Gesund Golfen – Der Rücken [0]

Golf hatte immer den Ruf kein körperlich anspruchsvoller Sport zu sein. Diese Meinung ist schon lange nicht mehr haltbar, sind sich die ÖGV-Verbandsärzte Dr. Ernst Bernhard Zwick und Dr. Robert Kocher einig.

Aus der Golfrevue 07/2009

Wenn Fünfzehnjährige ihre Drives über 270 Meter schlagen, wird enorm viel Energie von den Beinen über das Becken in den Rumpf und dort über Schultergürtel und Arme in den Schläger transferiert. Dem Rumpf und hier vor allem dem „Core“ als der Einheit von Becken, Rücken, Bauchdecke und Zwerchfell kommt da eine besondere Bedeutung zu.

RICHTIGES CORE-TRAINING

Bei Kindern und Jugendlichen muss man sich vor allem auf koordinative Aspekte und weniger auf Kraft konzentrieren! Moderne Golfschwünge erfordern ein hohes Maß an Separation zwischen Becken und Rumpf. Wenn diese jedoch nicht getrennt von einander in harmonischer Koordination bewegt werden können, sind Schwungfehler häufig die Folge. Bevor man sich also dem Training der Core-Koordination widmen kann, müssen Kinder und Jugendliche im Golf über ausreichend bewegliche Hüftgelenke und eine gut mobile Brustwirbelsäule verfügen. Nach der Mobilität kann dann an der Stabilität des Core und an der Koordination gearbeitet werden. Erst wenn diese Aspekte technisch im Golfschwung umgesetzt werden, sollte an der Kräftigung gearbeitet werden.

WAS, WANN, WIE?

Für Mädchen bis zum Erreichen der maximalen Wachstums-geschwindigkeit der Pubertät und für Burschen bis ein Jahr nach der maximalen Wachstums-geschwindigkeit steht beim Krafttraining das Trainieren mit dem eigenen Körpergewicht im Vordergrund. Der Einsatz von Gummibändern, TRX-Bändern, Medizinbällen und Gymnastikbällen ist ideal, um ein vielseitiges Programm zur Kräftigung des Rumpfes aufzubauen. Die Technik des klassischen Trainings mit freien Gewichten (Lang- und Kurzhanteln) sollte bereits vor dem Eintritt in den Wachstumsschub der Pubertät technisch erlernt werden, da die jungen Sportler hier komplizierte Bewegungsabläufe besonders leicht erlernen. Über das Training mit eigenem Körpergewicht und das spätere Training mit freien Gewichten wird die für den Golfsport so wichtige Balancierung der einzelnen Muskelgruppen berücksichtigt. Es wird verhindert, dass bestimmte Muskelgruppen zu stark und andere Körperpartien zu wenig trainiert und ausgebildet werden. Überlastungen und Problemen in der Bewegungskoordination wird so vorgebeugt. Verkrümmungen der Wirbelsäule (Skoliosen, Kyphosen, Hyperlordosen) stellen übrigens keinen Grund dar, mit dem Golfsport aufzuhören. Vielmehr sollten Kinder und Jugendliche mit solchen Verkrümmungen durch einen spezialisierten Facharzt für Orthopädie und Physiotherapeuten auf ihren Sport vorbereitet und im Training angeleitet werden.
Dr. Ernst Bernhard Zwick ist Oberarzt an der Abteilung für Kinder- und Jugendorthopädie in Graz (Hcp -7,5).
Dr. Robert Kocher ist Facharzt für Chirurgie  und für Unfallchirurgie in Leoben (Hcp -3).



 

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