen in Vor-schäden und Funktionsstörungen der HWS sowie in Dysbalancen der Muskulatur im Schultergürtel und Rumpfbereich
Lendenwirbelsäule (30,5 %) Ursachen: reduzierte Beweglichkeit der Hüften und der Brustwirbelsäule und fehlende Stabilität des unteren Rumpfes.
Hüfte (7 %) Die Ursachen der Probleme im Bereich der Hüften bestehen bei Amateuren meist in der fehlenden Beweglichkeit und in Vorschäden der Hüftgelenke
Knie (12 %) Ursachen: eingeschränkte Beweglichkeit der Hüften und Dysbalancen der Ober- und Unterschenkel-Muskulatur. Zusätzlich führen technische Fehler häufig zu Beschwerden. So führt zum Beispiel fehlender Gewichts-transfer auf das linke Bein (bei rechtshändigen Golfern) zu einer Rotations-Beugebelastung des rechten Knies
Fuß/Sprunggelenk (5 %) Ursachen: vorbestehende Fehlstellungen oder Fehlhaltungen des Fußes. Unzu-reichend stabile Golfschuhe führen oft zu Reizungen im Bereich der Achilles-Sehnen. Häufig werden bei Trägern von Schuhein-lagen diese nicht im Golfschuh verwendet, da es wenige brauchbare Golfschuhmodelle dafür gibt.

Behandlungsstrategien

Die Diagnose wird durch die Anamnese, die klinische Untersuchung und die Bildgebung (Röntgen, Ultraschall, Kernspintomographien) sowie durch Funktionsuntersuchungen (Nervenleitgeschwindigkeiten u.ä.) gestellt. Der Therapieplan wird mit einer interdisziplinären „Mannschaft“ gestellt. Ein professionelles Team besteht aus Masseur, Physiotherapeut, -Fitness-Trainer, Orthopäde und in vielen Fällen dem Teaching-Pro, da viele Probleme in der mangelhaften Golf-Technik ihren Grund haben. Die Therapien reichen von einfachen konservativen Methoden, wie der manuellen Medizin, über medikamentöse Ansätze zu orthopädischen Hilfsmitteln, wie Bandagen und Einlagen, bis hin zu chirurgischen Eingriffen.
Die Rehabilitation erfolgt ebenfalls immer streng interdisziplinär mit einem Return-To-Sport-Programm, das mit dem Golf-Pro ab-gestimmt wird. Die Prävention ist der wichtigste medizinische Aspekt im Golf. Die individuelle Golf-Fitness kann mit einfachen Programmen gesteigert werden und in Zusammenarbeit mit dem Golf-Pro kann für jeden Golfer ein Schwung gefunden werden, der die körper-lichen Fähigkeiten nützt ohne den Bewegungsapparat zu überlasten.

Dr. Ernst Bernhard Zwick ist Oberarzt an der Abteilung für Kinder- und Jugendorthopädie in Graz (Hcp -7,5).
Dr. Robert Kocher ist Facharzt für Chirurgie  und für Unfallchirurgie in Leoben (Hcp -3).

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