Viel Lärm um Nichts? [0]

Mit 1. Jänner 2012 gibt es einige interessante Regeländerungen. Überarbeitet von den zwei „gouverning bodies“, dem R&A und der USGA. An neun der ins­gesamt 34 Golfregeln wurde gefeilt. Überarbeitet wurde auch das Handicap-System der ­European Golf Association, kurz EGA, dem sich der ÖGV allerdings nicht voll anschließt.

Man kann es drehen und wenden wie man will: Zwar gibt es nur 34 Golfregeln – die über 100 Unterpunkte und zigtausenden Decisions machen das Golf-Regelwerk zum wohl kompliziertesten aller Sportarten. Und dem nicht genug: Alljährlich tüfteln die Herren des R&A und der USGA an teils sinnvollen, teils nicht nachvollziehbaren Änderungen. Diese werden mit der Neuauflage des Regelwerks, das im 4-Jahres-Zyklus erscheint, schlagend. Auch 2012 ist das nicht anders, und bei einigen der Änderungen gibt’s immerhin „good news“: Das Limit für Hole-in-One-Preise bei Amateuren ist gefallen, wir dürfen uns beim Turnier noch mehr verspäten und wenn ein Windstoß einen Ball bewegt, den wir gerade angesprochen haben, gibt’s keinen Strafschlag mehr. Immerhin. Wie die aus dem amtsbritischen übersetzte deutsche Version klingt und welche Änderungen noch auf uns zukommen, lesen Sie im Kasten.

Zoff in der EGA
Dem nicht genug, müssen wir uns nun auch noch mit einem neuen Handicap-System auseinandersetzen. Zumindest wenn es nach der EGA geht, dem Europäischen Golfverband. Dort hat man nämlich beschlossen, ab sofort eine Software über den jeweiligen Puffer und unser Handicap befinden zu lassen. Das Ganze versteckt sich hinter den Kürzeln CBA und AHR. Ersteres steht für Computed Buffer Adjustment wobei der Computer nach der Runde je nach Scores die Pufferzonen verändern kann. AHR überwacht im Grund, ob man genügend Turniere gespielt hat. Wer weniger als vier vorgabewirksame Turniere spielt, wird vom Computer inaktiv gestellt. In beiden Fällen ist der ÖGV auf die Barrikaden gestiegen und hat eine Ausnahmeregelung erwirkt. ÖGV-Generalsekretär Robert Fiegl erklärt warum: „Beim CBA sind wir mit der Software nicht zufrieden. Es gibt zu wenige Parameter, die man vor einer Turnierrunde eingeben kann. Damit ist einer Computer-Willkür Tür und Tor geöffnet. Auch das AHR ist keine für uns vernünftige Regelung: Warum soll etwa ein Spaßgolfer, der nur zwei, drei Turniere im Jahr spielt, dann inaktiv gestellt werden?“ Die Argumente des ÖGV, der vom dänischen Golfverband Rückendeckung bekam, waren stark genug, um zunächst für 2012 eine Ausnahmeregelung zu erwirken. Zum Glück! Denn ohne diese wären Österreichs Top-Amateure bei internationalen Events nicht spielberechtigt gewesen.Die Regelung ist im weitesten Sinne eine Zwitterlösung, denn der CBA kommt sehr wohl zum Einsatz. Allerdings müssen sich nur rund fünf Prozent aller österreichischen Golfer mit dem neuen System anfreunden. Bei vorgabewirksamen Turnieren fallen nur die Vorgaben-Klassen 1 und 2 (bis maximal Handicap 11,4) in die neuen Regelungen. Man gibt sich aber beim ÖGV kompromissbereit so Fiegl: „Wir stehen dem neuen System prinzipiell in allen Vorgaben-Klassen skeptisch gegenüber und finden aber, dass wir einen guten Kompromiss gefunden haben.“ Der ÖGV wird im Hintergrund auch alle Ergebnisse der Vorgaben-Klassen 3 bis 6 über das neue System laufen lassen. „Nach dem ersten Jahr sehen wir dann, was verbessert werden muss“, erklärt Fiegl.

Die wichtigsten Regel-Änderungen im Überblick. (Gültig 2012 – 2015)

Regel 6-3a. Abspielzeit
Für ein zu spätes Erscheinen zur Tee Time gibt es keine direkte Disqualifikation mehr: Wer spielbereit innerhalb von fünf Minuten nach seiner  Teetime am Start eintrifft, wird im Lochspiel mit Lochverlust, im Zählspiel mit zwei Strafschlägen bestraft. Wer sich länger als fünf Minuten verspätet, wird weiterhin disqualifiziert.

Regel 12-1. Ball beim Suchen bewegt
Bisher gab es bei dieser Regel eine Ausnahme zugunsten des Spielers. Bewegte sich der Ball beim Suchen unter losen Naturstoffen im Hindernis (z.B. Blätter im Bunker) wurde keine Strafe verhängt. Diese Ausnahme wurde aufgehoben. Bewegt sich der Ball beim Suchen unter losen Naturstoffen in Hindernissen, gibt es dafür einen Strafschlag. Der Ball muss zudem zurückgelegt werden.

Regel 13-4. Ball im Hindernis, unzulässige Handlungen
Ausnahme 2 zu Regel 13-4 besagt, dass es einem Spieler jederzeit erlaubt ist, Sand oder Erdreich in einem Hindernis einzuebnen. Auch vor seinem nächsten Schlag. Dies darf aber nur geschehen, solange diese Handlung ausschließlich der Platzpflege dient und sich der Spieler dadurch keinen Vorteil verschafft. Die Lage des Balls darf nicht verbessert werden und Spuren auf der Spiellinie nicht eingeebnet werden.

Regel 18-2b. Ball nach Ansprechen bewegt
Die Überarbeitung dieser Regel befreit den Spieler von einer -Strafe, falls sich der Ball nach dem Ansprechen bewegt. Es muss aber erkennbar oder so gut wie sicher sein, dass nicht der Spieler die Bewegung verursacht hat. Der Ball muss von der neuen Stelle, an der er zur Ruhe -gekommen ist, gespielt werden.

Regel 3-2b: Hole-in-One-Preise
Die Obergrenze für Hole-in-One-Preise im Amateurgolf wurde aufgehoben. Bisher war die Obergrenze für Amateure 750 Euro. Ab heuer könnten also auch im Amateur–Bereich für ein Hole-in-One zum -Beispiel Autos als Preis angenommen werden.

Regel 19-1. Ball in Bewegung abgelenkt oder aufgehalten
Wird ein Ball durch etwas nicht zum Spiel gehöriges zufällig abgelenkt, bleibt dies straflos. Wird ein Ball absichtlich durch etwas nicht zum Spiel gehöriges abgelenkt, wird geschätzt, wo der Ball zur Ruhe gekommen wäre. Von dort aus muss nach einem Drop weitergespielt werden.

Regel 20-7c. Von falschem Platz spielen; Zählwettspiel
Anmerkung 3 wurde erweitert und legt fest, dass für das Spielen vom -falschen Ort meist nur zwei Strafschläge anfallen,  auch wenn zuvor gegen eine andere Regel verstoßen wurde.

Anhang IV
Ein neuer Anhang untersagt etwa die Verwendung von Entfernungsmessgeräten. Diese dürfen lediglich -verwendet werden, wenn es von der Wettspielleitung durch eine Platz-regel zugelassen ist. Die verwendeten Geräte dürfen in keinem Fall mehr können, als Distanzen anzeigen.

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